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Unruhe bei der Nordkurier-Gruppe: Ostdeutscher Regionalzeitungsverlag kündigt 60 Zeitungszustellern

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Die eigenen Zustelldienste für Zeitungen und Briefe bereiten den Verlagshäusern immer größere Probleme. Grund hierfür ist zum Teil der Mindestlohn, der zu höheren Aufwendungen in der Logistik führt. Die Nordkurier-Mediengruppe tritt jetzt auf die Kostenbremse. Das ostdeutsche Verlagshaus hat überraschend 60 Zeitungs- und Postzustellern gekündigt.

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Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, schlug Ende vergangenen Jahres Alarm. „Ehrlich gesagt, die Kosten für die Zustellung der Zeitung laufen uns gerade davon“, mahnte der Manager in einem Interview mit der hauseigenen Thüringer Allgemeinen. Vor allem in dünn besiedelten Regionen sei der Medienhaus „herausgefordert, die Zeitung kostendeckend zuzustellen“. Als Grund hierfür nannte er unter anderem den Mindestlohn, der für geringfügig Beschäftigte gelte.

Die Mediengruppe Thüringen ist kein Einzelfall. Viele Verlagshäuser leiden wegen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns unter gestiegenen Kosten. Das Problem verschärft sich jetzt vor allem bei Regionalverlagen, die zudem in der Briefzustellung tätig sind. Sie wollten hierdurch eigentlich ihre Erlösprobleme im rückläufigen Zeitungsgeschäft in den Griff bekommen. Doch der Mindestlohn macht ihnen nun einen Strich durch die Rechnung. Er belastet das hart umkämpfte Briefgeschäft und schmälert dadurch ihre Gewinnmarge.

Jetzt tritt offenbar die Nordkurier-Mediengruppe aus Neubrandenburg in der Logistik auf die Kostenbremse. Das Unternehmen hat rund 60 Zeitungs- und Postzustellern aus der Region Mecklenburgische Seenplatte entlassen. Ende vergangenen Jahres sei den Mitarbeiter der Nordkurier Logistik Mecklenburgische Schweiz GmbH & Co. KG die Kündigung zugestellt worden, erklärt Verdi. Offiziell, so die Gewerkschaft, entlässt das Verlagshaus die Mitarbeiter, weil der Betrieb stillgelegt werden soll.

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Verdi jedoch sieht hinter der Schließung einen anderen Grund. Die Gewerkschaft vermutet hier vielmehr eine Reaktion des Verlags darauf, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen wollten. Er hätte unter anderem dafür gesorgt, dass die Arbeitszeiten eingehalten werden. Denn die Zusteller klagen laut Verdi über nicht bezahlte Überstunden. „Der Nordkurier hat miserable Arbeits- und Einkommensbedingungen. Anstatt sich mit Betriebsräten und verdi sachorientiert auseinanderzusetzen, wählt die Geschäftsführung den vermeintlich einfachen Weg der Betriebsschließung und entlässt 60 loyale Zeitungs- und Briefzusteller in die Arbeitslosigkeit“, rügt Verdi-Vertreter Lars-Uwe Rieck das Vorgehen.

Vom Verlag war weder telefonisch noch per Mail eine Stellungnahme zu erhalten. Die Nordkurier-Mediengruppe ist in Mecklenburg-Vorpommern einer der führenden Regionalzeitungsverlage. Das Unternehmen erzielt mit mehr als 1400 Beschäftigten einen Konzernumsatz von 64 Millionen Euro. An dem Unternehmen sind der Verlag der Kieler Nachrichten, die Schwäbische Verlag GmbH und Co.KG Drexler, Gessler sowie die Presse-Druck-und Verlags-GmbH mit jeweils 33,3 Prozent beteiligt.

Die Nordkurier-Mediengruppe gibt die Tageszeitungen Nordkurier und Uckermark Kurier heraus. Wie alle Regionalzeitungsverlage leidet auch der Nordkurier unter einem Auflagenrückgang. So sank im dritten Quartal 2017 der Abo- und Einzelverkauf der Zeitung (Gesamtausgabe Print und ePaper) auf knapp 67.000 Exemplare. Dies war im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von drei Prozent. Lutz Schumacher, Chefredakteur und Geschäftsführer, macht hierfür vor allem den digitalen Wandel verantwortlich. „Es ist derzeit eindeutig eine Verschiebung von den analogen funktionierenden Printprodukten hin zur digitalen Informationswelt spürbar“, erklärte er Ende vergangenen Jahres.

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