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#trending: die “Invasoren” des Viktor Orban, das Missverständnis der Barbara Meier, der aaaalte Witz des Fatih Akin und die Ambitionen der Oprah Winfrey

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Guten Morgen! Es ist schon erstaunlich, welch große weltweite Wirkung eine Preisverleihung hat, deren Gewinner von 90 Personen, wie Fachmagazin Blickpunkt: Film schreibt "mit bisweilen eher zweifelhaftem Hintergrund", bestimmt werden. Gemeint sind die Golden Globes und die intransparente Hollywood Foreign Press Association. Rund um die Welt gab es am Montag kaum ein anderes Thema. Auch #trending dominiert die Gala heute mit unterschiedlichen Aspekten.

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#trending // News & Themen

Viktor Orban sorgte am Montag abseits der Golden Globes für das nach Social-Media-Interaktionen erfolgreichste Thema des Tages im deutschsprachigen Raum. Orban bescherte diversen Medien Erfolge, weil er wieder einmal sagte, dass Ungarn keine Flüchtlinge aufnehmen werde. In dem entsprechenden Bild-Interview bezeichnete er sie zudem als “muslimische Invasoren”. Applaus gab es dafür vor allem aus Richtung der AfD und FPÖ. Der größte Like-Bringer für einen Artikel der Welt, der das Bild-Interview zusammenfasste, war z.B. der FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky.

Das Original-Interview der Bild, das hinter der Paywall hängt, kam nur auf rund 2.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter. Die Zusammenfassung der Welt erreichte hingegen 15.300 Reaktionen, vor der Bild landeten auch noch die Junge Freiheit (6.800), die Epoch Times (4.400), Sputnik aus Russland (4.100), Focus Online (2.600), T-Online (2.400) und die Basler Zeitung (2.300).

#trending // Social Media

Schwarz war die Farbe des Tages bei den Golden Globes. Mit der Wahl ihrer Kleidungsfarbe schlossen sich fast alle Gäste der Gala der “Time’s Up”-Initiative an, die sich gegen Sexismus, Missbrauch und Benachteiligung von Frauen in der Unterhaltungsbranche richtet. “Fast alle”, weil es eben auch einige wenige Ausnahmen gab. Neben dem US-Film-Sternchen Blanca Blanco war das auch eine Deutsche: Barbara Meier, bekannt wegen ihres Sieges bei “Germany’s next Topmodel” im Jahr 2007 und verbandelt mit einem Unternehmer, der u.a. auch an Film-Produktionsfirmen beteiligt ist. Sie trug bei den Golden Globes nicht schwarz, sondern verschiedenste Farben.

Auf Instagram hatte Meier ihre Kleiderwahl angekündigt und begründet: “Wenn wir wollen, dass heute die Golden Globes der starken Frauen sind, die für ihre Rechte kämpfen, ist es in meinen Augen der falsche Weg, sich nicht mehr körperbetont anzuziehen und uns die Freude am Ausdruck unserer Persönlichkeit durch Mode zu nehmen”, schreibt Meier u.a. Und weiter: “Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten und es auch in Ordnung ist, sich sexy zu kleiden. Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt.” Das Problem: Es ging gar nicht darum, sich nicht “sexy zu kleiden”. Viele Frauen haben sich “körperbetont” und “sexy” angezogen, auch ihre “Freude am Ausdruck ihrer Persönlichkeit durch Mode” gezeigt. Nur eben in schwarz. Um gemeinsam gegen Benachteiligungen und Missbrauch zu protestieren: “We feel sort of emboldened in this particular moment to stand together in a thick black line, dividing then from now” wie Meryl Streep es ausdrückte.

Viele Frauen werden heute im Zuge der Time‘s Up Bewegung auf dem Roten Teppich schwarz tragen. Ich finde diese Initiative im Allgemeinen super und extrem wichtig. Trotzdem habe ich mich entscheiden, heute ein buntes Kleid zu tragen. Wenn wir wollen, dass heute die Golden Globes der starken Frauen sind, die für ihre Rechte kämpfen, ist es in meinen Augen der falsche Weg, sich nicht mehr körperbetont anzuziehen und uns die Freude am Ausdruck unserer Persönlichkeit durch Mode zu nehmen. Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten und es auch in Ordnung ist, sich sexy zu kleiden. Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt. Wir sollten nicht schwarz tragen müssen, um ernstgenommen zu werden. Wir Frauen sollten strahlen, farbenfroh sein und funkeln. So wie es in unserer Natur liegt! Das symbolisiert in meinen Augen unsere Freiheit und neue Stärke. Um das aber dennoch nochmal klar zu sagen: Viele schreckliche Dinge sind passiert und dürfen sich nie wieder wiederholen! Und wir sollten das immer wieder und direkt ansprechen und aufklären! Ich freue mich auf starke und inspirierende Reden heute Abend! (c) @gettyentertainment — A lot of women will wear black tonight to support the time‘s up movement! I think this is a great and extremely important initiative! Nevertheless I decided to wear a colorful dress tonight. If we want this to be the Golden globes of the strong women who stand up for their rights, I think, it’s the wrong way not to wear any sexy clothes anymore or let people take away our joy of showing our personality through fashion. We were fighting a long time for the freedom to wear what we want to and that it is also ok, to dress up a little more sexy. If we now restrict this, because some men can’t control themselves, this is a huge step back in my opinion. We should not have to wear black to be taken serious. US women should shine, be colorful and sparkle. Just like it is our nature. In my opinion this symbolizes our freedom and our new strength. But to make clear: A lot of bad things happened and should never happen again!!!

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#trending // Politik

Kaum gelangt eine Information nach außen, beginnt die Social-Media-Empörungsmaschine wieder zu rotieren. Irgendjemand hat das Detail aus den Sondierungen zwischen CDU/CSU und SPD an die Presse gegeben, dass man sich offenbar schon geeinigt habe, dass die Klimaschutzziele für 2020 “nicht mehr erreicht” werden. Stattdessen wolle man nun ein “Maßnahmenpaket vereinbaren, mit dem die Lücke so weit wie möglich geschlossen und das Ziel am Anfang der 2020er-Jahre erreicht wird”. Schön ist das nicht, doch realistischerweise war das 2020er-Ziel wohl ohnehin nicht mehr erreichbar.

Spiegel Online erreichte mit der Story 5.400 Interaktionen bei Facebook und Twitter, u.a. durch Posts und Tweets von Katrin Göring-Eckardt und Bernd Riexinger. Die Grünen sorgten mit ihrem etwas übergeigten Facebook-Beitrag “Katastrophen-Warnung: Groko opfert Klimaschutz” für einen der erfolgreichsten Politik-Posts des Tages. 3.500 Likes, Reactions, Shares und Kommentare gab es.

Apropos Grüne: Mit Anja Piel kandidiert nun eine dritte Person für den Parteivorsitz beim kommenden Parteitag Ende Januar. Geht man nach Social-Media-Erfolgen, so ist Piel nicht die Favoritin: Auf Twitter hat sie 2.300 Follower, auf Facebook weniger als 1.400 Pagelikes. Zum Vergleich: Konkurrentin Annalena Baerbock erreicht rund 4.900 Follower auf Twitterbei Facebook allerdings auch nur etwas mehr als 1.600 Pagelikes. Grünen-Shooting-Star Robert Habeck führt den Vergleich klar an: mit 12.300 Twitter-Followern und 17.000 Facebook-Pagelikes.

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#trending // Entertainment

Kommen wir nochmal zu den Golden Globes und dem Höhepunkt aus deutscher Sicht: Fatih Akins “Aus dem Nichts” wurde zum besten fremdsprachigen Film gekürt. Auch in den USA sorgte Akin für recht viele Social-Media-Reaktionen. Aber nicht wegen seines Films, sondern wegen seiner Rede. Darin bedankte er sich u.a. bei Warner Brothers und sagte dann den Satz “If you see the Police, warn a Brother”. Der Warner-Brothers-Wortwitz war im Frühjahr 2012 ein kleines Internet-Meme, bei dem ein Foto mit einem entsprechenden T-Shirtherum gereicht wurde. Seitdem wurden unzählige T-Shirts mit dem Spruch gedruckt, der Witz ist also uralt. Reaktionen bei Twitter: Ungläubigkeit. Erstaunen: “Director Fatih Akin’s weird dad joke about Warner Bros. (‘if you see a cop, warn a brother’) was … a choice.” Kopfschütteln: “This dude just broke out ‘warn a brother’ on the golden globes. I see that joke just finally reached Germany/France“. Nichts ist im Internet älter als ein Meme von gestern. Geschweige denn eins aus dem Frühjahr 2012.

#trending // Worldwide

Und dann war da noch die Rede von Oprah Winfrey. Die Moderatorin, Schauspielerin und Eigentümerin eines Medien-Konzerns bekam im Rahmen der Golden Globes den Cecil B. DeMille Award, eine Art Auszeichnung für das Lebenswerk. In ihrer Rede zeigte sie sich kämpferisch im Hinblick auf Frauenrechte, Bürgerrechte bis hin zur freien Presse. Die Rede endete mit “…a new day is on the horizon! And when that new day finally dawns, it will be because of a lot of magnificent women, many of whom are right here in this room tonight, and some pretty phenomenal men, fighting hard to make sure that they become the leaders who take us to the time when nobody ever has to say ‘Me too’ again.”

Allein auf der offiziellen Facebook-Seite und im Twitter-Account der Golden Globes wurde die Rede bis Dienstag, 1 Uhr deutscher Zeit, 37 Millionen mal angeschaut. Hinzu kommen unzählige weitere Milliionen Views auf Facebook, Twitter, YouTube und anderen Stellen im Netz. Schon direkt danach wünschten sich einige Kolleginnen und Kollegen Oprah WInfrey als US-Präsidentschaftskandidatin. So twitterte Sarah Silverman z.B. “Oprah/Michelle 2020” und meinte Oprah Winfrey und Michelle Obama als Kandidatinnen für die Wahl 2020. Über 100.000 Likes und Retweets gab es dafür.

Im Verlauf des Montags zitierte CNN nun tatsächlich “zwei enge Freunde” von Oprah Winfrey, die zu Protokoll gaben, dass sie tatsächlich “aktiv nachdenkt”, 2020 ins Präsidentschafts-Rennen zu gehen. Der CNN-Artikel sammelte rund 220.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter ein – so viele kein anderer journalistischer Text am Montag. Bei den Wettbüros liegt Winfrey nun auf Platz 2 der Personen, die 2020 am wahrscheinlichsten US-Präsident oder -Präsidentin werden. Nur Donald Trump liegt noch davor.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Welt – “Orban sieht Flüchtlinge als ‘muslimische Invasoren’ an” (15.300 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Bild – “‘ … was für ein Idiot Sarazin ist’ – Maas wird Opfer seines eigenen Lösch-Gesetzes!” (4.200 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Süddeutsche Zeitung – “Im Tollhaus

Google-SuchbegriffPostbank (100.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteFrance Gall (41.600 Abrufe)

Youtube-Video: NBC – “Seth Meyers’ Monologue at the 2018 Golden Globes

Song (Spotify): Bausa – “Was du Liebe nennst” (334.300 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): Various – “Die ultimative Chartshow – Rockballaden” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Game of Thrones: Die komplette 7. Staffel” (Blu-ray)

Game (Amazon)PSN Card-Aufstockung / 10 EUR

Buch (Amazon): Michael Wolff – “Fire and Fury” (Taschenbuch)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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