Anzeige

“Vier sind zu viel”: ZDF-Intendant Bellut fordert weniger Moderatoren bei Kanzler-Duellen im TV

Zeit-Interview mit ZDF-Intendant Thomass Bellut: "Habe noch keine einzige Klage gehört, wir würden mit unserem Angebot im Netz Geschäftsmodelle zerstören" Foto: ZDF/Benno Kraehahn

Es ist eine Art von Jahresbilanz: Mit der Zeit sprach ZDF-Intendant Thomas Bellut über die großen Themen der vergangenen Monate. So wurde die Gefahr durch Netflix & Co. thematisiert, genauso wie der Nordkorea-Vergleich von Mathias Döpfner in Richtung der ARD, wie auch das verkorkste TV-Duell zwischen Martin Schulz und Angela Merkel.

Anzeige

Zu der Kritik an der Politik-Debatte sagt der Sender-Chef, dass ihm “ein Dull lieber , als kein Duell” gewesen war. Für die fade Dramaturgie könne man nichts, weil es sonst gar keine TV-Debatte gegeben hätte. Die wollte offenbar Angela Merkel genau so, wie das Streitgespräch dann auch lief.
Für die misslunge Themensetzung müssen sich die am Duell beteiligten Sender jedoch sehr wohl der Kritik stellen. So wünscht sich Bellut für das nächste TV-Duell weniger Fragensteller. “Vier sind zu viel, wir haben uns zwei Moderatoren gewünscht. Ich hätte mir auch vorstellen können, ARD und ZDF losen, wer es macht.”
Zu der Kritik der Medienhäuser an den öffentlich-rechtlichen Sender und dabei vor allem an der ARD sagte Bellut: “Ich habe noch keine einzige Klage von einem Verleger oder Chefredakteur gehört, wir vom ZDF würden mit unserem Angebot im Netz Verlagsangebote konterkarieren, Geschäftsmodelle zerstören. Springer-Chef Matthias Döpfner hatte den Öffentlich-Rechtlichen zum Vorwurf gemacht, sie würden Gebührenmilliarden missbrauchen, um den Zeitungsverlagen in Deutschland Schritt für Schritt die Existenzgrundlage zu entziehen.
Allerdings hatte Döpfner bei seinem verbalen Rundumschlag gegen die Öffentlich-Rechtlichen das ZDF ausdrücklich für dessen Digitalkonzept gelobt. Intendant Bellut erklärte dazu: „Als ich hier Intendant wurde, habe ich zahlreiche Gespräche mit Verlegern geführt, auch mit Herrn Döpfner, und ich kenne die Interessen. Wir haben uns in den Textbeiträgen auf unserer Internetseite zurückgenommen, was sich nicht immer positiv auf unseren Erfolg auswirkt.”
Damit sagt der Intendant indirekt auch, dass es bei dem Streit vor allem um die ARD geht. In diese Richtung ist es wohl auch zu verstehen, wenn Bellut weiter anmerkt: “Ich bin davon überzeugt, dass für alle öffentlich-rechtlichen Sender das Bewegtbild die Zukunft ist. Darin sind wir besser als alle anderen. Und darauf konzentrieren wir uns.”

Anzeige