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Wolff im Schafspelz: So gerissen nutzte der “Fire and Fury”-Autor Donald Trumps Medien-Allergie für seine Zwecke

Für die deutsche Ausgabe “Feuer und Zorn” ist Michael Wolff derzeit auf Werbetour
Für die deutsche Ausgabe "Feuer und Zorn" ist Michael Wolff derzeit auf Werbetour

Seit Verkaufsstart des Enthüllungsbuchs „Fire and Fury" steht das politische Amerika Kopf. Die Reaktionen reichen von Häme bis zur Fassungslosigkeit. Grund für Letztere ist die Frage, die US-Experten vor ein Rätsel stellt: Wie konnte ausgerechnet Donald Trump, der Medien stets mit Argwohn und Misstrauen gegenübertritt, einem Journalisten wie Michael Wolff überhaupt die Tür zum Weißen Haus öffnen?

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Man reibt sich zurecht verwundert die Augen, wenn man darüber nachdenkt, dass ein Journalist mit dem Ruf eines Michael Wolff Zugang ins Oval Office bekam und dabei mit Mitarbeitern des Präsidenten und mit diesem höchstpersönlich sprechen konnte. Donald Trump hätte doch lediglich seinen guten Freund Rupert Murdoch in einem der regelmäßigen Telefonate nach dessen Meinung zu Wolff fragen müssen. Der Medienmogul hat bereits vor zehn Jahren enge Bekanntschaft mit dem Journalisten gemacht: Damals erhielt Wolff auf Geheiß Murdochs einen exklusiven Einblick in die Welt des Medienunternehmers. Das Ergebnis fiel 2008 genauso fatal aus wie 2018.

Auf Grundlage zahlreicher Interviews mit Familienmitgliedern und Geschäftspartnern entwarf Wolff ein wenig schmeichelhaftes Porträt von Murdoch mit dem Titel „The Man Who Owns the News: Inside the Secret World of Rupert Murdoch”. Laut Murdoch beinhaltet das Buch diverse faktische Fehler und Ungenauigkeiten. Ähnliches behauptet Trump derzeit über „Fire and Fury”. Der US-Präsident hätte also nur kurz bei Murdoch nachfragen müssen und das Buch „Fire and Fury” wäre in dieser Form wahrscheinlich nie erschienen. Dass das Enthüllungsbuch doch seit vorigen Freitag die mediale Wahrnehmung in den USA bestimmt, liegt nicht nur an oben beschriebener Anekdote sondern auch an einer (journalistischen) Taktik, die das US-Magazin Politico analysiert hat und mit der Wolff an die diskussionswürdigen Informationen kam.

Als Vorbereitung auf sein Buch hat Wolff über mehrere Monate gezielt selbst verfasste schmeichelnde Artikel über Donald Trump, seine Anhänger und Berater in verschiedenen US-Medien platziert. Als Bekundung der (vermeintlichen) Solidarität und um Trumps Vertrauen zu gewinnen, interviewte er beispielsweise Steve Bannon nach dem Wahlkampfsieg. Außerdem gab Wolff dem Branchenportal Digiday ein Interview, in dem er die Berichterstattung über Trump anprangerte. Nach der Inauguration im Januar publizierte er in der Newsweek ein Stück mit dem Titel „Why the Media Keeps Losing to Donald Trump“, das das heikle Verhältnis zwischen Medien und Trump in den Blick nahm.

Das Kalkül: In einer publizistischen Welt, in der der neue US-Präsident allerorts Feinde witterte, machte Wolff das zu einem potenziellen Unterstützer von Trump. Und der konnte Verbündete bei den Medien nur zu gut gebrauchen, nachdem sein langjähriger Vertrauter Roger Ailes aufgrund privater Verfehlungen im Sommer 2016 seinen Job als CEO des rechts-populistischen Fernsehsenders Fox News verloren hatte. Der Immobilien-Milliardär vertraute wohl seinem Instinkt und verzichtete darauf, Referenzen über den Mann einzuholen, der ihm und seinen Vertrauten mit dem Mikrofon zu Leibe rücken wollte. Am Ende öffnete sich die Festung Weißes Haus für den Journalisten für wiederkehrende Besuche. Wolff frotzelte, dass eine Couch im Westwing zu seinem Stammplatz wurde – und er so die Chance bekam, im ersten Jahr der Präsidentschaft von Donald Trump ein Buch zu schreiben, das aufgrund seiner vernichtenden Außenwirkung wohl in die Geschichte eingehen wird.

Wolffs Berufsstand hatte die Strategie des Kollegen bei seinen Trump-freundlichen Artikel offenbar nicht durchschaut. Die Kritik für seine zuvorkommenden Artikel ließ nicht lange auf sich warten. Namhafte Journalisten wie Glenn Greenwald und Jeff Jarvis bemängelten deren Qualität. Wolff wird sich insgeheim darüber gefreut haben, denn je mehr er von der Presse kritisiert wurde, desto wahrscheinlicher war ein wohlwollender Empfang von Trump und seinem Team. So zumindest muss sich für Wolff die krude Logik eines Präsidenten dargestellt haben, der Mitte Januar einen Preis für die „unehrlichsten Medien” vergeben will. Die offenbar lang geplante Kampagne Wolffs hatte nur ein Ziel: dass Donald Trump ihm Einlass in sein Büro gewährt und der Autor sich im Weißen Haus aufhalten darf. Eine ähnliche Taktik hat der Autor bereits im Fall von Rupert Murdoch angewendet, belegt Politico anhand plakativer Beispiele.

Intellektuelle Elite hilft sich mit Humor

Die Art und Weise, wie Wolff sich Zugang zu Trump und seinem engsten Kreis verschafft haben soll, bestätigt letztlich vieles, was in „Fire and Fury” über den Präsidenten erzählt wird. Denn dass Rupert Murdoch vor einem Jahrzehnt auf Michael Wolff reingefallen ist, könnte laut Politico an seiner Naivität liegen. Dass nun aber Trump den gleichen Fehler beging, sagt noch viel mehr über dessen Denken aus, über sein viel zu großes Ego und über dessen analytische (Un-)schärfe, wenn es um wichtige Belange geht.

Intellektuelle in den USA sehen sich indes durch die Enthüllungen des neuen Buches in ihrer Meinung bestätigt. Der voranschreitenden Entfremdung mit dem Staatsoberhaupt ihres Landes entgegen sie mit Ironie und Sarkasmus, wohl wissend, dass sich auch nach Veröffentlichung des Buches nicht viel am Stil des Präsidenten ändern wird.

Ein vernichtendes Urteil zu „Fire and Fury” fällt hingegen das Magazin The New Yorker. Die angeblichen Enthüllungen über Trump seien schlicht keine, denn jeder habe dies bereits vorher gewusst, weil es in zahlreichen Meldungen in der Vergangenheit berichtet wurde. Das Buch sei schlecht geschrieben und der mediale Hype sage mehr über den Zustand einer Gesellschaft aus als über Trump selbst. Die Autorin Masha Gessen konstatiert, dass die Gesellschaft ein Problem mit der Wahrnehmung ihrer Realität habe. Nicht der Inhalt des Buches sondern der Ton des Autors Wolff suggeriere dem Leser, dass dieser einen Blick hinter die Kulissen bekomme.

Wolff betritt mit seinem Buch ein Zwischenland, urteilt Gessen, das auf der einen Seite von zurückhaltenden Nachrichtenreportern im Weißen Haus begrenzt wird und auf der anderen Seite von Late-Night-Komikern bespielt wird, die eben jene Zurückhaltung ablehnen, weil sie nicht der journalistischen Genauigkeit verpflichtet sind. Sie fordert, dass es jenen Bereich – wo weder Zurückhaltung noch Genauigkeit gelten – nicht geben dürfe. Hierzulande wird das Buch ebenfalls von Journalisten besprochen und ob seines boulevardesken Stils kritisiert:

Das öffentliche Interesse scheint von derartiger Kritik nicht betroffen zu sein. Der Verlag Henry Holt hat bekannt gegeben, möglichst schnell weitere Auflagen zu drucken. Kurz nach Erscheinen war das Buch in etlichen US-amerikanischen Buchhandlungen im ganzen Land ausverkauft.

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Alle Kommentare

  1. Die Gender Medien sind richtig stolz auf dieses MACHWERK, weil sie es GEIL
    finden das ihr OPFER so richtig madig gemacht wird. Das Buch ist soviel wert
    wie TOILETTENPAPIER, also für den A::::::: !

  2. Wer würde jemandem noch trauen, der sich taktisch in die Familie einschleimt und sich anbiedert, um dann schlecht über die zu schreiben, denen er sich als Freund und Gleichgesinnter schauspielernd etwas vorlog?

    Anstand? Fehlanzeige.
    Mut? Fehlanzeige.
    Journalistisches Ethos? Fehlanzeige.

    Gilt Moral nichts im Journalismus?
    Heiligt der Zweck jedes Mittel?

    Ich glaube Wolffs Projektionsfläche ist Trump deshalb, weil er sich in ihm wieder erkennt.

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