Partner von:
Anzeige

Facebook-Manager kritisiert beim DLD Politik: “NetzDG macht uns zu Richtern, Geschworenen und Vollstreckern”

Die DLD-Konferenz hat dieses Jahr das Motto “Reconquer” Quelle: Hubert Burda Media
Die DLD-Konferenz hat dieses Jahr das Motto "Reconquer" Quelle: Hubert Burda Media

Die Digital Life Design (DLD) in München steht 2018 unter dem Motto „Reconquer!“, also Wiedereroberung. Am zweiten Tag der von Hubert Burda Media organisierten Innovationskonferenz stand das Fake-News-Problem in den sozialen Medien im Mittelpunkt der Podiumsdebatten. Der Höhepunkt kam zum Schluss, als eine vier Frauen starke Runde über das erste Jahr von US-Präsident Donald Trump diskutierte.

Anzeige

Elliot Schrage, Kommunikationschef von Facebook, hatte mit dem ersten Vortrag am Sonntag das Thema des Tages – und auch gewissermaßen den Ton – vorgegeben. Er erneuerte die Kritik am NetzDG und sagte, dass das Gesetz weiter gehe, als es sollte. “Es macht uns zu Richtern, Geschworenen und Vollstreckern, und ich denke, das ist eine schlechte Idee.” Online-Plattformen sollten nicht die politische Debatte in Deutschland bestimmen. Der 57-Jährige präsentierte zudem einen Plan, den das soziale Netzwerk in der Zukunft umsetzen möchte. Allen voran gelte es, Hasskommentaren mit präventiven Lösungen beizukommen. Er sagte: “Facebook ist kein digitaler Wilder Westen. Hasskommentare sind dort nicht erlaubt.” Der US-Riese, die Macht der Medien und die Zusammenarbeit mit dem sozialen Netzwerk sollten noch häufiger zum Gesprächsthema werden.

Über den ganzen Tag verteilt konnten sich die Besucher des Digitalkongresses unterschiedliche Diskussionsrunden und Vorträge in den Räumen der Alten Bayerischen Staatsbank anhören. Wissenschaftler, Journalisten, Künstler und Entrepreneure stand dabei eine enorme Themenvielfalt zur Auswahl. Sie reichte von Umweltschutz über die Beziehung von Mensch und Maschine bis hin zu den Fortbewegungsmitteln der Zukunft. Und immer wieder im Fokus: die Medien und ihr Einfluss auf die Gesellschaft.

So zum Beispiel am späten Nachmittag, als der US-amerikanische Journalismus-Professor Jeff Jarvis renommierte Gäste auf die Bühne bat, um mit ihnen über den Zustand der Demokratie zu reden – und was die Medien damit zu tun haben. Anke Domscheit-Berg, Politikerin der Partei Die Linken und Netzaktivistin, erklärte dabei unter anderem, dass sie das NetzDG für einen “totalen Misserfolg” halte. Es gebe zwar Punkte in dem Gesetz, die gut seien, allerdings – und da stimmt sie mit dem bereits erwähnten Elliot Schrage überein – werden Facebook, Twitter und Co. durch das NetzDG zum Richter über die Meinungsfreiheit. Die drakonischen Strafen von bis zu 50 Millionen Euro führten dazu, dass viel mehr gelöscht werde als nötig. Zudem könnten die Bearbeiter die zehntausenden Beschwerden, die pro Woche gemeldet werden, juristisch nicht korrekt bewerten. “Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr”, sagte sie und forderte, dass Teile des Gesetzes geändert werden müssen, um diese zu schützen. Gleichwohl sagte Domscheit-Berg müsse konsequent gegen die Verbreitung von Fake-News und Hasskommentaren vorgegangen werden.

Dem stimmte Peter Kropsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Presse-Agentur zu und sagte hinsichtlich Facebooks gesellschaftlicher Verantwortung: “Das Unternehmen hat so eine enorme Reichweite. Allein in den USA konsumieren zwei Drittel der Bürger ihre Nachrichten über das soziale Netzwerk.” Medien und Facebook müssten daher ein gemeinsames Interesse haben: die Verbannung von Fake-News. “Allerdings ist das Thema komplizierter als viele denken”, sagte er. “Es gibt zehn verschiedene Punkte, was Fake-News ausmachen und wie sie bewertet werden.” Wie also kann man diese sicher identifizieren? Kropschs Lösung: Am Ende ginge es vor allem um die mediale Bildung der Bürger, die Fähigkeit, derartige Falschmeldungen sicher zu erkennen.

Der thematische rote Faden wurde am frühen Abend dann bei der Diskussion „Still Reconquering: 365 Days Later“ erneut aufgenommen, bei der Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche, Journalistin Megan Murphy, Hilary Rosen von CNN mit der charmant-lustigen Moderatorin Kara Swisher über das erste Amtsjahr des US-Präsidenten Donald Trump redeten. Für einige Beobachter das Highlight des bisherigen DLD-Events.

Anzeige

Das Quartett sprach dabei smart und teils sehr leidenschaftlich über die vergangenen zwölf Monate von Donald Trump, seine Affinität zu Twitter, den Zustand der amerikanischen Gesellschaft und die Rolle der Medien in diesem komplexen Geflecht. Insbesondere die beiden US-Journalisten Hilary Rosen und Megan Murphy lieferten sich einen unterhaltsamen, klugen Schlagabtausch. Murphy forderte unter anderem: “Journalisten müssen versuchen, einen Unterschied zu machen und Einfluss zu nehmen.” Trotz der sich ändernden medialen Nutzungsmuster des Publikums hin zum mobilen Konsum und der sinkenden Aufmerksamkeitsspanne müssten Medienmacher weiter ihre Geschichten erzählen.

Auch das Verhältnis zwischen professionellen Medienhäusern und Mark Zuckerbergs Plattform kam erneut kritisch zur Sprache. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Ankündigungen des Facebook-Chefs, den Algorithmus des News-Feeds zu verändern und die Nutzer zu befragen, welcher Nachrichtenquelle sie vertrauen und welcher nicht. Mit diesem Schritt möchte Zuckerberg gegen Fake-News vorgehen und sein Unternehmen dazu der Aufgabe als Richter über die Plattforminhalte zu entledigen. Für die Argumentation von Facebook, das man kein Medienunternehmen sei, hatte die Runde wenig Verständnis. Mit Inhalten mache die Silicon-Valley-Firma schließlich “unglaublich viel Geld”. Der Kreis zu Elliot Schrages Vortrag am Morgen schloss sich dann, als Miriam Meckel das NetzDG in die Runde warf, als es um mögliche Regulationsmaßnahmen bei der Bekämpfung von Falschmeldungen ging.

Bereits am Samstag – dem ersten Tag der DLD – hatte Außenminister Sigmar Gabriel im Literaturhaus München über die digitale Zukunft Europas gesprochen. Er betonte dabei, dass der Kontinent mehr Risiko wagen müsse und Europa einen digitalen Binnenmarkt brauche. Das sei die Basis für Wachstum und Innovation. Zum Ende seiner Rede mahnte er: “Ohne eine Vision von Europa als globaler Champion bei Tech-Innovation, können wir keine Balance finden zwischen Privatsphäre und Regulierung, Liberalismus und Sicherheitsbedenken, Dogma und Pragmatik.”

Die Konferenz DLD geht über drei Tage und findet am Montag ihren Abschluss.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia