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Selbst Facebook gibt zu: Social Media kann unglücklich machen

Das Unbehagen gegenüber Facebook bleibt groß
Das Unbehagen gegenüber Facebook bleibt groß

Es ist eines der beherrschenden Themen des Internet-Jahres 2017: die große Social Media-Ernüchterung. Vor allem Branchenprimus Facebook stand in den vergangenen Monaten wegen der Verbreitung von Fake News stark in der Kritik. Das weltgrößte Social Network kreiere eine Gesellschaft, in der die Wahrheit mit Beliebtheit verwechselt werde, kritisierte vergangene Woche ein früherer Topmanager des Konzerns. Nun meldet sich der US-Internetriese mit einem Blogpost zu Wort – und gibt dabei zu, dass die Social Media-Nutzung unter Umständen unglücklich machen könne. 

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Das Bauchgefühl kennt wahrscheinlich jeder: Die lieben Social Media-Freunde nerven ganz gewaltig. Die Mittvierzigerin aus der Onlineagentur, die mit #WorkHardPlayHard-Hashtags täglich postet wie ein Teenie. Der fünfzigjährige Redaktionsleiter, der schließlich auch noch Facebooks Live-Feature entdeckt hat und seine Timeline nun mit nichtigen Streams überschüttet. Und natürlich Millennials, die Instagram und Snapchat täglich mit 50 Stories-Schnipseln zur Dauerwerbesendung ihres eigenes Egos machen. Schlicht furchtbar – und oft genug furchtbar peinlich!

Doch das Gefühl der Social Media-Ernüchterung hat sich in diesem Jahr verändert. Facebook und andere Social Networks nerven nicht nur fürchterlich und sind ungemeine Zeitkiller – sie haben auch schleichend maßgeblich unseren Lebensstil verändert, wie wissenschaftliche Studien bewiesen: zum Schlechteren.

Ehemalige Facebook-Mitarbeiter stoßen Debatte über Schattenseiten des Social Networks an

In den vergangenen Wochen haben zahlreiche ehemalige Facebook-Mitarbeiter eine Diskussion um die Schattenseiten des Social Networks angestoßen. Den Anfang machte im vergangenen Monat Facebooks erster Präsident Sean Parker, der das weltgrößte Social Network als „eine soziale Bestätigungsmaschine“ bezeichnete, die „Gott weiß was mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet.“

Chamath Palihapitiya, ab 2007 verantwortlicher Manager für das Nutzerwachstum des damals gerade mal drei Jahre alten sozialen Netzwerks, äußerte sich vergangene Woche auf einer Podiumsdiskussion an der Stanford Graduate School of Business unisono. „Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen“ , erklärte Palihapitiya, der heute den von ihm gegründeten Wagnisfinanzierer Social Capital verantwortet.

Facebook reagiert mit Blogbeitrag

Facebook fühlte sich offenkundig von der Kritik angesprochen und erklärte vergangenen Woche in einem Statement: „Chamath ist seit sechs Jahren nicht mehr bei Facebook. Als er bei Facebook war, waren wir darauf fokussiert, neue Social Media-Erfahrungen zu bauen und rund um die Welt zu wachsen. Facebook war damals ein ganz anderes Unternehmen. Wir sind gewachsen und unsere Verantwortung ist es auch.“

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Am Wochenende legte das Social Network mit einem Blogeintrag nach: „Schwierige Fragen: Ist das Zeitverbringen in den sozialen  Netzwerken schlecht für uns?“ fragen Facebooks Forschungswissenschaftler David Ginsberg und Moira Burke. Oberste Erkenntnis der beiden Wissenschaftler: es komme immer darauf an, wie man soziale Medien verwende.

Passiver Social Media-Konsum angeblich negativ

Überraschenderweise gesteht Facebook in dem Blogeintrag erstmals – wenn auch nur teilweise – ein,  dass die Nutzung des Social Networks unglücklich mache könne. „Wenn Nutzer im Allgemeinen eine Menge Zeit damit verbringen, Informationen passiv zu konsumieren – lesen, aber nicht mit anderen Menschen interagieren – geben sie an, sich schlechter zu fühlen als vorher“, schreiben Ginsberg / Burke mit Verweis auf Studien der Universitäten von Michigan, San Diego und Yale.

Wenig überraschend kommen die Facebook-Mitarbeiter zu dem Schluss, dass stattdessen eine hohe Interaktion auf dem Social Network glücklich(er) mache. „Aktives Interagieren mit Menschen – besonders der Austausch von Nachrichten und Kommentaren mit engen Freunden und das Erinnern an frühere Interaktionen – wird mit einem Anstieg des Wohlgefühls verbunden“,  beschreiben  Forschungswissenschaftler genau das Verhalten, das dem weltgrößten sozialen Netzwerk auch wirtschaftlich besonders zuträglich ist.

Am Ende gehe es Facebook darum, die Menschen weiter zusammenzubringen. „Wir haben nicht alle Antworten, aber angesichts der wichtigen Rolle, die Social Media nun im Leben der Menschen spielt, wollen wir dabei helfen, die Debatte zu vertiefen“, endet der Blogbeitrag.     „In den kommenden Jahren werden wir noch tiefer in diese Fragen vordringen, unsere Erkenntnisse teilen und unsere Produkte verbessern“, verspricht Facebook. „Am Ende des Tages sind wir entschlossen, Menschen zusammenzubringen und das Wohlbefinden durch bedeutende Interaktionen auf Facebook zu steigern.“

 

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