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Neue Wachstumshoffnung für Spiegel-Gruppe: Verlagschef Thomas Hass will in Medienfirmen investieren

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass, Änderung der Rechtsform als Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung von Print und Online: “Neue äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt”
Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass, Änderung der Rechtsform als Schritt auf dem Weg zur Verschmelzung von Print und Online: "Neue äußere Struktur, die uns zukünftig alle Möglichkeiten gibt"

Bislang hat Spiegel-Chef Thomas Hass auf Innovationen gesetzt, um zu expandieren. Doch die Strategie hat kaum Früchte getragen. Jetzt hat der Geschäftsführer eine Beteiligungsgesellschaft gegründet. Investitionen in Medienfirmen sollen dem Spiegel einen Wachstumsschub bescheren. Hilfe bei der Auswahl geeigneter Akquisitionsziele könnte Hass vom Mitgesellschafter G+J sowie Bertelsmann bekommen.

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Spiegel-Verlagschef Thomas Hass hatte vor drei Jahren ehrgeizige Wachstumspläne ausgerufen. Als Ziel gab der ehemalige Leiter des Vertriebsmarketings damals rund 20 Millionen Euro aus, die die Spiegel-Gruppe bis 2019 zusätzlich erlösen sollte. Dies wollte Hass mit einem breiten Strauß an Innovationen erreichen, um die unter schwindenden Vermarktungs- und Vertriebserlösen leidende Verlagsgruppe wieder auf Expansionskurs zu steuern.

Doch das Feuerwerk an geplanten Neuerungen zündete nicht immer wie erwartet. Die NRW-Beilage wurde eingestellt, die Einführung des Best-Ager-Magazins Spiegel Classic und Spiegel Fernsehen floppte. Und auch die digitale Abendzeitung Spiegel Daily, die als großer Hoffnungsträger für Qualitätsjournalismus im Web galt, erfüllte bisher nicht die Erwartungen der Geschäftsführung.

Dennoch bemüht sich Hass weiter um Wachstumsbringer. Er startete die Lifestyle-Beilage S-Magazin und das Gesundheitsprodukt „wohl“. Zudem sind dem Manager in diesem Jahr zusätzliche Einnahmen gewiss, weil Buchverlage und Händler ab Januar für das „Spiegel Bestseller“-Logo zahlen müssen. Und auch die Kooperation der Spiegel Akademie mit der SRH Fernhochschule könnte dem Verlag Geld in die Kasse spülen.

Jetzt soll das mittelständische Medienunternehmen aber vor einer größeren Wachstumsoffensive stehen. Der Grund: das Printhaus hat die Spiegel Beteiligungsmanagement GmbH gegründet, um sich im Mediensektor zu engagieren. „Die neue GmbH dient möglichen Beteiligungen an Unternehmen der Medienbranche“, erklärt eine Spiegel-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA. Ob Hass bereits konkrete Ziele im Blick hat, ist nicht bekannt. Fraglich ist auch, ob der Geschäftsführer Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligungen anstrebt. Sollte sich der Geschäftsführer jedoch mehrheitlich an Unternehmen engagieren, könnte er die erworbene Firma konsolidieren und damit den Umsatz der Spiegel-Gruppe schnell und leicht erhöhen.

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Wie groß allerdings die Kriegskasse der Spiegel-Gruppe für Akquisitionen ist, ist schwer zu ermitteln. Das Printunternehmen gibt kaum Zahlen heraus. Zuletzt publizierte der Verlag im Handelsregister die Bilanz für das Geschäftsjahr 2015. Dort wies die Gesellschaft einen Konzernumsatz von rund 279 Millionen Euro aus, der Jahresüberschuss wurde mit 6,64 Millionen Euro angegeben. Neuere Angaben sind im Bundesanzeiger nicht zu finden. Sollte Hass künftige Beteiligungen an Medienfirmen aus eigenen Kapitalmitteln finanzieren, stehen ihm hierfür wohl deutlich weniger als noch vor einigen Jahren zur Verfügung. Hohe Aufwendungen für Abfindungszahlungen an Mitarbeiter haben das Finanzpolster der Gruppe in der letzten Zeit wohl stark geschrumpft. So musste der Manager aufgrund des Ertragsdrucks in den vergangenen Jahren rund 150 Stellen abbauen. Hass schob daher eine Restrukturierung an, die unter dem Namen “Agenda 2018” bekannt ist. Sie soll im Frühjahr abgeschlossen sein.

Dass sich Hass an Medienfirmen engagiert statt neue Firmen zu gründen, ist unternehmerisch ein geschickter Schachzug. Der Geschäftsführer kann dadurch genau kalkulieren, welche Wachstumsaussichten der Neuerwerb birgt. Bei Eigengründungen hingegen müsste er zunächst mit einer längeren Anlaufphase rechnen. Allerdings ist ungewiss, ob das erdachte Geschäftsmodell überhaupt Früchte trägt. Denn der Spiegel kommt auf diesem Feld spät, womöglich zu spät.

Die Strategie des Verlagschefs ist in der Medienbranche weit verbreitet. Ob Axel Springer oder Bertelsmann – viele namhafte Medienunternehmen steigen bei Start-ups ein, um rasch vom Wertzuwachs der erworbenen Gesellschaft zu profitieren. Im Dezember hatte Springer hatte im November vergangenen Jahres angekündigt, nach 100 Startups keine weiteren jungen Firmen mehr durch den eigenen Inkubator Plug and Play zu fördern und statt dessen einen gemeinsamen Accelerator mit Porsche zu gründen.

Spiegel-Chef wird bei seinen Aktivitäten auf die Expertise im eigenen Gesellschafter-Umfeld setzen. Er könnte bei der Auswahl möglicher Einkaufsziele auf die Hilfe des Mitgesellschafters Gruner + Jahr und indirekt Bertelsmann hoffen. Beide Firmen gelten in der Start-up-Szene als bestens vernetzt. Sie dürften genau wissen, wo sich ein Einstieg lohnt.

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