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Trotz Repatriierung von 245 Milliarden Dollar: Warum sich Apple eine Großübernahme wie Netflix nicht leisten kann

Cooks Cash: Apples sagenhaftes Bar-Vermögen weckt Begehrlichkeiten
Cooks Cash: Apples sagenhaftes Bar-Vermögen weckt Begehrlichkeiten

Endlich kehrt das Auslandskapital heim: Apple und US-Präsident Donald Trump feierten in der vergangenen Woche gleichermaßen die große Rückkehraktion von Apples im Ausland gebunkerten Kapital. Schnell überschlugen sich die Superlative: Einen Geldberg von 245 Milliarden Dollar bringt Apple in die USA zurück, von dem nach dem von Trump festgelegten neuen Unternehmenssteuersatz 207 Milliarden blieben. Doch die Rechnung geht nicht auf: Nach der Rückzahlung von Verbindlichkeiten bleibt Apple kaum das Geld für eine Großübernahme in den Dimensionen von Netflix.

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Apple sollte Netflix kaufen. Oder Tesla. Oder beide. Des Öfteren flackerten in den vergangenen Jahren angesichts von Apples scheinbar immer größer werdenden Cash-Reserven die Debatten auf, dass der wertvollste Konzern der Welt mit seinem Geldberg eine Großübernahme bemühen sollte.

Steve Jobs hat schließlich kurz vor seinem Tod noch laut darüber nachgedacht. “Wenn wir in Zukunft einmal jemand übernehmen müssen, um das fehlende Puzzlestück zu finden, um etwas ganz großes Wirklichkeit werden zu lassen, dann könnten wir dafür einfach einen Scheck ausstellen”, erklärte der damalige Apple-Chef 2010.

Apple bringt das Auslandskapital nach Trumps Steuersenkung für Unternehmen heim

Acht Jahre später ist Apples Geldberg auf immer größere Dimensionen angeschwollen. 269 Milliarden Dollar stehen auf der Habenseite, an dessen Löwenanteil Apple jedoch das ganze Jahrzehnt über nicht herangekommen ist, weil  96 Prozent der Cashbestände im Ausland lagerten, um dem US-Fiskus zu entgehen, der mit einer Besteuerung von bis zu 35 Prozent zugeschlagen hätte.

Das ändert sich nun nach der Unternehmenssteuerreform der Trump-Regierung, die es US-Unternehmen ermöglicht, das ausländische Kapital zu einem Steuersatz von 15,5 Prozent heimzuholen (Repatriierung). Dass Apple vom sogenannten “Tax Holiday” umgehend Gebrauch machen würde, ließ das wertvollste Unternehmen der Welt vergangene Woche verklausuliert in einer bombastisch anmutenden PR-Meldung durchblicken, in der sich der iKonzern dafür rühmt, zusätzliche 38 Milliarden an Steuern in den USA zahlen und gleichzeitig in den kommenden fünf Jahren 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitragen zu wollen.

Apple verfügt netto über weitaus weniger Kapital als gemein unterstellt

Unter dem Strich bedeutet das, dass Apple 245 seiner 252 Milliarden Dollar im Ausland befindlichen Reserven in die USA repatriieren möchte. Summa summarum bringt Apple damit 207 Milliarden Dollar heim, während 17 Milliarden Dollar ohnehin in den USA lagern. Zuzüglich des letztens Restes des Auslandskapitals von 7 Milliarden Dollar, aus dem nach Besteuerung 6 Milliarden Dollar werden, verfügt Apple scheinbar über Cash-Reserven von 230 Milliarden Dollar.

Doch das ist tatsächlich nur die halbe Wahrheit. Apple hat in den vergangenen Jahren schließlich auch jede Menge Schulden angehäuft. Seit 2013 leiht sich Apple bekanntlich am Bondsmarkt zu Niedrigzinsen Geld, um damit sein exorbitantes Aktienrückkaufprogramm zu finanzieren. Auf bereits 116 Milliarden Dollar sind diese Verbindlichkeiten für die ausgegebenen Anleihen per Ende September bereits angeschwollen. Apple verfügt also nach Adam Riese also “lediglich” über ein Guthaben von 114 Milliarden Dollar.

Tilgung der Schulden und US-Investment drücken Vermögen

Doch selbst darüber kann Apple nicht sofort wie gewünscht verfügen. Zahlreiche Schuldverschreibungen sind schließlich langjährige Anleihen, die erst bei Fälligkeit abgelöst werden. Zugleich muss Apple sein  exorbitantes Kapitalrückführungsprogramm an Aktionäre bedienen, für das für die nächsten fünf Quartale stolze 66 Milliarden Dollar fällig werden, die freilich zum Großteil aus dem Cash Flow refinanziert werden würden (vorausgesetzt, die Apple Geschäfte brechen im kommenden Jahr nicht nachhaltig ein).

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Doch selbst damit  ist es nicht getan, Tim Cook hat in den fünf Jahren schließlich milliardenschwere  Investments in Corporate America angekündigt. So will Apple nun in den kommenden fünf Jahren 30 Milliarden Dollar in den USA investieren, wie der Kultkonzern aus Cupertino am vergangenen Mittwoch ankündigte. Gut ein Drittel davon solle in Rechenzentren in den USA fließen. Der Fonds für den Ausbau der High-Tech-Produktion in den USA – der Zulieferern zugutekommt – wird von einer auf fünf Milliarden Dollar aufgestockt. Verteilt über einen Zeitraum von fünf Jahren konnte Apple bei anhaltender Absatzentwicklung den Löwenanteil der Investments aus seinem Kerngeschäft refinanzieren.

Warum Netflix für Apple inzwischen zu teuer ist

Wie man es dreht und wendet, verbleibt Apple selbst bei flexibler Ablösung seiner Schulden effektiv ein Vermögen von rund 100 Milliarden Dollar, das zu Übernahmen, vielleicht aber auch zu einer Ausweitung des Kapitralrückführungsprogramms verwendet werden könnte – etwa in Form einer üppigen Sonderdividende.

Doch selbst wenn Tim Cook in einem mutigen Akt eine Großübernahme anstrengen würde, um Apple für die nächste Dekade zu rüsten, könnte selbst für den wertvollsten Konzern Welt das Geld möglicherweise für den ganz großen Knall nicht reichen. Streaming-Pionier Netflix, der reflexartig immer wieder als Übernahmeziel genannt wird, ist für Apple inzwischen zu teuer.

Nach Fortsetzung seines Traumlaufs an der Wall Street, wird Netflix nach Verkündung der Quartalszahlen bereits mit enormen 100 Milliarden Dollar bewertet. Nach Disney ist Netflix damit bereits der zweitwertvollste Medienkonzern der Welt, für den angesichts seines weiteren Potenzials bei einem Übernahmeangebot indes ein happiger Premiumaufschlag von mindestens 35 bis 40 Milliarden Dollar fällig würde.

Apple dürfte sich weiterhin auf Ergänzungsübernahmen beschränken

Auch eine Bewertung von 150 Milliarden Dollar wäre kein Mondpreis für den Streaming-Giganten, der nach dem Winner Takes it all-Prinzip Disney gehörig das Fürchten lehrt. Apple könnte die Summe aus seinen Cashreserven schlicht nicht bezahlen, ohne sich erneut zu verschulden (bzw. die Altschulden nicht vollständig abzubauen.)

Tesla läge mit einer Bewertung von aktuell knapp 60 Milliarden Dollar bei einem Premiumaufschlag von 50 Prozent und einer Schuldenablösung des Elektroautoherstellers gerade noch im Bereich des Möglichen, doch es erscheint unwahrscheinlich, dass Tim Cook seinen Geldspeicher auf einmal für Unternehmen plündert, die es vor zwei, drei Jahren noch für einen Bruchteil hätte erwerben können.

Die Chance für eine Megaübermahme, die zu einer substanziellen Erweiterung des Kerngeschäfts führt, ist auch nach der Repatriierung des Auslandskapitals größtenteils dahin. Apple dürfte sich in Zukunft auf Ergänzungskäufe beschränken, wie auch der langjährige Apple-Analyst und heutige Wagnisfinanzierer Gene Munster erwartet.

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