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Der Kurz-Besuch und die Medien: Die Krone übertreibt, die Titanic macht Hitler-Witze und SpOn entschuldigt sich für missratene Überschrift

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“Ganz Berlin liegt unserem Kanzler zu Füßen”: So titelt die Kronen Zeitung aus Wien über den Staatsbesuch von Sebastian Kurz in Deutschland. Unabhängig von der rhetorischen Asterix-Frage, ob wirklich ganz Berlin dem Politiker zu Füßen liegt, lässt sich festhalten: Kurz hat ein gehöriges mediales Pannen-, Übertreibungs- und Satire-Potenzial. Auch und vor allem für Hitler-Witze.

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Begeistert vom Besuch des eigenen Kanzlers in Deutschland zeigte sich die Kronen-Zeitung: “Kurz-Festspiele in Deutschland: Berlin liegt unserem Kanzler zu Füßen”, titelte das Boulevard-Blatt.

Von irgendeiner Art von Begeisterung soll in den Straßen Berlins allerdings nichts zu spüren gewesen sein. Zudem spielte der Besuch in den Netzwerken – zumindest auf deutschen Seiten – kaum eine Rolle. Die Pressekonferenz von Kurz und Merkel hat insgesamt ein paar tausend Interaktionen auf diversen Facebook-Seiten erzielt, ansonsten gab es nicht viel.

Die Festspiel-Formulierung ist im Bezug auf das TV-Pensum des österreichischen Kanzlers jedoch nicht ganz so verkehrt. So talkte Kurz erst am Dienstagabend bei Sandra Maischberger, um bereits am Mittwochmorgen im “Morgenmagazin” bei Dunja Hayali vorbei zu schauen.

Ähnlich übertrieben wie die Krone titelte Oe24: Statt der Festspiele beobachte der Boulevard-Rivale übrigens “eine Polit-Gala von Kurz bei Merkel”.

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Für ihre Begeisterung ernte die österreichische Presse einiges an Häme im Social-Web. Einiges an Empörung handelte sich dagegen Spiegel Online mit seiner kurzzeitigen Überschrift zum Staatsbesuch ein. Die Hamburger oder wie es die Krone formulierte “die durchaus respektable Zeitschrift Spiegel” hatten ihr Stück mit der – möglicherweise ungewollten – Nazi-Anspielung “Österreichs Kanzler bei Merkel: Kurz sucht Anschluss” überschrieben. Nach einiger Kritik hatte Spiegel Online die Zeile alsbald wieder geändert. Entschuldigung von SpOn: “Die erste Version war daneben, das tut uns leid.”

Ebenfalls auf eine Nazi/Hitler/Österreich/Heim-ins-Reich-Anspielung setzte die Titanic mit einem erwartbar frechen Start-Cartoon. Anders als bei Spiegel Online war hier die Satire jedoch gut zu erkennen. Zu sehen ist Merkel, wie sie einen Jungen mit aufmontiertem Kurz-Kopf über einen roten Teppich führt. In einer Sprechblase sagt die fürsorgliche Kanzlerin: “Du kannst ja schon laufen, Bub!”. Dazu titelte die Redaktion: “Baby-Hitler kommt heim ins Reich”.

Wie kaum anders zu erwarten, sprang die österreichische Presse auf die Provokation auf. So berichteten fast alle Medien über den Cartoon. Die meisten erinnerten in diesem Zusammenhang auch noch einmal an das schwebende Verfahren in Sachen Titanic und eines früheren Baby-Hitler-Witzes der Frankfurter. Oe24 sprach nach dem neuerlichen Kurz-Gag von “Hetze” und “Skandal”.

Allerdings machten sich auch die österreichischen Spaßseiten über den Kanzler-Besuch lustig. So veröffentlichte die Tagespresse den Tagesplan von Kurz. Unter anderem auf dem Programm: “12:00 Uhr Bei Mustafas Gemüsekebab ein Schnitzel bestellen” oder für 16:00 Uhr: “Vom Fernsehturm springen, mit den Ohren sicher hinab segeln”.

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Alle Kommentare

  1. Unfassbar… Mir scheint, es hat keine’r dieser Medien-Fuzzis wirklich hingeschaut. Ich habe den neuen Ösi-Kanzler als souverän, schlagfertig, Klartext-sprechend und allen überlegen – egal ob es heute früh Frau Hayali war oder gestern Abend Herr Trittin und Frau Maischberer (beide peinlichst) – denen er feine Paroli geboten hat. Die Österreicher haben das sehr wohl bemerkt und offiziell das getan, was man dem jungen Mann zollen muss: Beifall! Bravo! Wer so ruhig und deutlich ausspricht, was man hierzulande verschweigt (Griechenland, Spanien…vs. Österreichs Aufnahmekapazität…Schleuser-Thema…die Lächerlichkeit der Betonung auf Europa-Verteilung, die seit Jahren NULL funktioniert oder die ruhige Berantwortung der inzwischen lächerlichen “Nazi-Fragen”) ist – ohne Übertreibung – nicht nur souverän sondern Klasse! Der Mann hat in aller Ruhe seine BefragerInnen zerlegt. Wäre schön, wir hätten so einen, wenigstens einen.

    1. Volle Zustimmung. Meine Hoffnung: Dieser peinlich- arrogante und oberlehrerhafte Auftritt von Frau Maischberger öffnet weiteren Gebührenzahlern die Augen über die ideologische Einseitigkeit des Staatsfernsehens.

  2. Einer der letzten KZ-Aufseher ist erst vor Tagen eingesperrt worden.
    Aber keine Demut, kein Nachdenken über unsere Vergangenheit.
    Wir sind das moralische Maß, wir bestimmen wer gut und wer böse ist.
    Norbert Künl nennt solches Verhalten den täglichen Faschismus.

  3. Da muss dieser junge Politiker kommen und dem deutschen Michel zeigen, auf welchem Niveau sich hier Politik, Staatsmedien und “Journalisten” bewegen. Es ist einfach nur noch zum Weglaufen und Fremdschämen… Maischberger soll als miesestes Beispiel genannt werden. Da wird Jürgen Trittin (warum eigentlich der?) eingeladen und neben Kurz gesetzt. Peinlicher geht es nicht mehr… Erbärmlich wie sich Deutschland präsentiert.

  4. Diese peinliche Befragung war ein Skandal und neuerlicher journalistischer Tiefpunkt – soweit zumindest die weitgehend einhellige und zahlreiche Reaktion der deutschen Gebührenzahler. Es geht sogar soweit, dass letztere sich in den sozialen Medien bei Kanzler Kurz für Maischberger & Co entschuldigen:

    “Lieber Herr Kurz, ich bitte Sie im Namen sehr vieler deutscher Bürger um Verzeihung für solch eine respektlose und anstandslose Behandlung, die Sie gestern bei Frau Maischberger ertragen mußten. Seien Sie versichert, dass sich sehr viele Deutsche fremdgeschämt haben. Die Meinung dieser Dame und deren Senders ist nicht die Meinung der meisten Zuschauer hier im Lande.” heißt dort u.a. (aktuell über 1600 Likes)

    Ein Medienportal sollte diese desaströse Entwicklung reflektieren, statt sie auszublenden.

  5. irgendwann sollte man versuchen, die Probleme auf die womöglich tatsächlichen Ursachen zurückverfolgen.

    Die liegen z.B. nicht bei Ausländern, die hier unberechtigt einwandern, sofern es sich nicht tatsächlich um Asylanten, politisch Verfolgte handeln sollte – das sind weniger als 5%.

    Es sind die Politiker, die diese Zuwanderung befördern und ermöglichen, gar noch verstärken und die Rückführung verhindern. Also darf man nicht auf die Einwanderer schimpfen, an deren Stelle wir womöglich genauso handeln würden. Dies stellt z.B. ein Fehler der AfD dar. Die eigentlichen Verursacher, Dulder und Rechtsbrecher befinden sich hinter den Zuwanderern in Deckung.

    Wer ermöglicht es unseren Politikern, die Anwendung ihrer Lenkungstechnik der Diffamierung von Demokraten als: Populisten, Nazis etc. duchzuführen, und auf diese Weise einem politischen Monster nach dem anderen Leben einzuhauchen?

    Das sind deren Transportriemen, die willfährigen Gestalter der öffentlichen Meinung. Geschenkt.

    Denn am Ende sind wir es selber, die Bürger. Wobei die Lenkungstechnik besonders gut funktioniert bei irgendwie neurotisch Aufälligen. Bei uns Deutschen fällt dabei auf: wir sind traditionell ein Volk mit einem unterentwickeltem persönlichen Selbstbewußtsein. Wir braucnen den Konsens u leben zu können. Lemmige. Was einen idealen Angriffspunkt bietet, um diese Armen zur vermeintlichen Herrenrasse hochzujazzen.

    Aber das schwache Selbstbewußtsein läßt sich eben auch dazu instrumentalisieren, diese als universale Missetäter in die Rolle der wohlverdienten Selbstaufgabe zu drängen.

    Darauf baut u.a. unser Europa auf.

    Durch die Politiker in Gang gesetzt mit dem Wissen, deren Treiben aufgrund nicht existierendem Selbstbewußtsein nicht wirksam entgegentreten zu können. Das wußte Goebbels. Das hat Ron Hubbard über die Deutschen gesagt. Churchill äußerte ähnliches. Und ich bin sicher, dem Politbüro der SED und deren Zöglingen war dies ebenfalls gefläufig.

    Insofern ist jegliches Gemotze gegen die Maischbergers und Co, wie auch gegen die Höflinge von Merkel völlig fruchtlos. Nichts anderes als ein klägliches Jammern, dessen Erlösung nur von außen kommen kann.

    Also gemach. Denn das immerhin ist erhoffbar. Was in unserem Lande geschieht hat bereits unsere intelektuelle, und wird letztlich unsere wirtschaftliche Existenz zerstören. In ein paar fernen Jahren Jahren sehen wir weiter.

  6. Es ist höchst bedauerlich, dass sich ausgerechnet der Branchendienst “Meedia” nicht ernsthaft und kritisch mit der “Maischberger”-Sendung im ARD-Fernsehen “Das Erste” auseinandersetzt, in der der neue österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zu Gast war.

    Das Auftreten der völlig voreingenommenen “Gastgeberin” dem Regierungschef unseres befreundeten Nachbarlandes und historischen Bruderlandes gegenüber ist kaum in Worte zu fassen. Respektlos, würdelos, niveaulos, unverschämt, dreist und unanständig sind noch viel zu harmlose Vokabeln für das, was Herrn Kurz als Behandlung in der Sendung widerfuhr.

    Die ständigen Unterbrechungen des Gastes durch die vorlaute und schlecht vorbereitete Frau Maischberger, die mit der herablassenden Attitüde der oberlehrerhaften Besserwisserin daherkam, war peinlich, geradezu unerträglich bis zum Fremdschämen.

    Um so mehr zolle ich dem noch sehr jungen, aber absolut versierten, gelassenen und diplomatischen Regierungschef aus Wien gegenüber meinen Respekt. Der durchschaubare Versuch, ihn zu demontieren, ging gründlich daneben und fiel auf die selbstgefällige Moderatorin zurück.

    Ein derart unanständiges Gebaren, das jedes Maß an Achtung und Respekt vermissen lässt, und ein derart unprofessionelles Verhalten sind im zwangsrundfunksbeitragsfinanzierten deutschen Fernsehen untragbar.

    Wer Ideologie, Inkompetenz und Inquisition mit investigativem Journalismus verwechselt, hat auf dem Moderatorensessel nichts mehr zu suchen. Frau Maischberger sollte endlich ihren Stuhl räumen.

    1. Da kann ich Herrn Hambacher nur beipflichten. Ich ärgere mich schon ein paar Tage über unsere Moderatoren. Nicht nur Hayali auch Maischberger haben sich total daneben benommen: ” Ob er denn seinen Studentenausweis abgegeben hätte?” Wie peinlich ist das denn? Würde man das auch eine Göring- Eckardt gefragt haben? Dieser Kanzler ist von unseren Nachbarn gewählt. Er ist jung – jung auch in seiner Sichtweise und so was täte auch unserem Land gut. Die Zukunft wird uns zeigen, was dieser sympathische Politiker ohne Abschluss und Studentenausweis auf die Beine stellen wird. Wir sind gespannt.

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