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Uber-Chef Khosrowshahi auf dem DLD: “Wollen mit Behörden, Städten und Taxiunternehmen zusammenarbeiten”

Uber-Chef Dara Khosrowshahi sprach auf der DLD in München über die Zukunft des Fahrdienstvermittlers.
Uber-Chef Dara Khosrowshahi sprach auf der DLD in München über die Zukunft des Fahrdienstvermittlers.

Am Abschlusstag der von Hubert Burda Media veranstalteten Digital Life Design (DLD) Konferenz sprach der Chef des Fahrdienstleisters Uber, Dara Khosrowshahi. Es war der erste Auftritt in Europa, seit er im Amt ist. Khosrowshahi gab Einblicke in die zukünftigen Herausforderungen des Unternehmens, während vor der Alten Bayerischen Staatsbank rund 60 Taxifahrer gegen seinen Besuch protestierten.

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Der Besuch des neuen Uber-Chefs Dara Khosrowshahi wurde von vielen Teilnehmern der DLD im Vorfeld als einer der Höhepunkte erwartet. Schließlich war es der erste öffentliche Auftritt auf europäischem Boden, seit er im vergangenen September an die Uber-Spitze kam. Zudem wollte der gebürtige Iraner über das angekratzte Image und die Zukunft der jungen Firma reden. Das zog viele Unternehmer, Journalisten und digitale Vordenker ins große Atrium. Doch auch vor der Alten Bayerischen Staatsbank wurde Khosrowshahi erwartet – und zwar von rund 60 aufgebrachten Taxifahrern, die vor dem Gebäude laut pfeifend auf sich aufmerksam machten und mit beschrifteten Schildern ihre Kritik am Fahrdienstvermittler kundtaten. Sie warfen Uber vor, bewusst gegen geltendes Recht zu verstoßen. Das Start-up lasse die Mietautos, die für Uber unterwegs sind, nicht nach jeder Fahrt an ihren Betriebssitz zurückkehren. Dazu sind sie eigentlich verpflichtet. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass der Konzern die Fahrer ausbeute.

Die Einladung vom Uber-Chef hatten Münchener Taxifahrer in einem offenen Brief an DLD-Chefin Steffi Czerny als „ganz besonders zynisch und gesellschaftspolitisch hochgefährlich“ bezeichnet. Sie könne die Bedenken der Taxifahrer zwar gut nachvollziehen, schrieb Czerny in einer Antwort an die Initiatoren des Briefes. Doch ausladen werde sie den Uber-Chef nicht. So saß der 48-Jährige am Montagnachmittag mit einem schwarzen T-Shirt, das den Schriftzug “We are all dreamers” zierte, auf der Bühne des DLD und stellte sich den Fragen von Bild-Chefredakteurin Tanit Koch.

“Nein, danke!”, sei sein erster Gedanke gewesen, als man ihm den Chefposten von Uber angeboten habe. Von den Problemen und Skandalen hatte er ja gehört. Dass er den Job dann doch annahm lag daran, dass er das Unternehmen vor allem zu Beginn in 2009 bewundert habe. “Ich musste nach meinem Antritt bei Uber niemanden überzeugen, dass wir etwas ändern müssen. Alle dachten das”, erzählte er. Uber habe es mit der Zeit zu weit getrieben und Grenzen überschritten. “So werden wir nicht mehr vorgehen”, sagte Khosrowshahi. Eine Absage an die aggressive Expansionspolitik der Vergangenheit. Gleichwohl betonte er, dass jedes Start-up einem Rebell gleiche, der versuche, die Grenzen auszuloten.

Was  selbstverständlich viele der Besucher im Saal interessierte, war der Zustand des US-Unternehmens. “Uber geht es überraschenderweise ziemlich gut, wenn man die Umstände beachtet”, sagte Khosrowshahi. “Die Wachstumsraten sind weiter sehr gut.” Und er kündigte an, dass Uber noch in diesem Jahr zum weltgrößten Food-Lieferservice werde. Eingeständnisse machte er jedoch auch “Mit der Profitabilität läuft es nicht so gut”, antwortete er auf Nachfrage von Tanit Koch. “Aber sie wird sich bessern. Und sobald wir effizienter werden, können wir den Profit für weiteres Wachstum und Marketing nutzen.”

Dass Uber im deutschen Markt expandiert, sei nur eine Frage der Zeit, sagte Khosrowshahi. “Beim Einstieg in den deutschen Markt (Oktober 2014, Anmerkung der Redaktion) haben wir uns falsch verhalten.” Nun sei ein Neuanfang nötig, denn der Markt hierzulande sei es wert, betonte Khosrowshahi . “Wir wollen mit den Behörden, den Städten und mit Taxiunternehmen zusammenarbeiten”, so der 48-Jährige, “auch mit welchen, die da draußen stehen.” Die Firma möchte damit aus Fehlern der Vergangenheit lernen.  Erst im September entschieden Behörden in London, Uber von den Straßen der britischen Millionenstadt zu verbannen. Khosrowshahi konnte trotz einer Reise nach London die Behörden nicht überzeugen, Uber die Lizenz zurückzugeben. In welchen deutschen Städten das Start-up in 2018 antreten wird, konnte die Fragestellerin Koch ihm indes nicht entlocken.

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Auch auf die Kritik der Taxifahrer in Deutschland kam Khosrowshahi zu sprechen. Der Markt sei zwar nicht überreguliert, dennoch halte er mit Blick auf die kommenden zehn Jahre nicht alles für sinnvoll. “Das Zurückfahren zum Betriebssitz zum Beispiel ergibt keinen  Sinn, vor allem aus Sicht des Verkehrs und der Umwelt.” Den Vorwurf, dass Uber seine Fahrer ausbeute, ließ der neue Chef ebenfalls nicht unkommentiert. “Unsere Fahrer können davon leben, sehr gut sogar”, erklärte er. “Wenn die Preise sinken, steigt die Nachfrage. Damit haben sie mehr Fahrten, weniger Wartezeit und verdienen am Tag mehr, auch wenn sie pro Kilometer weniger verdienen.”

Was es mit dem T-Shirt-Schriftzug “We are all dreamers” auf sich hat, erfragte Tanit Koch dann auch noch. “Die USA sind ein Land von Immigranten”, sagte er. Diese werden nun durch die Trump-Administration in Frage gestellt, obwohl sie ihr Leben dort aufgebaut haben.” Seine Forderung: Sie sollten dies weiterhin tun dürfen und der Staat sollte sie willkommen heißen. Als “Dreamer” bezeichnet man in den USA Kinder von Zuwanderern ohne gültige Papiere. Unter der Obama-Regierung wurden diese geduldet.

Altlasten des Vorgängers sorgen weiter für Skandale

Khosrowshahi ist erst seit Anfang September vorigen Jahres Vorstandschef des Unternehmens. Der ehemalige Expedia-Chef soll beim Fahrdienstvermittler für Ruhe sorgen. In der Vergangenheit machte Uber vor allem durch Führungschaos, Skandale und Rechtskonflikte Schlagzeilen. So hatten Ende Juni zahlreiche Probleme zur Trennung von Gründer Travis Kalanick geführt. Seit Beginn des Jahres haben mehr als ein Dutzend Firmenmanager ihren Posten bei Uber geräumt.

Bereits zum Amtsantritt vor seinen Mitarbeitern stellte er einen Börsengang in den kommenden 18 bis 36 Monaten in Aussicht. Ubers Gang aufs Parkett wird an den Finanzmärkten von Experten mit Spannung erwartet. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde die Firma im Jahr 2016 mit 68 Milliarden Dollar bewertet. Damit gilt das 2009 in San Francisco gegründete Unternehmen als wertvollstes Start-up der Welt. Allerdings steckt Uber bislang noch tief in den roten Zahlen.

Mit Altlasten von Ex-Chef Kalanick musste sich der 48-jährige Iraner Ende 2017 befassen. Hacker stahlen schon im Herbst 2016 Daten von 57 Millionen Fahrgästen und Fahrern, Uber verschwieg das und zahlte ihnen 100 000 Dollar. Er gelobte Besserung und engagierte mit Matt Olsen einen früheren Chefjuristen des US-Geheimdienstes NSA, der bei Uber die Sicherheit neu ausrichten soll.

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