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MEEDIA-Wochenrückblick: der irritierende Israel-Fahnen-Verbrennen Service-Tweet von Jakob Augstein

Die “Tagesschau” erklärt Intifada, Barbara posiert vor ihrer Personality-Tapete, Morrissey, Jakob Augstein
Die "Tagesschau" erklärt Intifada, Barbara posiert vor ihrer Personality-Tapete, Morrissey, Jakob Augstein

Die eigentliche Leidtragende bei dem Streit zwischen dem Sänger Morrissey und dem Spiegel war die freie Mitarbeiterin, die das Interview führte. Jakob Augstein weist öffentlich auf die Straffreiheit vom Fahnen-Verbrennen hin. Deutsche Medien haben ein bisweilen seltsames Verhältnis zu Israel und Barbara Schöneberger macht jetzt auch in Tapeten. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Aufregung in Medienhausen gab es in dieser Woche so ein bisschen wegen dieses Morrissey-Interviews im Spiegel. Der als schwierig geltende Sänger hatte dem Nachrichtenmagazin ein Interview gegeben, in dem er kontroverse Aussagen in Serie vom Stapel ließ. U.a. zeigte er ein bisschen viel Verständnis für Kevin Spacey und erklärte frei von der Leber (Copyright: G.Oettinger), wenn er Donald Trump auf Knopfdruck töten könnte, dann würde er es tun, um der Sicherheit der Welt willen. Das Interview machte weltweit Schlagzeilen und wie das so ist, wurden diese dann auch ein wenig zugespitzt. Nun musste Morrissey auf einmal über sich lesen (zugespitzt natürlich), dass er Vergewaltigung ganz okay findet und Trump töten will. Das fand er dann nicht mehr so doll und er beschimpfte auf Facebook den Spiegel, bzw. wie Morrissey zu schreiben pflegt „Der Speigel“, dass dieser seine Aussagen nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben habe und nun würde er nie wieder mit einem Printmedium reden. Menno! Der Spiegel, Pardon: „Der Speigel“ veröffentlichte kurz darauf den Audio-Mitschnitt des Interviews, das die freie Mitarbeiterin Juliane Liebert geführt hat und siehe da: Das Magazin hatte den angry white man Morrissey durchaus korrekt zitiert. Die Sache bekam dann aber noch eine andere, unschöne Note. Jeder Journalist weiß, welche Pein es sein kann, eigene Interviews abzuhören. Print-Journalisten sind gemeinhin nicht die geschliffensten Sprecher, müssen sie auch nicht sein. Nun musste sich Juliane Liebert im Netz also allerhand Spot über ihre angeblich schlechten Englischkenntnisse anhören. Wie schäbig! Es gibt mit Sicherheit Medienschaffende im Dutzend da draußen, die schlechter Englisch sprechen als sie. Ich persönlich würde wohl tausend Tode sterben, müsste ich teils stammelnd geführte Audio-Interview-Mitschnitte vor aller Ohren vorführen. Juliane Liebert hat auf Twitter die richtigen Worte dafür gefunden:

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Da es offenbar keinen Knopf gibt, der Donald Trump tot umfallen lässt und Morrissey diesen dementsprechend auch nicht gedrückt haben kann, hat der allseits umtriebige US-Präsident seine Entscheidung treffen können, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Dieses weltsicherheitsmäßig bedenkliche Tun rief „Demonstranten“ auf den Plan, die nix Besseres zu tun hatten, als u.a. in Berlin unter lautem Genöle die israelische Fahne zu verbrennen. In gewissen Kreisen hat dieses Fahnen-Verbrennen ja eine unheilige Tradition. Was den Spiegel-Erben und -Kolumnisten Jakob Augstein nun dazu verleitet hat, auf Twitter explizit darauf hinzuweisen, dass das Verbrennen ausländischer Fahnen „nicht grundsätzlich verboten“ sei, weiß ich auch nicht.

Sonderlich glücklich scheint mir diese Einlassung aber nicht zu sein. Außer Augstein zielt darauf ab, es mal wieder in die Top-Ten-Liste der antisemitischen und anti-israelischen Verunglimpfungen des Jahres des Simon Wiesenthal Centers zu schaffen. Das ergäbe dann natürlich Sinn. Wenn auch keinen guten.

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Mit den deutschen Medien und ihrem Verhältnis zu Israel ist es ohnehin so eine Sache. Manchmal wundert man sich schon, wie da berichtet oder agiert wird. Zum Beispiel bei jener Geert Wilder-Doku des WDR, in der Aussagen von einer jüdischen Verschwörung Raum gegeben wurden (die Doku wurde nach Vorwürfen umgeschnitten). Oder man erinnere sich an das unwürdige Schauspiel um die Antisemitismus-Doku des WDR, die der Sender zuerst am liebsten in der Schublade verschwinden lassen wollte und bei der er sich später, zu Ausstrahlung durch öffentlichen Druck genötigt, jede Mühe gab, sie zu diskreditieren. Daran musste ich denken, als die „Tagesschau“ wegen der aktuellen Jerusalem-Frage auf Facebook berückend schlicht erklärte, was denn unter einer Intifada zu verstehen ist:

Die Definition ist zwar korrekt, aber so ganz nackig macht das ohne den berühmten Kontext, der im Falle der Intifadas ja durchaus blutig ist, schon einen, naja, komischen Eindruck. Die Bild hat noch einige Beispiele für den manchmal eher schrägen Umgang deutscher Medien mit Israel gesammelt.

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Wer glaubt, Barbara Schöneberger habe mit CD, Fleischsalat-Werbung und eigenem Magazin bereits das Ende ihrer Verwertungskette erreicht, irrt gewaltig. So flatterte just diesen Freitag eine Pressemitteilung folgenden Inhalts ins Haus:

Seien Sie mit dabei, wenn Barbara Schöneberger am 10.01.2018 um 16 Uhr auf der Messe Heimtextil zusammen mit der Tapetenfabrik Rasch ihre brandneue Tapeten- und Stoffwelt vorstellt. Wir laden Sie dazu ein, Deutschlands beliebtestes TV- und Pressegesicht persönlich zu treffen.

Das beliebteste TV- und Pressegesicht hat jetzt also auch eine eigene Tapete. Aber keine Angst, so schlimm, dass sie ihr eigenes Gesicht auf die Tapete pressen würde, ist sie dann doch nicht. Auf zur Tapetenfabrik Rasch! Wobei … “Pressegesicht”. So richtig nett klingt das nicht, oder?

Aber vorher noch einen schönen dritten Advent!

PS: Im Podcast „Die Medien-Woche“ reden mein Kollege Christian Meier von der Welt und ich diesmal darüber, wie die KEF den Finanzbedarf von ARD und ZDF kleiner rechnet, was es mit den fehlenden Frauen beim Reporterpreis auf ich hat und ob heute noch jemand Musikfernsehen braucht. Viel Spaß beim Reinhören!

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