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Der Kurz-Besuch und die Medien: Die Krone übertreibt, die Titanic macht Hitler-Witze und SpOn entschuldigt sich für missratene Überschrift

“Ganz Berlin liegt unserem Kanzler zu Füßen”: So titelt die Kronen Zeitung aus Wien über den Staatsbesuch von Sebastian Kurz in Deutschland. Unabhängig von der rhetorischen Asterix-Frage, ob wirklich ganz Berlin dem Politiker zu Füßen liegt, lässt sich festhalten: Kurz hat ein gehöriges mediales Pannen-, Übertreibungs- und Satire-Potenzial. Auch und vor allem für Hitler-Witze.

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Begeistert vom Besuch des eigenen Kanzlers in Deutschland zeigte sich die Kronen-Zeitung: “Kurz-Festspiele in Deutschland: Berlin liegt unserem Kanzler zu Füßen”, titelte das Boulevard-Blatt.
https://twitter.com/jetzt_isch_over/status/953584234031140865
Von irgendeiner Art von Begeisterung soll in den Straßen Berlins allerdings nichts zu spüren gewesen sein. Zudem spielte der Besuch in den Netzwerken – zumindest auf deutschen Seiten – kaum eine Rolle. Die Pressekonferenz von Kurz und Merkel hat insgesamt ein paar tausend Interaktionen auf diversen Facebook-Seiten erzielt, ansonsten gab es nicht viel.
Die Festspiel-Formulierung ist im Bezug auf das TV-Pensum des österreichischen Kanzlers jedoch nicht ganz so verkehrt. So talkte Kurz erst am Dienstagabend bei Sandra Maischberger, um bereits am Mittwochmorgen im “Morgenmagazin” bei Dunja Hayali vorbei zu schauen.

Ähnlich übertrieben wie die Krone titelte Oe24: Statt der Festspiele beobachte der Boulevard-Rivale übrigens “eine Polit-Gala von Kurz bei Merkel”.
Für ihre Begeisterung ernte die österreichische Presse einiges an Häme im Social-Web. Einiges an Empörung handelte sich dagegen Spiegel Online mit seiner kurzzeitigen Überschrift zum Staatsbesuch ein. Die Hamburger oder wie es die Krone formulierte “die durchaus respektable Zeitschrift Spiegel“ hatten ihr Stück mit der – möglicherweise ungewollten – Nazi-Anspielung „Österreichs Kanzler bei Merkel: Kurz sucht Anschluss“ überschrieben. Nach einiger Kritik hatte Spiegel Online die Zeile alsbald wieder geändert. Entschuldigung von SpOn: “Die erste Version war daneben, das tut uns leid.”
https://twitter.com/SPIEGELONLINE/status/953585836943204352?ref_src=twsrc%5Etfw&ref_url=http%3A%2F%2Fwww.krone.at%2F1616477
Ebenfalls auf eine Nazi/Hitler/Österreich/Heim-ins-Reich-Anspielung setzte die Titanic mit einem erwartbar frechen Start-Cartoon. Anders als bei Spiegel Online war hier die Satire jedoch gut zu erkennen. Zu sehen ist Merkel, wie sie einen Jungen mit aufmontiertem Kurz-Kopf über einen roten Teppich führt. In einer Sprechblase sagt die fürsorgliche Kanzlerin: “Du kannst ja schon laufen, Bub!”. Dazu titelte die Redaktion: “Baby-Hitler kommt heim ins Reich”.

Wie kaum anders zu erwarten, sprang die österreichische Presse auf die Provokation auf. So berichteten fast alle Medien über den Cartoon. Die meisten erinnerten in diesem Zusammenhang auch noch einmal an das schwebende Verfahren in Sachen Titanic und eines früheren Baby-Hitler-Witzes der Frankfurter. Oe24 sprach nach dem neuerlichen Kurz-Gag von “Hetze” und “Skandal”.
Allerdings machten sich auch die österreichischen Spaßseiten über den Kanzler-Besuch lustig. So veröffentlichte die Tagespresse den Tagesplan von Kurz. Unter anderem auf dem Programm: “12:00 Uhr Bei Mustafas Gemüsekebab ein Schnitzel bestellen” oder für 16:00 Uhr: “Vom Fernsehturm springen, mit den Ohren sicher hinab segeln”.

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