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Keine Honorare für Zweitverwertung bei Focus Online: Mopo-Mitarbeiter ärgern sich über Burda-Kooperation

Die Hamburger Morgenpost kämpft wie fast alle Zeitungen mit Auflagenproblemen – ein Relaunch soll die Leser-Blatt-Bindung stärken
Die Hamburger Morgenpost kämpft wie fast alle Zeitungen mit Auflagenproblemen – ein Relaunch soll die Leser-Blatt-Bindung stärken

Seit dem vergangenen Monat veröffentlicht die Hamburger Morgenpost ihre Digital-Inhalte auch auf der Plattform von Focus Online. Durch die Kooperation mit dem Burda-Portal will der Boulevardtitel seine Reichweite ausbauen und auf Basis eines Revenue-Share-Modells die Umsätze steigern. Was sich in der Bilanz positiv auswirken soll, sorgt in der Belegschaft für Protest.

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Wer die Inhalte der Hamburger Morgenpost verfolgen will, muss die Website der Boulevardzeitung nicht mehr ansteuern. Seit Dezember macht der DuMont-Titel seine Inhalte auch über Focus Online verfügbar. Aus Sicht der Mopo-Verantwortlichen hat das viele Vorzüge: Mit den Zweitveröffentlichungen beim Burda-Portal wollen sie neue Zielgruppen erreichen und die Reichweite erhöhen. Die Redaktion von Focus Online lässt Know-how in Sachen Social Media oder Suchmaschinen-Optimierung einfließen. Der generierte Traffic zahlt dabei ganz auf die Messungen von Mopo.de ein, über ein Revenue-Share-Modell sollen beide Seiten finanziell voneinander profitieren (MEEDIA berichtete).

Bereits nach einer kurzen Testphase zeigt man sich mit der Kooperation zufrieden. Bei einzelnen Artikeln erreiche man über Focus Online drei mal so viele Zugriffe, wie auf der eigenen Plattform, heißt es in einer MEEDIA vorliegenden Rundmail der Chefredaktion.

Was zwischen den Partnern von DuMont und Burda als geregelt angesehen werden kann, sorgt auf anderer Ebene für wenig Euphorie. Vor allem bei freien Mitarbeitern der Hamburger Morgenpost stößt die Digitalstrategie auf wenig Gegenliebe. Kurz nach dem Start der Testphase erreichten die Chefredaktion erste Beschwerden über die Zweitveröffentlichungen, für die keine entsprechenden Honorare gezahlt werden. Vor allem Fotografen hatten sich über die unhonorierte Weitergabe ihrer Fotos beklagt.

Ende Dezember informierte die Mopo-Chefredaktion die Freien erneut über das Partner-Programm und  reagierte zudem auf die Kritik. Anstatt die Zweitverwertung zu vergüten, erklärte die Führung aber, dass die Fotografen der Weitergabe ihrer Bilder widersprechen können. In dem dazugehörigen Schreiben heißt es:

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Es gibt einen von uns konfigurierbaren Bild-Filter, mit dem verhindert wird, dass Fotos automatisch auch auf Focus.de veröffentlicht werden. Wir schreiben unsere freien Autoren und Fotografen an, und wer nicht damit einverstanden ist, dass seine Inhalte von uns nicht nur auf Mopo.de und den Social-Media-Kanälen der Mopo veröffentlicht werden, sondern parallel auch bei Focus, kann widersprechen und wird damit für focus.de gesperrt.

Bei der Umsetzung kommt es dem Vernehmen nach allerdings noch zu Komplikationen. Die Bilder, so heißt es, würden noch manuell ausgetauscht. Neben Fotos  sollte auch die Auslieferung Mopo-typischer Inhalte, die für nicht regionale Leser schwer vermittelbar seien, unterdrückt werden. Darunter Kolumnen oder Kommentare.

Auf Nachfrage hat sich ein Sprecher der DuMont Mediengruppe zur Technik nicht geäußert. Er erklärte: “Wir geben keine Inhalte von freien Mitarbeitern, die uns Artikel anbieten, an Dritte weiter ohne deren Einverständnis. Wenn wir eine entsprechende Vereinbarung mit freien Mitarbeitern abschließen, dürfen wir die Inhalte in der  Gruppe (gemeint ist DuMont, Anmerkung d. Red.) verwenden. Bei Angestellten ist vertraglich geregelt, dass die Rechte an DuMont übergehen und die Inhalte genutzt werden können.” Weiter wies er darauf hin, dass Ende Dezember die Testphase gestartet worden sei. Der Vermerk auf die Nutzung in der Gruppe bezieht sich auf eine haustarifliche Regelung bei der Hamburger Morgenpost. Dieser zufolge werden Text-Übernahmen in andere DuMont-Medien pauschal vergütet.

Offen ließ der Sprecher Fragen, ob die Widerspruchsmöglichkeiten nur für Fotografen oder auch Autoren gelten und ob es entsprechende Angebote auch an die Belegschaft des ebenfalls zu DuMont gehörenden Kölner Express gab. Dort arbeitet man bereits seit mehr als einem halben Jahr mit Focus Online zusammen und scheint damit zufrieden zu sein – die Rede ist von zusätzlichen Umsätzen in fünfstelliger Höhe.

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