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Michael Wolff erklärt bei US-Late-Night-Talker: Warum man jedes Wort bei „Fire and Fury” glauben sollte

Im Gespräch mit Stephen Colbert (rechts) erzählt „Fire and Fury”-Autor Michael Wolff von der Arbeit am Enthüllungsbuch.
Im Gespräch mit Stephen Colbert (rechts) erzählt „Fire and Fury"-Autor Michael Wolff von der Arbeit am Enthüllungsbuch.

Nach der Veröffentlichung von „Fire and Fury" gibt es in den USA eine große politische Diskussion über den Zustand des Weißen Hauses, den Michael Wolff in seinem Buch beschreibt. Allerdings bieten die Schilderungen aufgrund faktischer Fehler diverse Angriffspunkte. In einem Interview mit Late-Night-Talker Stephen Colbert erzählt er nun, was seine Arbeit erschwert hat und warum die Leser ihm glauben sollten.

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In seinem jüngsten Auftritt im US-Fernsehen spricht der Autor Michael Wolff mit Stephen Colbert über die Glaubwürdigkeit seiner brisanten Enthüllungen. Dabei geht es um die schon oft diskutierte – und bislang ungelöste – Frage, wie man als Journalist der Wahrheit möglichst nahe kommt. Über seine Arbeit an „Fire and Fury” sagt Wolff, dass er nach seiner Zeit im Weißen Haus eine Chronik der Ereignisse aufschreiben musste, an die er selbst glauben kann. Das Problem in der Trump-Administration sei, dass jeder „dir immer eine Version einer Geschichte erzählt”. Jeder in Washington lügt auf seine Art und Weise, ganz besonders im Stab des Präsidenten. „This is the Trump’s White House”, lautet seine Erklärung dafür.

Seine zahlreichen Gesprächspartner erzählten stets nur ihre Version von bestimmten Ereignissen, die sich meist völlig von anderen Erzählungen unterschieden und somit nur einen kleinen Teil der Wahrheit enthielten. Er musste schließlich diese scheinbar nicht zusammenpassenden Puzzleteile irgendwie ordnen, um ein deutliches Bild zu erlangen. Auf Grundlage seines Urteilsvermögens habe er dann eine für ihn stimmige Geschichte aufgeschrieben. Entstanden ist eine Melange verschiedener Interpretationen, die zusammengesetzt der tatsächlichen Situation in Washingtons Machtzentrale möglichst nahe komme.

Zur Verdeutlichung beschreibt er eine Szene aus dem Buch, in der sich Ex-Trump-Berater Steve Bannon und die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Hope Hicks, stritten. Damals habe Wolff sich beide Versionen angehört und danach weitere Mitarbeiter aufgesucht, die ihm deren Interpretationen des Disputes lieferten. Geglaubt hat er letztlich keiner der beiden Seiten, aber er konnte durch diese Vorgehensweise zumindest die verschiedenen (Teil-)Wahrheiten aufspüren.

Jeder in Trumps Team hat seinen eigenen Spin-Doktor
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Im weiteren Verlauf des Gesprächs schildert Stephen Colbert seinem Gast Wolff eindringlich einen inneren Konflikt, den wahrscheinlich viele Leser bei der Lektüre des Buches verspürt haben: Auf der einen Seite stehen diese Anekdoten über den Präsidenten, die einen fassungslos zurücklassen und auf der anderen Seite ist man sich unsicher, welchen Wahrheitsgehalt das Gelesene besitzt. Was also soll man an „Fire and Fury” glauben? Wolffs Antwort: „Sie sollten alles darin glauben.” Er habe als Autor die Aufgabe eine Geschichte aufzuschreiben, bei der ein Leser schlussendlich zu der Erkenntnis kommen kann, dass er den Zustand von Donald Trump und den seines Machtapparates verstanden hätte.

Besonders interessant war zudem die Erklärung, warum ständig so viele Informationen aus dem Innersten des Oval Office an die Öffentlichkeit gelangen würden. Wolff meinte dazu lakonisch, dass jeder hochrangige Mitarbeiter im Weißen Haus einen eigenen Pressesprecher habe, der rund um die Uhr PR betreibe. Es gehe ihnen nur darum, ihren jeweiligen Arbeitgeber bestmöglich in der Presse dastehen zu lassen. Damit bestätigt Wolff eine Beobachtung vieler Journalisten, dass unter Trump – mehr als bei früheren Präsidenten – derart viele Informationen von Regierungsmitglieder durchgestochen werden.

Die Nachfrage von Colbert, ob ihn die mediale Wucht seiner Äußerungen überrascht habe, bejaht Wolff. Er dachte, dass man vieles doch ohnehin schon gewusst hat. Gegenüber seinem Verleger äußerte der 64-jährige Autor ebenfalls Bedenken wegen der enorm hohen Auflagenzahl. Schließlich stünde doch nicht viel Neues in seinem Buch.

Late-Night-Talker Colbert beendet das Interview elegant, indem er sich bei Wolff für das Buch „Fire and Fury” bedankt und hinzufügt, dass er sich schon sehr auf die Audio-Aufnahmen seiner Gespräche freue. Denn zuvor war der Autor geschickt bei der Frage ausgewichen, warum er seine Belege für den Wahrheitsgehalt vieler seiner Behauptungen nicht einfach veröffentlichen würde.

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