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Interessenkonflikt beim DJV? SPD-Pressesprecherin neues Vorstandsmitglied im Journalisten-Verband

Der Deutsche Journalisten Verband wählte einen neuen Vorstand. Bei einer Position gibt es nun eine Debatte um einen möglichen Interessenkonflikt
Der Deutsche Journalisten Verband wählte einen neuen Vorstand. Bei einer Position gibt es nun eine Debatte um einen möglichen Interessenkonflikt

Am Wochenende wählten die Delegierten des Deutschen Journalistenverbandes einen neuen Vorstand bzw. bestätigten einige Mitglieder, die bereits im obersten Aufsichtsgremiums des Verbandes saßen. Neu ist dagegen Anne Jacobs als Beisitzerin - keine unumstrittene Personalie. Denn: Die Berlinerin arbeitet nicht in einer Redaktion, sondern ist Pressesprecherin der SPD-Landesgruppe Bayern. Liegt hier ein Interessenkonflikt vor?

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Dies ist eine durchaus verzwickte Frage. So ist es grundsätzlich eine der wichtigsten Funktionen der Presse, als vierte Gewalt das Handeln der Politik zu beobachten, einzuordnen, Fehl-Entwicklungen zu enthüllen und somit  auch zu kontrollieren. Also gehört es auch zu den Aufgaben einer Journalisten-Gewerkschaft, ihre Mitglieder genau bei diesem Job zu unterstützen und zu schützen.

Der Brot-Job der neuen DJV-Funktionärin als Pressesprecherin der SPD besteht eben auch manchmal darin, auf der anderen Seite als die politischen Journalisten zu stehen.

Nach der Wahl der Berlinerin, die vor ihrem Job als Pressesprecherin nicht in einer Redaktion, sondern in der Kommunikationsagentur Menschen für Medien arbeitete, erreichten MEEDIA gleich mehrere Hinweise auf diesen möglichen Interessenkonflikt.

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Der Verband sieht auf MEEDIA-Nachfrage keinen Interessenskonflikt: “Anne Jacobs hat kein politisches Mandat, sondern macht als Journalistin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die bayerischen Abgeordneten der SPD-Bundestagsfraktion.” Nach der Logik der Gewerkschaft ist “das Auftragskommunikation”, zudem habe sie keine “politische Entscheidungskompetenz”.

Mit anderen bekannten Pressesprechern aus dem Politik-Betrieb lasse sich die Position von Jacobs nicht so einfach vergleichen. So würde die DJV-Argumentation beispielsweise nicht für Regierungssprecher Steffen Seibert gelten. Obwohl dieser tatsächlich aus dem Journalismus kommt, fungiert er mittlerweile im Rang eines Staatssekretär und ist damit Teil der Bundesregierung.

Anne Jacobs wollte sich zu dem möglichen Interessenskonflikt gegenüber MEEDIA nicht äußern und verwies lediglich auf die Stellungnahme des Verbandes.

Grundsätzlich zeigt der Fall, dass auch die Journalisten-Gewerkschaften unter dem sich wandelnden Berufsbild bzw. Job-Realitäten vieler Journalisten in gewisse Definitions-Nöte geraten. So stellen sich unweigerlich die Fragen: Ab wie viel “Auftragskommunikation” ist man noch Journalist und ab wann hauptberuflicher Pressesprecher? Wie viel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sollten Journalisten überhaupt nebenbei oder gar hauptsächlich machen? Die Debatte um den neuen DJV-Vorstand zeigt, wie sehr längst das journalistische Job-Verständnis in Bewegung geraten ist.

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Alle Kommentare

  1. Wenn man den journalistischen Teil und den der bezahlten Öffentlichkeitsarbeit ordentlich und konsequent und vorallendingen transparent vom journalistischen Arbeiten trennt, stellt es aus meiner Sicht kein Problem da. Jeder weiß, für wen ich Öffentlichkeitsarbeit mache. Und jeder weiß, dass ich NIEMALS über meine Auftraggeber bzw. das von ihnen vertretende Gebiet journalistisch schreibe.

    Sehr problematisch finde ich es, wenn Kollegen das alles versteckt machen und “mal eben was lancieren” und verquicken. Dann werden wir angreifbar und unglaubwürdig.

  2. “Brot-Job” sagt doch schon alles: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Eine SPD-Lobbystin im Vorstand, unglaublich was sich da beim DJV abspielt.

  3. Hans Werner Conen aka Sara Reichenstein und Burkard Schröder, Ihr habt hier bei meedia bereits kommentiert und lest hier sicherlich weiterhin mit, was habt Ihr als “beste Freunde” des DJV dazu zu sagen?

  4. Zwar habe ich die Kollegin nicht gewählt, weil sie mich nicht überzeugt hat. Aber ich finde, wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Jacobs hat einen Teilzeitjob als Pressefrau der bayerischen (!) Landesgruppe der SPD im Bundestag und ist bei uns auch nur Beisitzerin. Da verfügt die deutsche Rest-Sozialdemokratie dann doch über ein paar mächtigere Persönlichkeiten im deutschen Gewerkschaftswesen.

  5. Liebe Meedias,
    seid Ihr eigentlich sicher, dass das Klaus Brinkbäumer geschrieben hat? DER Brinkbäumer? Schaut Euch mal seine IP an.

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