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Stimmen zur News-Feed-Änderung: „Facebook entzieht sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung”

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ändert die Regeln für den News-Feed
Facebook-Chef Mark Zuckerberg ändert die Regeln für den News-Feed

Mit der Ankündigung den News-Feed zugunsten von Nutzer-Postings zu ändern, hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg für mächtig Diskussionsstoff gesorgt. Medienbeobachter, Intellektuelle und Journalisten bewerten den Schritt kritisch und überlegen nun, was das für die Zukunft einer ganzen Branche bedeutet.

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Der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis hat in einem Blog-Eintrag auf die angekündigten Änderungen im News-Feed von Facebook Stellung bezogen. Er kritisiert, dass sich Zuckerberg nicht einfach aus der gesellschaftlichen Verantwortung ziehe könne. Denn das Soziale Netzwerk habe „als wichtiger Lieferant von Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft” eine bedeutende Rolle eingenommen.

Er sei jedoch zuversichtlich, dass Facebooks Bemühungen, sinnvolle Interaktionen fördern zu wollen, letztlich„zu mehr Höflichkeit in unseren Gesprächen führen könnte, die die Gesellschaft dringend braucht”. Dies könne dabei helfen, die sich ausweitende Polarisierung verschiedener Lebenswelten der Menschen zu stoppen. Jarvis stellt die aus seiner Sicht entscheidende Frage: „Wird Facebook Höflichkeit, Intelligenz und Glaubwürdigkeit oder bloße Konversation schätzen und messen?” Denn das Ergebnis vom reinen Gespräch seien mittlerweile Kommentare und Trolle.

Er schreibt in seinem Beitrag diverse Wünsche auf. Zum Beispiel dürfe das US-Unternehmen das „journalistische Baby” nicht mit dem Badewasser ausschütten, sondern müsse hochwertige Inhalte weiterhin erkennen und wertschätzen. Er würde sich wünschen, dass Zuckerberg klarstellt, dass die Änderungen nicht dafür gemacht seien, dass Medienunternehmen für mehr Werbeeinnahmen ausgebeutet werden. Und er erträumt sich eine engere Zusammenarbeit zwischen Facebook und Medienhäusern. Er schreibt: „Ich möchte, dass Facebook Nachrichtenmedien hilft, ihre Inhalten zu verteilen und damit Geld zu verdienen.”

Wolfgang Blau, Journalist und Chef von Condé Nast International, fragt sich, ob die Änderungen womöglich dazu führen, dass Propaganda und extreme Meinungen ihre Reichweite sogar noch erhöhen. Blau bezweifelt die Wirksamkeit der Änderungen beim Kampf gegen Fake-News und Filterblasen.

Der Medienjournalist und Blogger Martin Giesler sieht ähnliche Gefahren. Er schreibt auf seinem Social Media Watchblog, die News-Feed-Optimierung führe dazu, „dass Nutzer noch stärker Inhalte auf Facebook selbst erleben, diskutieren und konsumieren werden, stärker an Facebook gebunden werden, mehr Zeit auf der Plattform verbringen und Facebook dadurch u.U. noch stärker zu einem geschlossenen Raum wird”.

Eine klare Meinung zu den Plänen hat der Deutsche Journalisten-Verband. Dessen Sprecher Hendrik Zörner sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass er die Maßnahmen für problematisch halte. „Das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.”

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Aus Firmensicht ein kluger Schritt

In den Sozialen Netzwerken finden sich auch positive Stimmen, die den Schritt von Facebook-Chef Zuckerberg weg von der Medienplattform hin zum ursprünglichen Sozialen Netzwerk gutheißen. Viele halten die Änderung vor allem aus unternehmerischer Sicht für sinnvoll. Marco Saal, Ressortleiter Horizont Online, analysiert in einem offenen Brief an Zuckerberg: „In Wahrheit geht es dir doch darum, dass Medien und Marken für die Reichweite, die sie für die Werbevermarktung so dringend brauchen, zahlen sollen. Denn wer im Nachrichtenstrom der Nutzer noch eine Rolle spielen will, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als Geld für Anzeigen in die Hand zu nehmen.” Für Medien heißt das: Sie müssten ihren Nutzern schnell ins Gedächtnis rufen, wer der Absender der aufwendig produzierten Inhalte ist.

Stephan Dörner, Chefredakteur des Techmagazins t3n, vermutet dass die weltweit größte Plattform gesellschaftlich weniger relevant werden wolle und weniger Politik auf der eigenen Seite möchte. „Es nervt sie, dass sie so in den Fokus geraten sind, dass sie alles schuld sein sollen, dass sie Lösch-Teams beschäftigen müssen etc.”, schreibt er auf Twitter.

Steffi Tönjes, Bloggerin und in der Unternehmenskommunikation der Deutschen Telekom tätig, twittert, der Strategiewechsel biete aussichtsreiche Monetarisierungschancen für Unternehmen. Sie sieht in Zuckerbergs neuer Strategie die Bestätigung, dass Firmen „endlich anfangen müssen, Communities an erste Stelle zu rücken”. Reines Verbreiten von Botschaften reiche nicht aus. Ihrer Ansicht nach geht es zukünftig wieder mehr um Relevanz.

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