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Netflix-Hit “The Crown”: Als hätte Dickens Regie geführt – die zweite Staffel der brillanten Queen-Historie

The Crown 2: Eine der bislang prestigeträchtigsten Netflix-Produktionen
The Crown 2: Eine der bislang prestigeträchtigsten Netflix-Produktionen Foto: © Netflix / YouTube

Am Wochenende startete bei Netflix eine der prestigeträchtigsten Serien des Jahres: Die zweite Staffel des Historiendramas "The Crown" rund um das bewegte Leben der britischen Königin Elizabeth II. Rund 200 Millionen Pfund soll Netflix die Produktion der knapp zehn Stunden langen zweiten Staffel gekostet haben – ein Investment, das jeden Penny wert ist. "The Crown" ist ganz großes Art House-Kino der alten Schule, das wie bislang kaum eine Serie von den Freiheiten des Streaming-Zeitalters profitiert. MEEDIA-Autor Nils Jacobsen hat royales Binge-Watching betrieben.

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Adel verpflichtet. Aber lässt sich mehr als ein halbes Jahrhundert britischer Monarchie, die Heerscharen von Historikern beschäftigt hat, auch ins schnelllebige Streaming-Zeitalter transportieren, ohne zwischendurch das auf Krimi-Plots versessene Millennial-Publikum zu verlieren?

Das ist die Multi-Millionen-Dollar-Frage, die in Los Altos irgendwann beantwortet werden muss. Im vergangenen Jahr wagte Netflix mit “The Crown” das Risiko einer sündhaft teuren Art House-Produktion rund um das Leben von König Elizabeth II., die im Grunde vollkommen an der Zielgruppe vorbeigeht.

Opulente Inszenierung, die genossen, nicht verschlungen werden will

“The Crown” ist die ultimative Anti-Streaming-Serie: Sie ist relativ spannungsarm, weil der Plot anhand zeitgeschichtlicher Ereignisse weitgehend bekannt ist und verzichtet ebenso auf schnelle Schnitte wie auf Cliffhanger-Enden – was wenig überraschend dazu führte, dass die erste Staffel von “The Crown” “genossen” statt “verschlungen” wurde.

Auf der anderen Seite ist es gerade diese Abwesenheit des Drama-Kinos, die “The Crown” enorme Freiheiten verleiht – im Storytelling als auch der großzügigen Inszenierung. Kostüme und historische Kulissen glänzen wie in einer Baz Luhrmann-Produktion à la “Der Große Gatsby” – opulent wäre noch eine Untertreibung.

Vor allem jedoch das unaufdringliche, aber detailreiche Storytelling brilliert. Spätestens seit “Mad Men” hält sich das Bonmot des “Goldenen Zeitalters des Fernsehens”, das aufgrund der neuen Format-Freiheiten zum “Roman des 21. Jahrhunderts” werde.

Was bei vielen Serien an schwachen Drehbüchern mit einfallslosen Dialogen und blassen Charakteren scheitert, wird bei “The Crown” zu einem immer dichteren Plot verwoben – viele Folgen sind so gut auserzählt, dass sie auch als eigenständiger Film bestehen könnten.

Dass Claire Foy der Queen als mitfühlende, lernwillige, am Ende aber immer der britischen Monarchie verpflichtete Herrscherin ein modernes Gesicht verleiht, ist fraglos die halbe Miete der angeblich 200 Millionen Pfund teuren Bombast-Produktion.

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Es sind indes die vermeintlichen Nebenfiguren, die “The Crown” eine zweite und dritte Dimension verleihen. In der ersten Staffel avancierte Winston Churchill zum heimlichen Star, diesmal bekommen zwei der wichtigsten Menschen von Elizabeth II. ihren Moment in der ersten Reihe – Gemahl Prinz Philip (gespielt von Matt Smith)  und ihre schwierige Schwester Margaret (Vanessa Kirby).

Nachdem die erste Staffel im Vorjahr noch Elizabeths Jugend, die Zeit ihrer überraschenden Thronbesteigung mit nur 26 Jahren und die schwierige Anpassungsphase an die Bürde der Krone gezeigt hatte (“The Crown must always win”), stehen in der zweiten Staffel vor allem private Krisen im Vordergrund.

Turbulente 50er-Jahre im Buckingham Palace

Es knirscht im Buckingham Palace zwischen dem Königspaar mehr als es knistert: Prinz Philip, seinerzeit noch Duke of Edinburgh, führt Mitte der 50er-Jahre ein Leben als “Freigeist”, der im fragwürdigen “Thursday Club” verkehrt – und von der Königin, halb als Strafe, halb als Ansporn, auf eine fünfmonatige Auslandsreise in die entlegensten Nationen des britischen Commonwealth geschickt wird.

Nach wenig vorteilhaften Gerüchten empfängt ihn seine Gemahlin zu Hause jedoch eisig: “Deine Ruhelosigkeit muss der Vergangenheit angehören”, versucht Elizabeth II. die schwelende Ehekrise, die die britische Monarchie zu erschüttern droht, im Keim zu ersticken.

Das gilt in gewissem Maße auch für die Männerwahl von Prinzessin Margaret: Nachdem Elizabeth II. ihrer jüngeren Schwester in den 50er-Jahren noch die Heirat ihrer großen Liebe wegen der königlichen Etikette verwehrt hatte, revanchiert sich die “Party-Prinzessin” 1960 mit der Verlobung mit dem skandalumwitterten Promi-Fotografen Anthony Armstrong-Jones.

Die wilden 60er-Jahre werfen ihren Schatten voraus: Der Wandel der Zeit scheint auch das Königshaus zu erreichen. Ganz nebenbei führt Regisseur Peter Morgan durch die Phase der Entkolonialisierung des britischen Königreichs, das in der Suez-Krise und in Afrika zunehmend gedemütigt wird und in der Weltpolitik immer weiter an Bedeutung verliert.

Auch die zweite Staffel von “The Crown” brilliert mit Charakteren, die einem Dickens- oder Tolstoi-Roman entsprungen sein könnten, als modernes Historienepos ohne den Muff einer Geschichtsstunde. “God save the Queen”: Möge Netflix das Leben der Royals in vier weiteren Staffeln kinematografisch verewigen!

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