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Wegen Vorwurf der Vorverurteilung: Presserat prüft Beschwerde gegen Wedel-Story im Zeit Magazin

Der Presserat beschäftigt sich jetzt mit der Zeit Online-Story der Zeit-Magazin-Story über Dieter Wedel
Der Presserat beschäftigt sich jetzt mit der Zeit Online-Story der Zeit-Magazin-Story über Dieter Wedel

Jetzt muss sich auch der Presserat mit der Berichterstattung zu Dieter Wedel und den Vorwürfen mutmaßlicher sexueller Belästigung gegen den Regisseur beschäftigten. Wie die Medienwächter gegenüber MEEDIA bestätigen, liegt ihnen mittlerweile eine Beschwerde gegen die Zeit vor.

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Die Beschwerde richtet sich allerdings nicht direkt gegen das Zeit Magazin, das mit seiner Titelgeschichte “Im Zwielicht” als Erstes über die Vorwürfe dreier Schauspielerinnen gegen Wedel berichteten, sondern gegen Zeit Online und die dort erschienene Zusammenfassung der Magazin-Story.

Die Beschwerde richtet sich gegen Vorverurteilungen nach der Richtlinie 13.1 des Pressekodex. Darin heißt es:

Die Berichterstattung über Ermittlungs- und Gerichtsverfahren dient der sorgfältigen Unterrichtung der Öffentlichkeit über Straftaten und andere Rechtsverletzungen, deren Verfolgung und richterliche Bewertung. Sie darf dabei nicht vorverurteilen. Die Presse darf eine Person als Täter bezeichnen, wenn sie ein Geständnis abgelegt hat und zudem Beweise gegen sie vorliegen oder wenn sie die Tat unter den Augen der Öffentlichkeit begangen hat. In der Sprache der Berichterstattung ist die Presse nicht an juristische Begrifflichkeiten gebunden, die für den Leser unerheblich sind.

Ziel der Berichterstattung darf in einem Rechtsstaat nicht eine soziale Zusatzbestrafung Verurteilter mit Hilfe eines “Medien-Prangers” sein. Zwischen Verdacht und erwiesener Schuld ist in der Sprache der Berichterstattung deutlich zu unterscheiden.

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Seit Erscheinen des Artikels gibt es eine lebhafte und kontroverse Debatte, inwieweit die Berichterstattung des Zeit Magazins gegen ethische Aspekte wie die Unschuldsvermutung verstößt. Denn unabhängig vom Ausgang möglicher Verfahren ist das Ansehen von Dieter Wedel nun schwer belastet.

Auf diesen Punkt angesprochen, antworteten die Autorinnen Annabel Wahba und Jana Simon gegenüber MEEDIA: “Es ist die Aufgabe der Presse, auch über einen Tatverdacht zu berichten, solange dies ausgewogen geschieht. Das haben wir getan, im Text und auch auf dem Doppelcover des Magazins. Dort stellen wir dem Zitat einer der Frauen die Stellungnahme von Dieter Wedel entgegen.” Grundsätzlich meinen sie: “Verdachtsberichterstattung bei gesellschaftlich relevanten Themen muss möglich sein, sonst wäre der investigative Journalismus tot.”

Ob und inwieweit ihr Artikel gegen den Pressekodex verstoßen hat, wird nun der Presserat prüfen. In einem ersten Schritt schauen sich die Ethik-Experten erst einmal ganz genau die Beschwerde an und werden dann erst auf Grundlage dieser Prüfung entscheiden, ob ein Verfahren eröffnet wird. Wann diese Entscheidung fällt, ist derzeit noch unklar.

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