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Fatale falsche Altersangabe bei Flüchtlings-Love-Story: die Empörung über eine Kika-Doku

Szene aus dem Kika-Film "Schau in meine Welt - Malvina, Diaa und die Liebe"

Eine Dokumentation des ARD/ZDF Kinderkanals (Kika) über die Liebesbeziehung eines 16-jährigen deutschen Mädchens zu einem 19-jährigen syrischen Flüchtling sorgt für Kritik und Empörung. Der Sender hat die Altersangabe des jungen Syrers in einem Begleittext nachträglich von 17 auf 19 korrigiert. Die erste Altersangabe sei ein Versehen gewesen, so der Sender.

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Die besondere Brisanz rührt daher, dass manche Leute Parallelen zu dem Tötungsdelikt im rheinland-pfälzischen Kandel ziehen, wo ein afghanischer Flüchtling seine 15-jährige deutsche Freundin erstochen hat. Im Nachhinhein stellte sich heraus, dass der junge Mann offenbar älter war als die angegebenen 15 Jahre. Seither tobt eine Debatte über falsche Altersangaben von männlichen jungen Flüchtlingen, in der Politik gibt es Forderungen nach obligatorischen Alters-Tests.
Die Kika-Doku mit dem Titel „Schau in meine Welt – Malvina, Diaa und die Liebe“ wurde bereits am 26. November 2017 im Rahmen des Kika-Themen-Schwerpunkts „Respekt für meine Rechte! – Gemeinsam leben“ ausgestrahlt. In einem Begleittext zur Sendung im Internet wurde das Alter des männlichen Protagonisten Diaa mit 17 Jahren angegeben, das von Malvina mit 16. Der Film ist sehr persönlich und emotional und zeichnet die Liebesbeziehung der beiden Leute einfühlsam nach. Er verzichtet dabei komplett auf einen Kommentar. Die Probleme einer solchen interkulturellen Beziehung werden schon früh angesprochen, etwa wenn Malvina im Film erklärt, sie verweigere sich Diaas Wunsch, dass sie ein Kopftuch tragen möge. Auf knappe Kleidung verzichtet sie aber „als Kompromiss“. Man kann keinesfalls sagen, dass der Film eine solche Beziehung als rosarot und konfliktfrei darstellt.
Im Lichte des furchtbaren Tötungsdelikts in Kandel hat der an sich harmlose Film nun eine ungeahnte Brisanz bekommen. Plötzlich ist das Thema „älterer männlicher Flüchtling in einer Beziehung mit minderjährigem deutschen Mädchen“ in aller Munde. Kritik an dem Film gibt es auch darum, weil der Kika die Altersangabe von Diaa nachträglich nach oben korrigierte. Aus einem 17-Jährigen wurde plötzlich ein 19-Jähriger. Drei Jahre Altersunterschied können an der sensiblen Schwelle vom Kind zum Erwachsenen einen großen Unterschied machen, nach deutschem Recht überschreitet diese Alterskorrektur jedenfalls die Grenze zur Volljährigkeit.
Die Sache ist natürlich ein gefundenes Fressen für rechte Kreise. So kommentierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel laut Bild.de auf Facebook, der Kika-Film sei eine „unerträgliche und gefährliche Propaganda der Staatsmedien“. Die Kritik und teils überzogene Empörung über den Film wird, von Medien-Berichten befeuert und in den Sozialen Netzwerken weiter verbreitet. Der Hashtag #Kika schaffte es am Dienstag in die Trending Topics von Deutschland. Bild-Chef Julian Reichelt twitterte:
https://twitter.com/jreichelt/status/950416323363848193
Der Sender erklärt zu der Korrektur der Altersangabe von Diaa Folgendes: „Entschuldigen wollen wir uns für einen Fehler in Bildunterschriften: Im Film wird über Malvinas Alter (zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre) gesprochen, nicht aber über Diaas. Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt. Als er und Malvina sich kennen lernten, war er 17 Jahre alt. Dass dieses Alter dann in Bildunterschriften auftauchte, ist irreführend, wir haben das mittlerweile korrigiert.“
Ein wenig seltsam bleibt die Alterskorrektur freilich. Folgt man der Äußerung des Senders, war Malvina zum Zeitpunkt des Drehs 16 Jahre alt und Diaa 19. Wenn Diaa zum Zeitpunkt des Kennenlernens 17 Jahre alt war, müsste Malvina dann 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein. Die Problematik, dass einige Jahre Altersunterschied wenige Monate später Auslöser einer Debatte sein können, war den Produzenten womöglich nicht bewusst. Vertrauenserweckend wirkt diese Form der Korrektur aber auch nicht.
Zudem muss man dem Kika ankreiden, dass er die Altersangabe in dem Begleittext etwas zu lapidar korrigiert hat. Bei der Altersangabe von Diaa findet sich nun ein Sternchen mit dem lapidaren Vermerk „Aktualisierung der Redaktion am 08.01.2018, 17:06 Uhr“. Die ausführliche Erklärung, wie es zur falschen Altersangabe kam, muss man sich selbst im Netz suchen. Zumal mancher Zeitgenosse nun womöglich auch die neue Altersangabe bezweifeln mag. Der Fall zeigt einmal mehr wie wichtig größtmögliche Transparenz bei der Fehlerkorrektur durch Medien im Zeitalter von Social Media ist.
Korrekturhinweis: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, dass für den 14. Januar 2018 eine Wiederholung der Sendung geplant ist. Dies war falsch, laut Auskunft von Kika ist keine Wiederholung der Folge geplant. Wir bitten, den Fehler zu Entschuldigen. 

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