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Rotstift bei der Hamburger Morgenpost: Geschäftsführung will weniger Stellen als geplant abbauen

Susan Molzow, Geschäftsführerin der Hamburger Morgenpost: Das Traditionsblatt rutschte im vergangenen Geschäftsjahr in die Verlustzone
Susan Molzow, Geschäftsführerin der Hamburger Morgenpost: Das Traditionsblatt rutschte im vergangenen Geschäftsjahr in die Verlustzone

Die bei der Hamburger Morgenpost geplante personelle Verschlankungskur fällt deutlich geringer aus als geplant. Ursprünglich sollten bei der norddeutschen Boulevardzeitung elf Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen, nun ist nur noch von sieben Arbeitsplätzen die Rede. Zudem hat sich die Geschäftsführung mit dem Betriebsrat auf eine Abfindungsregelung geeinigt. Die Zeitung gehört zum DuMont-Konzern.

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Danach will die Mopo-Geschäftsführung für die von einer Kündigung betroffenen Mitarbeiter eine Abfindung in Höhe von 0,7 Gehältern pro Beschäftigungsjahr zahlen, teilen die Verlagsgeschäftsleitung, der Betriebsrat sowie die beiden Gewerkschaften ver.di und DJV in einer gemeinsamen Erklärung mit. „Für Schwerbehinderte und Eltern von unterhaltsberechtigten Kindern gibt es jeweils zusätzlich Abfindungsbeträge (3.000 Euro bzw. 5.000 Euro brutto). Für Kurzentschlossene erhöht sich die Abfindung um den Faktor 0,3 (Turboprämie) plus einen Sockeleinigungsbetrag in Höhe von 5.000 Euro brutto“, heißt es hier. Die maximale Abfindungshöhe sei auf einen Betrag von 130.000 Euro gedeckelt. Die Regelungen gelten bis zum 31. Dezember 2018 und umfassen alle betriebsbedingten Kündigungen beziehungsweise „arbeitgeberseitig veranlassten Beendigungsverträge“, teilen die Parteien mit.

Wie MEEDIA aus Unternehmenskreisen erfuhr, soll der geplante Stellenabbau deutlich geringer ausfallen, als bisher angenommen wurde. Danach sind nur noch sieben Mitarbeiter von den Abbaumaßnahmen bedroht. Davon drei Arbeitnehmer im Layout, zwei im Lokalen und jeweils eine Person im Sport sowie in der Medienproduktion. Mitte vergangenen Jahres hatten die Chefredaktion und die Geschäftsführung nach einer Betriebsversammlung bekannt gegeben, dass insgesamt elf Stellen wegfallen sollen. Davon sechs journalistische Stellen und fünf weitere Arbeitsplätze in der Produktion. Der Mopo-Betriebsrat teilte wenig später mit, dass die Geschäftsführung ursprünglich sogar einen Abbau von 16 Stellen angestrebt hätte. Mitte des Jahres beschäftigte die zur DuMont Mediengruppe gehörende Regionalzeitung 65 Mitarbeiter. Eine Mopo-Sprecherin hierzu: „Zu Personalmaßnahmen, die aktuell wegen laufender Verfahren nicht abgeschlossen sind, äußern wir uns nicht” Nähere Einzelheiten hierzu könnten möglicherweise auf einer morgigen Pressekonferenz folgen.

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Den Stellenabbau hatte die Mopo-Spitze mit geplanten Umstrukturierungen gerechtfertigt. Die Neuausrichtung sei ohne Entlassungen nicht möglich, hieß es damals. Die Boulevardzeitung kämpft seit Jahren gegen wachsende Auflagenverluste. Und ein Ende ist bisher nicht in Sicht. Die verkaufte Auflage war im 4. Quartal 2017 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um knapp 13 Prozent auf 63.526 Exemplare zurückgegangen. Die seit Jahren anhaltende Entwicklung macht sich auch im Umsatz des Unternehmens bemerkbar. Wie aus der vor Kurzem im Handelsregister veröffentlichten Bilanz für 2016 hervorgeht, rutschte die Gesellschaft im Berichtsjahr operativ in die roten Zahlen. Wörtlich heißt es: „Die deutlich gesunkenen Umsatzerlöse trugen im Geschäftsjahr 2016 dazu bei, dass sich das operative Ergebnis um TEUR 780 auf ein negatives Ergebnis von TEUR 660 (Vorjahr TEUR 120) erheblich verschlechterte“, heißt es hier im Geschäftsbericht. Für 2017 erwartet die Unternehmensführung keine Besserung: „Da die Erhöhung der Kosten leicht über den Umsatzzuwächsen in 2017 liegt, wird das operative Ergebnis um TEUR 50 bis TEUR 100 unter dem des Geschäftsjahres 2016 erwartet“, schreibt die Firmenspitze.

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Alle Kommentare

  1. Bitte keine Euphemismen wie „Verschlankungskur” aus der Arbeitgeber-Rhetorikkiste verwenden. Es geht hier um Existenzen; die Betroffenen werden vielleicht nie wieder einen festen Job bekommen.

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