Anzeige

Sie sagten, Herbert Grönemeyer habe sie geschlagen: Staatsanwalt klagt Paparazzi wegen Falschaussage an

Herbert Grönemeyer

Im Jahr 2014 erregte der Vorfall große Aufmerksamkeit: Zwei Fotografen beschuldigten Herbert Grönemeyer, er habe sie körperlich attackiert und einen von ihnen mit einer Tasche geschlagen. Als Beweis lieferten sie eine Videoaufnahme. Der Fall beschäftigt noch immer die Justiz. Am Landgericht in Köln hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Nicht aber gegen den Sänger, sondern gegen die Fotografen.

Anzeige

Die Staatsanwaltschaft hat den Vorgang gegenüber MEEDIA bestätigt, die Anklage wurde bereits im September eingereicht. Die Ermittlungen gegen die Fotografen dauerten seit Mitte des Jahres 2015 an, vor Gericht werden sie sich nun gegen den Vorwurf falscher Verdächtigung und uneidlicher Falschaussage verantworten müssen. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.
Die Fotografen hatten behauptet, der Popsänger sei ihnen gegenüber im Dezember 2014 am Flughafen Köln/Bonn ausgerastet, habe sie attackiert und mit einer Tasche geschlagen. Einer der beiden Paparazzi, die für die bekannte Fotoagentur Hans Paul Media im Einsatz waren, hatte daraufhin sogar Anzeige erstattet. Belegt werden sollte die Tat mit einem Video, das nach dem Vorfall über die Medien weiterverbreitet worden war – unter anderem berichteten das Portal VIP.de aus dem Hause RTL sowie die Bild.
Das Video war so geschnitten, dass der Auslöser für den tatsächlich vorhandenen Ausraster nicht deutlich geworden war. Grönemeyer machte später deutlich, dass er die Fotografen nicht grundlos anging, sondern weil sie sich penetrant ihm gegenüber sowie seiner anwesenden Freundin wie auch seinem Sohn verhalten hätten. Damit sah er die Privatsphäre seiner Familie verletzt.
Einige Monate später deutete sich dann eine Wende an: Die Staatsanwaltschaft Köln nahm Ermittlungen gegen die beiden Fotografen auf. Der Verdacht: Sie hätten Grönemeyer eine Falle gestellt. Wie damals der Spiegel berichtete, legt ein Gutachten nahe, dass der Sänger die Fotografen mit seiner Tasche „aller Wahrscheinlichkeit nach“ gar nicht am Kopf berührt habe. In einem zweiten Gutachten eines Mediziners wurden „erhebliche Zweifel an der vorgetragenen Entstehungsgeschichte der Verletzungen“ geäußert. Außerdem sollen die Fotografen Bildmaterial zurückgehalten haben, das den Sänger hätte entlasten können. Während der Ermittlungen wurden auch die Wohnungen der Paparazzi durchsucht.
In der Zwischenzeit setzte sich Herbert Grönemeyer mit seinem Anwalt Christian Schertz auch auf zivilrechtlicher Ebene gegen die Berichterstatter des Vorfalls zur Wehr. Im Sommer dieses Jahres hatte die Pressekammer des Landgerichts in Köln Medien der Häuser Bauer, Burda und Axel Springer die Wort- wie auch Bildberichterstattung über den Vorfall untersagt. In der Presse wurden unter anderem Details über den Vorfall verbreitet und angeblich durch Grönemeyer verursachte Verletzungen beschrieben. Burdas Bunte sollte nach Gerichtsbeschluss zudem eine Gegendarstellung veröffentlichen.
Die Verlage hatten das Urteil verständnislos aufgenommen. Mittlerweile haben alle drei Medienhäuser die Berufung eingelegt. In diesem Fall wird die zivilrechtliche Auseinandersetzung vor dem Oberlandesgericht in Köln weiter ausgetragen. Dieses hatte in einem anderen Verfahren bereits die Weiterverbreitung des Videomaterials der Fotografen untersagt.

Anzeige