Partner von:
Anzeige

Der Nächste bitte: Dr. von Hirschhausens Gesundheitsmagazin schreibt den Trend der Personality-Zeitschriften fort

TV-Arzt der Nation mit “eigenem” Magazin: Eckart von Hirschhausen ist neuer Titelheld von stern Gesund leben
TV-Arzt der Nation mit "eigenem" Magazin: Eckart von Hirschhausen ist neuer Titelheld von stern Gesund leben

Der Doktor kommt gleich ... dreimal: als Gesicht, Ideengeber und rasender Reporter eines runderneuerten Magazins aus dem Hause Gruner + Jahr. "DR. v. HIRSCHHAUSENS STERN GESUND LEBEN", so der einigermaßen sperrige Name, stellt den prominenten TV-Medizinexperten in den Markenmittelpunkt einer Zeitschrift, die zuvor eine über die Jahre schwächelnde Line Extension des stern war. Ein probates Rezept?

Anzeige

Die Frischzellenkur für den seit langem am Markt etablierten stern-Ableger Gesund Leben hat eine Vorgeschichte: Mit dem Personality-Magazin Barbara setzte Gruner + Jahr einen Trend im Zeitschriftenmarkt, dem inzwischen andere Häuser (z.B. der Jahreszeitenverlag mit dem Food-Titel Lafer) nacheifern. Die Formel Promi mit TV-Präsenz und gutem Image plus Magazin scheint auf dem immer engeren Zeitschriftenmarkt Potenzial zu haben. Nun ist Eckart von Hirschhausen an der Reihe, promovierter Mediziner und u.a. gelernter Journalist. Dass der 50-Jährige als Titelheld des zweimonatlich erscheinenden stern Gesund Leben antritt, wäre bei Parship wohl ein Perfect Match – schließlich hat der gebürtige Hesse seine redaktionelle Karriere beim stern gestartet, bevor er sich später, wie die Markenstrategen sagen würden, diversifizierte.

Bei Wikipedia wird der Medizinmann mit einem Bündel von Tätigkeiten geführt: als “deutscher Moderator, Mediziner, Zauberkünstler, Kabarettist, Comedian und Schriftsteller”. Diese Mixtur, das Thema Gesundheit mit Komödiantem zu verweben, ist im Land einzigartig und hat Eckart von Hirschhausen zu einem Massenseller von Büchern und DVDs gemacht. Dass er in TV-Talkshows zudem überaus gefragt ist, versteht sich da fast von selbst. Und er scheint omnipräsent, tourt 2018 mit seiner Bühnenshow durch die ganze Republik. Unter diesen Rahmenbedingungen scheinen die Voraussetzungen für den Launch eines Namensmagazins mehr als günstig.

Bei Gruner + Jahr haben sie aufgrund der bisherigen Erfahrungen offenbar ein sehr präzises Gefühl dafür entwickelt, welches Konzept mit welchem Promi am Lesermarkt funktionieren kann. Neben dem bereits etablierten Schöneberger-Frauentitel Barbara steht auch noch der Launch von “Joko” (Winterscheidt) bevor, eine Zeitschrift, die wie das jetzt erschienene Hirschhausen-Magazin ebenfalls von der stern-Mannschaft entwickelt wird. Ganz sicher ist die quirlige Zeitschriftenschmiede am Hamburger Baumwall, die in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Magazin-Neustarts aufwartete, unter den Wettbewerbern erste Adresse, wenn es Personality-Marken im Besonderen oder Print-Innovationen im Allgemeinen geht.

Dennoch stellt sich bei jedem einzelnen Projekt die Frage, ob das Konzept aufgeht und der Markt das Magazin annimmt. In diesem Fall gibt es das Heft schon lange, und die IVW-Zahlen zeigen, dass der prominente Mediziner aus Sicht des Verlags wie gerufen kam, als er seine Einwilligung zur publizistischen Liason mit Gesund Leben gab. Gegenüber 2012 haben sich die Einzelverkäufe halbiert, auch die Abozahlen gingen zurück. Aktuell meldet G+J den Titel laut Mediadaten mit einem Gesamtverkauf von 45.252 Exemplaren. Diesen Wert will man nun deutlich steigern. 200.000 Hefte beträgt die Druckauflage des ersten Magazins mit Eckart von Hirschhausen, der Copypreis wurde zugleich dauerhaft von 6,80 Euro auf 5 Euro gesenkt.

Dem angestrebten Mehrverkauf liegt die Kalkulation zugrunde, dass neue Zielgruppen für Gesund Leben erschlossen werden können. Bei Gruner ist man überzeugt, dass am Lesermarkt das Wartezimmer für Hirschhausens zweimonatliche Magazin-Visite prall gefüllt ist. Zu den Potenzialgruppen gehören Männer und Jüngere ab 30, die sich vom neuen Heft inspirieren lassen sollen – der Bestsellerautor hat in diesen Bereichen bekanntlich viele Fans. Die spricht von Hirschhausen auf dem Cover seiner Mittwoch erschienenen “Erstausgabe” direkt an: mit einer Titelgeschichte “Wie ich 10 Kilo verlor … und Sie das auch schaffen können”.

Coverstory zum Thema der Saison: Der Doktor berichtet in eigener Sache

Ein Diät-Titel zum Jahresstart? Einen Innovationspreis werden Gruner und der Protagonist damit definitiv nicht einheimsen, aber die Absicht, den Gesundheitsjournalismus neu zu erfinden, verfolgt das Magazin auch gar nicht. Es ist eher eine Frage der Ansprache, mit der sich Hirschhausens Gesund Leben vom Rest der Wohlfühltitel abhebt: Hier ist die menschliche Schwäche (die des Experten inklusive) quasi eingepreist; es gibt kein Von-oben-Herab oder die Illusion der einen wahren Lösung. So verwundert es nicht, dass dem Leser eine “intermittierende” Fastenkur anempfohlen wird, die auf Aussetzer in der Selbstmotivation Rücksicht nimmt. Und der Autor hat für Menschen im Frühjahrsfitnesswahn eine geradezu schockierende Botschaft: “Es gibt keine Diät, die langfristig wirkt.” In vielen Gesundheitsredaktionen würden solche Sätze sicherlich als kontraproduktiv und geschäftsschädigend aus dem Artikel gestrichen.

Anzeige

Für von Hirschhausen machen derartige Brüche offenbar gerade den Reiz aus, er sieht seine Kernkompetenz “in der ungewöhnlichen Vermittlung”. Sein Heft sei “humorvoller, relevanter, lebenspraktischer, lebensbejahender und vielfältiger”, sagt er mit Blick auf die vielen Konkurrenten am Kiosk: “Es ist nicht ein reines Wir-fühlen-uns-wohl-wir-machen-Yoga-Ding, wir sind alle im Flow und fühlen uns zu Hause kuschelig. Das wäre mir zu wenig. Und ich glaube, dass dieses Heft einerseits Tiefe hat und gleichzeitig gute Laune macht.” Der Bühnen-Profi will seinen Stil des medizinischen Kabaretts auf die Zeitschrift übertragen und mit stern Gesund Leben “ein modernes Wissensmagazin schaffen, ohne erhobenen Zeigefinger, kein reines Esogewäsch, keine Gefälligkeitstexte für Anzeigenkunden.”

Ein aufwändiges Special ist dem Thema Sehkraft gewidmet, aufgepeppt durch nützliches Wissen und einen Sehtest zum Rausnehmen

Ihm dürfte bewusst sein, dass solche Abgrenzungen von den Marktrivalen reichlich halbstark klingen, aber er weiß, dass zu einem Bestseller auch Marketing gehört. Und so legt er beim wunden Punkt etlicher Koryphäen im Segment noch nach: “Ich habe auch im Gegensatz zu vielen anderen öffentlich bekannten Menschen keinen einzigen Werbevertrag. Ich habe nie Wurstsalat oder sonstige Dinge in die Kamera gehalten und verzichte da auf eine ganze Menge Geld.” Seine Unabhängigkeit, die ihm ein “hohes Gut” ist, kann er durch mutigen Magazinjournalismus unter Beweis stellen. Dazu gehört es auch, aus einem gut gemachten, aber leider bislang auch ziemlich konventionellen Ableger des stern einen lebendigen Titel zu entwickeln. Das Premierenheft zeigt dafür Ansätze, lässt aber reichlich Luft nach oben. Auch die Vermarktung scheint ausbaufähig, zum Start finden sich abzüglich der üblichen Gegengeschäfte und Eigenanzeigen nur knapp zehn Seiten mit offenkundig bezahlter Werbung. Zum Jahresstart, branchenweit traditionell die Zeit der dünnen Hefte, sagt das allerdings nicht allzuviel aus. Aus dem Haus heißt es, man sei zufrieden mit der Resonanz der Werbetreibenden und blicke positiv auf die kommenden Ausgaben.

Und Eckart von Hirschhausen jedenfalls scheint es durchaus ernst zu sein mit seinem Magazin. Via Editorial bittet er sein Publikum um Feedback und liefert die persönliche E-Mailadresse (hirschhausen@stern.de) gleich mit. Der hohe Bekanntheitsgrad des Mediziners dürfte mindestens zum Start ein Garant für gute Verkäufe sein. Ob das Konzept, ein eher ernstes Thema lifestylig aufzupeppen, auch im Zeitschriftengeschäft langfristig aufgeht, wird sich erst mittelfristig seriös diagnostizieren lassen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die von Hirschhausen-Frischzellen-Therapie bei stern Gesund Leben anschlägt, scheint hoch.

 

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia