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Gegendarstellung von Boris Becker auf der Titelseite: Bild wehrt sich mit Vorab-Bericht gegen Gerichtsentscheid

Bild-Chefredakteur Julian Reichelt

Die Bild muss am Samstag eine Gegendarstellung von Boris Becker veröffentlichen. Es geht um die Frage, ob dieser sein Elternhaus „verpfändete“, wie Bild behauptet hat. So weit für Medienkenner nichts Ungewöhnliches, auch wenn es das Blatt mit dem Abdruck auf der Titelseite empfindlich trifft. Neu ist ein Schachzug, mit dem die Zeitung der Gerichtsverfügung begegnet: eine proaktive Berichterstattung am Vortag der „GeDa“.

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In einem für Bild-Verhältnisse recht langen Text legen die Berliner noch einmal ihre Argumente dar. Zudem lassen sie im Rahmen der Vorberichterstattung (Headline: „Darum muss Bild diese Gegendarstellung drucken“ noch einmal den bekannten Medienanwalt Matthias Prinz, Sohn des ehmaligen Bild-Chefredakteur Günter Prinz, die Rechtslage erklären. Der Hamburger Jurist im Professoren-Rang hat die zahlreiche Promis gegen Medien vertreten und mit den aufsehenerregenden „Caroline-Urteilen“ und hohen Rekord-Schmerzensgeldern für Angehörige des Königshauses von Monaco Prozessgeschichte geschrieben. Nun bricht er eine Lanze für das Boulevardblatt – auch das ist bemerkenswert.

Hintergrund des aktuellen juristischen und publizistischen Schlagabtausches ist die Bild-Schlagzeile vom 19. Juli 2017. Damals hieß es: „Boris verpfändete auch das Haus seiner Mutter!“.
Gegen diese Headline setzte der Tennisstar nun eine Gegendarstellung durch, in der es heißen wird: “Becker stellt hierzu fest: „Ich habe das Haus meiner Mutter nicht verpfändet.“”
Was die Boulevard-Profis dann machen, ist jedoch ein juristisch interessanter Kniff. Die Redaktion bereitet ihre Leser schon heute auf die morgen erscheinende Gegendarstellung vor und dürfte sich davon erhoffen, die Deutungshoheit behalten zu können – denn man scheint überzeugt, mit der damaligen Headline in der Sache richtig zu liegen. So heißt es:

Wir möchten Ihnen als Leser bereits heute erklären, weshalb diese Gegendarstellung irreführend ist: Sie erweckt den Eindruck, als sei alles in Ordnung mit dem Haus, in dem Beckers Mutter weiterhin wohnt. Als habe ihr Sohn die Immobilie nicht als Sicherheit eintragen lassen, zur Deckung von Schulden – umgangssprachlich „verpfändet“.

Weil der Gläubiger das Haus als Sicherheit jedoch nie ins Grundbuch hat schreiben lassen, könne man juristisch gesehen jedoch nicht von „verpfändet“ sprechen. Deshalb gingen die Becker-Anwälte gegen das Boulevard-Blatt vor.
Die Bild sieht sich also im Recht, aber trotzdem gezwungen, am Samstag die Gegendarstellung zu bringen. Dazu befragen die Berliner dann gleich noch einmal Matthias Prinz, der – diesmal als Sachverständiger für die Rechtslage – bestätigt, dass man nicht beweisen müsse, ob eine Berichterstattung unwahr war, um eine Gegendarstellung zu beanspruchen.
Zudem will die Bild noch wissen, ob die Zahl der Gegendarstellungen grundsätzlich zugenommen hätte. Prinz antwortet: „Früher erschienen Gegendarstellungen ganz klein und unauffällig irgendwo in der Zeitung. Heute ordnen die Gerichte häufig den Abdruck an gut sichtbarer Stelle an. Dadurch sind Gegendarstellungen sowohl sichtbarer als auch reizvoller geworden.“
Bild fragte Promi-Anwalt Prinz zudem, ob es denn aus seiner Sicht strategisch sinnvoll wäre, auf das Mittel der Gegendarstellung zu setzen. Prinz rät zur Vorsicht, damit “man kein Eigentor schießt”. Man müsse sich vorher fragen, ob man den Sachverhalt “ein weiteres Mal prominent veröffentlicht und in den Medien diskutiert sehen möchte.“
Die Botschaft der Bild in diesem Fall ist klar. Der Preis für die durchgesetzte Gegendarstellung ist, dass jetzt in Deutschland erst recht noch einmal über Boris Becker und das Haus seiner Mutter diskutiert wird.
 
Update (15:00 Uhr):
Gegenüber MEEDIA wies Boris Beckers Medienanwalt Oliver Moser darauf hin, dass im Falle des Rechtsstreits mit der Bildzeitung bezüglich des beanstandeten Formulierung nicht nur eine Gegendarstellung im Raum stehe, sondern zudem vom Landgericht Berlin eine Einstweilige Verfügung erlassen worden sei. Gegen diese sei Axel Springer bislang nicht vorgegangen.

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