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“Merkel bleibt SPD-Chefin”, “Schulz taumelt”: die Medienstimmen zum turbulenten “GroKo”-Parteitag

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Die SPD-Delegierten sagen Ja zur GroKo: Abgesehen von der durchaus positiven Nachricht, dass Deutschland so vielleicht doch noch in absehbarer Zeit eine neue Regierung bekommt, ließ kaum ein Beobachter ein gutes Haar an der SPD und ihrem Parteichef Martin Schulz. Die taz titelte “Merkel bleibt SPD-Chefin”. Bild produzierte ein fies-hintersinniges Split-Cover mit “Schröder tutelt! Schulz taumelt!”

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Nikolaus Blome nimmt sich in der Bild die Sondierungskritiker innerhalb der SPD zur Brust: “ Bei der SPD hat sich die Vernunft gerade noch durchgesetzt. Aber nur peinlich knapp, das haben die GroKo-Gegner geschafft: Sie haben diffamiert, was ihre Verhandler erreicht hatten, sie machen ihre Partei kleiner, als sie ist. Und sie halten es für einen klugen Plan. Irre.”

Hohe-Titelschule, wie die Bild Schulz und Schröder gegeneinander schneiden

In seinem Morning Briefing schreibt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart: “Die Stabilität wird mit dem Verzicht auf Erneuerung erkauft. Gegenwart gegen Zukunft, das ist das Tauschgeschäft, auf das sich die Delegierten gestern eingelassen haben. An Mahnungen seitens der Jungsozialisten dazu hat es nicht gefehlt.”

Fast schon mitleidig kommentiert taz-Chefredakteur Georg Löwisch: “Die SPD hat viel Kraft dafür aufgewendet, einzusehen, was die SPD ist: ein ewiger Kompromiss. Das ist sie schon mindestens hundert Jahre lang, sie schwingt hin und her, zwischen Verändern und Verwalten, zwischen Protestieren und Regieren, zwischen Programmpartei und Machtpartei, zwischen gefühlig und strategisch.” Der Blattmacher glaubt, die SPD in einer großen Koalition nicht sterben, aber abmagern wird.

Rene Pfister vergleicht den SPD-Parteitag im Morgen-Letter des Spiegels mit einer Paartherapie. “Wer gestern verfolgt hat, wie die Sozialdemokraten darüber stritten, ob sie in eine Regierung mit Angela Merkel eintreten sollen, konnte den Eindruck bekommen, er wohne einer Paartherapie bei – und nicht einem Parteitag. Ständig war von Wut und Enttäuschung die Rede, von Vertrauen, das leider verloren gegangen sei, und von der Unfähigkeit, dem anderen noch einmal zu glauben. Man mag es sympathisch finden, dass die Sozialdemokraten mit so viel Gefühl und Leidenschaft diskutieren. Aber was fehlt, ist ein kühler Blick auf die Wirklichkeit.”

In der Süddeutschen wirft Oliver Das Gupta einen Blick auf die strategische Situation von Martin Schulz: “Das Treffen in der alten Bundeshauptstadt hat bestätigt, was sich seit Wochen abzeichnet: Der Unmut in der SPD über ihren Vorsitzenden ist groß und Schulz kann ihn kaum eindämmen”. Weiter analysiert er: “”Kühl nahmen die Delegierten seine Parteitagsrede zur Kenntnis. Wenn Schulz nicht alle anderen Parteioberen beigesprungen wären, hätte er wohl das “Ja” zu den Koalitionsgesprächen nicht durchgebracht. Dann hätte sich die V-Frage, die Frage nach dem Vorsitzendem, automatisch gestellt. So wird es vielleicht noch ein Weilchen dauern.”

Auf der Meinungsseite der Süddeutschen kommt Nico Fried zu dem Schluss, dass Schulz durch den Parteitag “noch schwächer geworden” sei und Andrea Nahles “dafür an Statur gewonnen” hätte.

Jasper von Altenbockum fragt sich in seinen FAZ-Leitartikel, “wie es der SPD ge­lin­gen soll, ein „Wei­ter so“ aus­zu­schlie­ßen, in­dem sie wei­ter so re­giert wie bis­her. Mar­tin Schulz ver­hed­dert sich im­mer wie­der in die­sem Wi­der­spruch”.

Florian Eder von Politico setzt die Entscheidung der Sozialdemokraten dagegen in einem Zusammenhang mit der Trump-Wahl und der Brexit-Entscheidung: “Die Große Koalition ist auf dem Weg. Die SPD will regieren, eine Mehrheit des Sonderparteitags jedenfalls fürs erste, seit Sonntag um halb fünf, als sie eine Entscheidung mit dem Kopf und nicht dem Herzen traf und damit einen Gegenpunkt setzte zu den Herzensentscheidungen in den USA und in Großbritannien, auch wenn das niemand ansprach in Bonn. Heißt auch: Deutschland bleibt fürs Erste, was es immer war, verlässlich oder konstruktiv sagen die einen in Europa, langweilig die anderen.”

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Alle Kommentare

    1. Das stimmt den Ruin des deutschen Volks. Es geht dieser schrecklichen Frau nur darum international die größte zu sein. Deutschland ist ihr egal. Sie ruiniert weiter unser ehemals schönes lebenswertes Land.

  1. Es ist schwer über die SPD Witze zu machen, denn jede noch so drastische Überspitzung und Idiotie wird bei dieser Partei immer zur Realität – und das eher früher als später.

    Das diese ehemalige 40-Prozent-Partei jetzt mit jeder Bundestagswahl ein Stück mehr stirbt, das ist eigentlich nicht so schlimm, mit 20 Prozent ist sie im Vergleich zu früher ja schon halbtot.

    Schlimm ist, das sie unfähig ist in Würde zu sterben.

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