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Neue Portal-Strategie: stern.de sperrt Adblock-Nutzer aus – außer, sie konsumieren einen Video-Werbespot

Sagen AdBlockern den Kampf an: Eva-Maria Bauch, Geschäftsführerin Products und stern.de-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier
Sagen AdBlockern den Kampf an: Eva-Maria Bauch, Geschäftsführerin Products und stern.de-Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier

Das Newsportal stern.de startet mit Kampfansage an AdBlock-Nutzer ins neue Jahr und blockiert Werbemuffeln nun ebenfalls den Zugriff auf seine Inhalte. Dabei greift das Gruner-Portal zu innovativen Methoden. Der AdBlocker darf unter einer Bedingung angeschaltet bleiben: Wenn die Nutzer einmal pro Stunde ein Werbevideo konsumieren. Damit unterscheidet sich die Strategie von der der Konkurrenz.

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Auch lässt stern.de die Anwender grundsätzlich noch auf eine Startseite zugreifen, während andere eine Vollsperrung vorgenommen haben. Der stern-Warnhinweis samt Sperre erfolgt erst auf den Artikelseiten. Dort heißt es dann:

Screenshot stern.de

Dabei drückt die Redaktion zunächst Verständnis für aktivierte AdBlocker aus, erläutert jedoch die wirtschaftliche Notwendigkeit, bevor sie potenziellen Lesern zwei Alternativen anbietet. Entweder Nutzer schalten die Software für die Gruner-Seite aus, oder sie konsumieren einen Werbe-Spot. In zweitem Fall dürfen sie im Gegenzug eine Stunde lang mit aktiviertem AdBlocker auf stern.de surfen.

Die Strategie, die seit September vergangenen Jahres schrittweise ausgerollt wurde, erklärt Eva-Maria Bauch wie folgt: “Die Installation von AdBlockern bedeutet nicht pauschal, dass Nutzer alle Formen von Werbung störend finden”, so die Geschäftsführerin von G+J Digital Products gegenüber MEEDIA. “Mit der sogenannten Video Compensation, in deren Rahmen Nutzer mit installiertem AdBlocker nach Wiedergabe eines Werbespots unser Angebot eine Stunde lang werbefrei nutzen können, passen wir die Werbeausspielung bei gewünschter Nutzung an. Anders als bei Autoplay – das sich an vielen Stellen für uns bewährt hat – steuern die entsprechenden Nutzer mit AdBlocker die Werbespots also gezielt an.”

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Die Nutzer – sollten sie weiter blocken – nun auszusperren, ist ein Strategiewechsel. Zuletzt hatte man Ad-Recovery-Technologien genutzt, um von Softwares zunächst ausgeblendete Werbemittel weiter ausspielen zu können, erklärt Bauch weiter. Ein aufwändiges Verfahren. Denn die Hersteller und ihre Communities, wie die des prominentesten Anbieters Eyeo mit AdBlock Plus, arbeiten kontinuierlich dagegen und entwickeln ihre Anwendungen weiter. Darüber hinaus setzte man bei stern.de auf Kommunikation, startete unter anderem eine Anti-AdBlocking-Kampagne.

Mit der Aktion soll Nutzungsrate der Softwares weiter gesenkt werden. Nachdem der Bundesverband Digitale Wirtschaft in den vergangenen Jahren sinkende Werte vermeldete, stieg die Nutzung in der Mitte vergangenen Jahres wieder an. Im August meldete der Branchenverband eine Quote von etwas über 20 Prozent bei Desktop-Nutzern. Mobil wird, auch aufgrund von Voreinstellungen in Browsern, in größeren Maße geblockt. Die Quote hatte sich hier zuletzt verdreifacht. Für stern.de beziffert Bauch eine zuletzt gesunkene AdBlock-Rate von aktuell 20 Prozent (Desktop).

stern.de ist das mittlerweile vierte große deutschsprachige Nachrichtenportal, das Nutzer der bei Verlagen unbeliebten Software aussperrt. Als erstes begann Bild AdBlocking zu blockieren, später folgten FAZ und Süddeutsche.de, das ebenfalls eine Alternative Strategie fährt. Dort dürfen Nutzer den AdBlocker weiterhin aktiviert lassen, wenn sie sich zuvor mit ihren persönlichen Daten registrieren. Ähnlich agierten bereits internationale Medienhäuser wie beispielsweise die Washington Post.

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Alle Kommentare

  1. Interessante Maßnahmen gegen Adblocker.
    Um das mal auszuprobieren habe ich Ublock Origin installiert. Es erschien aber weder bei Bild.de, FAZ.net oder SZ.de irgendeine Art von Hinweis. Auch bei Stern.de – Fehlanzeige.

    Um bereits gesetzte Cookies o.ä. als Ursache auszuschließen, habe ich einen anderen Browser installiert. Es hat aber nichts geändert.

    Ublock funktioniert soweit auch, da keine Werbung zu sehen ist.

    Da müssen wohl einige Mitarbeiter noch etwas nachsitzen.

    Screenshots: https://imgur.com/a/9hEaB

  2. Firmen, deren Werbung mich stört, verlieren mich als Käufer. Da bin ich ganz stur. Und Stern.de habe ich schon seit Jahren nicht mehr genutzt.

  3. stern.de besuchte ich 2017 lediglich 1 oder 2 x. 2017 werde ich stern.de ebenso wie sz.de, zeit.de etc nicht besuchen. Ich bin zahlender Leser von Guardian, Haaretz, New York Times, Washington Post. Deutsche Presse tue ich mir nicht an.

    1. Eine gute Entscheidung. Für Leser, die eine deutschsprachige Zeitung lesen wollen, empfiehlt sich die Neue Züricher Zeitung.

  4. So neu ist die Strategie nicht, allein das Marketing lauter. Auch andere Top-10-Agof-Seiten bieten den Deal Video-Ad gegen werbefreien Content.

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