Partner von:
Anzeige

Streik bei DuMont und Heinen-Verlag: Rheinische Redaktionsgemeinschaft legt eine Woche lang die Arbeit nieder

koelner-stadt-anzeiger-koelnische-rundschau-2.jpg

Für die Rheinische Redaktionsgemeinschaft, ein Tochterunternehmen der Verlage DuMont und Heinen, startet das neue Jahr gleich mit einer Belastungsprobe. Am heutigen Dienstag sind große Teile der Belegschaft in den Streik getreten, um für einen Tarifvertrag zu kämpfen. Die Protestaktion ist dabei ziemlich ungewöhnlich: Sie ist die dritte ihrer Art und soll fast eine Woche lang andauern.

Anzeige

Die Arbeitnehmervertreter fordern von den Teilhabern der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG) einen Haustarifvertrag, der zugleich die Konditionen des allgemeinen Manteltarifvertrages beinhalten soll. DuMont und der Heinen Verlag hatten das Tochterunternehmen 2014 gegründet und dort ihre Ressourcen aus den Außenredaktionen des Kölner Stadt-Anzeigers und der Kölnischen Rundschau zusammengelegt. Die RRG zählt insgesamt rund 10o Angestellte, die über zehn Redaktionsstandorte im Rheinland verteilt arbeiten.

Mit einem neuen Haustarif wollen Gewerkschaften und Betriebsrat zukünftige Gehaltsgefälle vermeiden, heißt es. Beim Betriebsübergang hatte die RRG die Belegschaft zu alten, ordentlichen Konditionen übernommen. Neueinstellungen hingegen erfolgen tariflos. „Es geht darum, dass Beschäftigte innerhalb der RRG gleiches Geld für gleiche Arbeit erhalten und für alle dieselben fairen Arbeitsbedingungen herrschen – das ist im Augenblick absolut nicht der Fall“, erklärt Volkmar Kah, Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes in Nordrhein Westfalen. Die RRG erlebe derzeit einen “Generationenwechsel”, wie Regina Bappert, Vertreterin der Deutschen Journalisten Union von Verdi und Betriebsratsvorsitzende, ergänzt. Durch Renteneinstiege freigewordene Stellen würden nun günstig nachbesetzt.

Der einwöchige Protest sei die Konsequenz der bislang unbefriedigenden Gespräche, so Kah weiter. “Seit fast einem Jahr verschließt sich der Arbeitgeber in den Verhandlungen allen unseren guten Argumenten, um dieses Ziel zu erreichen. Jetzt wird er eine ganze Streikwoche lang erleben müssen, wie ernst es den Kolleginnen und Kollegen mit ihren berechtigten Forderungen ist.“

Wie schlecht es um das Verhältnis zwischen Belegschaft und Geschäftsführung bestellt ist, zeigt ein Betriebsratsschreiben aus dem vergangenen Monat. Darin hatten die Arbeitnehmervertreter ihre Kollegen über eine Betriebsversammlung informiert. Das Vorgehen der Manager wird darin als “Methode aus den Folterkammern der Schwarzen Pädagogik” beschrieben. Demnach würden immer wieder “fiese kleine Stinkbomben” platziert, die für Einschüchterung sorgen sollen. Dazu zählten Begriffe wie “Schließung von Redaktionsstandorten” oder “Modell Berlin”. Dort hatte DuMont im vergangenen Jahr die Belegschaften von Berliner Zeitung und Berliner Kurier gekündigt, um sie anschließend in einer neuen, außertariflichen Gesellschaft einzustellen.

Dem Unternehmen ist daran gelegen, den Kostenapparat möglichst gering zu halten, wie aus einem Schreiben der Geschäftsführung aus dem vergangenen November hervorgeht. Darin hatte es in Richtung der Belegschaft geheißen, grundsätzlich gesprächsbereit und offen für weitere Zugeständnisse zu sein – beispielsweise hinsichtlich Urlaubsgeld, Vereinbarungen für Altersteilzeit oder berufliche Fortbildungen. Allerdings heißt es auch: “In der Summe hat es für uns unverändert höchste Priorität, die Kostenbelastung für die RRG in einem Rahmen zu halten, der Ihre Lokalredaktionen in der derzeitigen Struktur zukunftsfähig hält.” Und: “Unsere Gesprächspartner haben uns deutlich gemacht, dass sie weiterhin an der vollständigen Anerkennung aller in ihrem Forderungspapier genannten Flächentarifverträge festhalten möchten. Wir haben erneut betont, dass eine derartige Kostenbelastung zwingend Umstrukturierungen und einen weiteren deutlichen Personalabbau nach sich ziehen würde. Ihnen ist bekannt, dass wir diesen Weg ausdrücklich nicht gehen möchten.”

Die Streikrunde ist die bereits dritte in den laufenden Verhandlungen. Ungewöhnlich ist der Streik vor allem wegen seiner Dauer. Trotz laufender Verhandlungen setzen die Mitarbeiter ihre Arbeit bis Montagmorgen um sechs Uhr aus und streiken damit fast eine gesamte Woche. Darüber hinaus beschert die Belegschaft ihrem Arbeitgeber nicht nur einen ruckelnden Start in das neue Jahr, sondern trifft ihn auch noch in der Urlaubszeit. Ziel ist es, dass die Redaktionen möglichst dünn besetzt sind. Die Gewerkschaften hatten 93 der 100 Angestellten zum Streik aufgerufen. Nach Gewerkschaftsangaben sind dem fast die Hälfte der Kollegen gefolgt. Zur Auftaktveranstaltung am Dienstag seien 40 Angestellte gekommen, ein weiterer großer Teil war aufgrund von Krankheit oder Urlaub verhindert.

Gegenüber MEEDIA erklärte ein DuMont-Sprecher, dass sich die Redaktion auf den Streik vorbereitet und “naturgemäß bei guter Planung über Inhalte” verfüge.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia