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Nach Repositionierung als Meinungs- und Debattenblatt: Hamburger Morgenpost zieht erste Relaunch-Bilanz

Die Hamburger Morgenpost kämpft wie fast alle Zeitungen mit Auflagenproblemen – ein Relaunch soll die Leser-Blatt-Bindung stärken
Die Hamburger Morgenpost kämpft wie fast alle Zeitungen mit Auflagenproblemen – ein Relaunch soll die Leser-Blatt-Bindung stärken

Der neue publizistische Kurs der Hamburger Morgenpost als Debattenzeitung stößt bei Lesern auf positive Resonanz. Doch die Auflage konnte bisher kaum profitieren, was eine demnächst startende Marketingkampagne ändern soll. Hoffnung setzt der Verlag auf eine Vermarktungs-Allianz mit den Mopo-Konkurrenten Bild und Abendblatt. Geschäftsführung und Chefredaktion stellten die Neuerungen heute vor.

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„Mehr Haltung, mehr klare Kante“ – Mitte November unterzog Chefredakteur Frank Niggemeier der Hamburger Morgenpost einen umfassenden Relaunch. Sein Konzept: Er machte aus einem lupenreinen Boulevardtitel ein optisch attraktiv aufgemachtes Meinungs- und Debattenblatt. Bei den Lesern zeigt der Heftumbau bisher nur begrenzte Wirkung. „Die Auflagenzahlen haben sich nach dem Relaunch weder nach oben noch nach unten bewegt. Wir versprechen uns davon keine kurzfristigen Effekte, sondern eine nachhaltigere Leser-Blatt-Bindung“, betont Niggemeier. Um dem Verkauf der 1949 gegründeten Tageszeitung dennoch mehr Schwung zu verleihen, startet der Verlag in den nächsten Wochen eine breit angelegte Marketingkampagne. „Wir wollen hiermit dem Leser sichtbar machen, was sich bei der Mopo verändert hat“, betont der Chefredakteur. Geplant sind unter anderem Out-Of-Home-Werbung und Radiospots.

Die öffentlichkeitswirksame Anschubhilfe ist verständlich. Denn blickt man auf die aktuellen IVW-Statistik, ist von einer unveränderten Auflagenentwicklung bislang nichts zu sehen. Im 4. Quartal 2017 setzte der Verlag gegenüber dem Vorquartal 63.526 Exemplare ab. Das ist ein Minus von 7,74 Prozent. Der Einzelverkauf brach sogar in diesem Zeitraum um 8,4 Prozent auf 43.825 Exemplare ein. Vergleicht man das 4. Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahresquartal ist das Bild deutlich schlechter. Hier sank der Verkauf sogar um knapp 13 Prozent. Die Hamburger Morgenpost, die die Hamburger liebevoll kurz „Mopo“ nennen, kämpft seit Jahren gegen den Leserschwund. Noch vor einem Jahrzehnt verkaufte die zur DuMont Mediengruppe gehörende Tageszeitung mehr als 114.000 Exemplare. Doch das veränderte Leseverhalten der Menschen macht dem Blatt das Leben schwer. Denn immer mehr häufiger rufen sie die Nachrichten aus der Region und aller Welt auf ihrem Handy ab. Doch die norddeutsche Boulevardzeitung ist kein Einzelfall. Auch der zu Axel Springer gehörende Konkurrenztitel Bild leidet auf dem hart umkämpften Pressemarkt in der Elbmetropole unter massiven Absatzeinbußen.

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Nun sollen mehr Kommentare, mehr Kolumnen, mehr Standpunkte dem Blatt aus der Krise helfen. Damit will sich Niggemeier unabhängiger vom aktuellen Nachrichtengeschehen in der norddeutschen Metropole machen, um bei den Lesern mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Doch der neue publizistische Kurs hat auch personelle Konsequenzen. Die Geschäftsführung will im Verlagsbereich und der Redaktion Stellen abbauen, offenbar aber nicht mehr in der Größenordnung wie ursprünglich geplant. Nur noch sieben statt bislang elf Arbeitnehmer sollen dem Rotstift zum Opfer fallen, heißt es in Unternehmenskreisen. Von dem Personalabbau erhofft sich die Geschäftsführung Kosteneinsparungen. Dennoch macht sich die weiter rückläufige Auflage der gedruckten Zeitung, die noch immer wesentlicher Erlösträger des Unternehmens ist, unvermindert in der Ertragslage bemerkbar. Operativ rutschte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2016 in die roten Zahlen. 2017 ist keine Besserung in Sicht. „Es liegen noch keine Bilanzzahlen für 2017 vor. Ich gehe aber davon, dass wir im vergangenen Jahr operativ einen Verlust geschrieben haben“, betont Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow.

Um die Gewinnsituation zu verbessern, plant die Geschäftsleitung, in neue Unternehmensfelder vorzustoßen. „Wir beabsichtigen, uns neue Erlösquellen zu sichern, die sich jenseits des herkömmlichen Mediengeschäfts bewegen“, so Molzow. Auch der Ausbau des Messegeschäfts und Corporate Publishing sollen helfen, die weitere Zukunft des Unternehmens abzusichern. Neue Impulse erhofft sich die Geschäftsführung auch in der Vermarktung. So wollen die zu Axel Springer gehörende Bild, das zur Funke Mediengruppe gehörende Hamburger Abendblatt sowie die Mopo norddeutschen Werbekunden künftig gemeinsam eine Anzeigen-Kombi anbieten. Noch sei das Modell im „Laborstadium“, heißt es. Es würden hierzu aber konkrete Gespräche geführt, betont Molzow.

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Alle Kommentare

  1. Fake News? Alternative Fakten?
    “Die Auflagenzahlen haben sich nach dem Relaunch weder nach oben noch nach unten bewegt.”
    gegen:
    “…ein Minus von 7,74 Prozent. Der Einzelverkauf brach sogar in diesem Zeitraum um 8,4 Prozent auf 43.825 Exemplare ein. Vergleicht man das 4. Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahresquartal […] Hier sank der Verkauf sogar um knapp 13 Prozent. ”
    Auch schön, das indirekte Eingeständnis aus der Geschäftsführung:
    “Wir beabsichtigen, uns neue Erlösquellen zu sichern, die sich jenseits des herkömmlichen Mediengeschäfts bewegen”

  2. Als Kind habe ich mir die MOPO immer wegen der Comics mit Blondie, Phantom, Popeye und Mandrake gekauft, vielleicht mal wieder mehr Comics abdrucken, nicht nur die dösigen Ottifanten.

  3. Die Mopo ist doch schon seit zig Jahren ein links-grünes Meinungsblatt, das gern auf dem Neidklavier spielt oder moralisiert. Klar kommt das bei Kernlesern gut an.
    Mit dieser Miniauflage in Hamburg ist die Mopo kein empfehlenswerter Werbeträger mehr.
    Die BILD hat Diekmann mit seinem Kurs auch ins Auflagentief gefahren. Mich wundert warum es nur die ZEIT schafft stabil zu bleiben. Print geht zurück, dass ist Trend. Der wird aber von Redaktionen, die gegen ihre Leser anschreiben beschleunigt.

  4. Selbst wenn der nicht links verstrahlte Leser in diesem Blättchen mal wieder wirklichkeitsgerechte Berichterstattung finden würde, hätte die Mopo keine Zukunft. Ihr geht es so, wie den anderen auch: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht! Zu lange mußte der Leser feststellen: Auf welcher Veranstaltung bin ich gewesen??? Wo waren die “Schreiberlinge”?? Es hat Ihnen nichts genützt – siehe Redaktionsabbau!

  5. “Mehr Haltung und klare Kante” kann Niggemeier mit seiner Mopo doch gar nicht zeigen. Wie mehr oder weniger alle Kollegen der Mainstreammedien weist er doch täglich auf die Gefahr hin, dass die Rechten kurz vor der Machtübernahme stehen. Nur weiter offene Grenzen, mehr Europa, der Euro und eine Weiterwursteln Merkels können uns retten. Komisch, das die Leser eine solch mutige Positionierung zugunsten der herrschenden Kaste nicht mit ihrer Kaufentscheidung honorieren.

  6. Fakt ist: “Bis Ende der 1950er Jahre stieg die MoPo-Auflage auf 450.000 Exemplare.” Fakt ist auch: “Die verkaufte Auflage beträgt 63.526 Exemplare, ein Minus von 44,7 Prozent seit 2006.” (Quelle: Wikipedia)

    Der endgültige Niedergang des einstigen SPD-Blattes aus der Hansestadt an der Elbe scheint wohl unabwendbar zu sein. Der bisherige Absturz wäre allerdings auch in den heutigen Zeiten der Digitalisierung vermeidbar gewesen, wenn man eine echte Unabhängigkeit und Überparteilichkeit an den Tag gelegt und sich eines investigativen Recherchestils befleißigt hätte.

    Obendrein wäre es hilfreich gewesen, sich auf die elementaren Grundprinzipien des journalistischen Handwerks zu besinnen. Zum Basiswissen des Metiers zählt u.a. die sog. Trennungsregel, die da besagt, dass Bericht und Kommentar, Meldung und Meinung strikt voneinander zu trennen, klar voneinander abzugrenzen sind. Leider beherrscht das nicht nur bei der ‘Hamburger Morgenpost’ kaum noch jemand. Statt dessen gefällt man sich in der Rolle des Volkserziehers mit der Attitüde des permanent wertenden und besserwisserischen Oberlehrers.

    Nur: Eine Gazette, die, statt objektiv zu berichten, den zahlenden Kunden geradezu gebetsmühlenhaft “Mainstream”-Positionen von realitätsfremden Berufspolitikern und staatlich alimentierten Kirchenfürsten in ihren weit der Lebenswirklichkeit entrückten Elfenbeintürmen eintrichtert, darf sich über einen galoppierenden Auflagenschwund nicht wundern. Dieser Niedergang ist letztlich als Folge eigenen Unvermögens selbst verschuldet. Durch mangelnde Eigenreflexion verursachtes Selbstmitleid und larmoyantes Gejammer sind da fehl am Platze.

    Nun also hat die ‘MoPo’ die schon seit Jahren verfolgte Linie, ein Meinungs-Medium zu sein, zum Mantra, zur alles dominierenden Doktrin des Blattes erhoben. Das ist der endgültig erklärte Abschied vom klassischen Journalismus. Mit einer Zeitung im eigentlichen Sinne hat dies nicht mehr viel zu tun.

    Auf eine derartige Propaganda-Postille kann ich ebenso wie viele andere Menschen auch gut verzichten.

  7. Die Mopo hat ihre Kunden aus denselben Gründen verloren, wie die Bild. Die Redakteure und Journalisten machen ein Blatt für sich selbst, statt für die potentielle Kundschaft.
    Das die Mopo sich jetzt als Debattenblatt positionieren will, ist ja sicher löblich. Das dürfte aber nach einem Jahrzehnt als so eine Art “noch dümmere Bild für frühdemente Linke und Althippies” eher scheitern.

  8. In meiner Abteilung, 12 Kollegen, findet die Mopo schon seit einem Jahr nicht mehr statt. Ein Blatt, daß ständig, völlig unkritisch, Regierungspolitik bejubelt wollte hier keiner mehr lesen. Dazu kam die unerträglich Zensur bei unseren Kommentaren bei mopo online. Die Morgenpost wird vom Markt verschwinden und das ist nicht sehr schade.

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