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#trending: Oktoberfest, Nikab, Rasenmähen am Weißen Haus, Merkels “Kinderpressekonferenz” und Marcelo Rezende

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Guten Morgen! Ich bin ja schon lang der Meinung, dass man weniger Politiker in politische Talkshows einladen sollte. Die besseren Analysen mit weniger Krawall und Phrasen gibt es fast immer, wenn keine aktiven Akteure dabei sind. So auch gestern Abend bei "Anne Will" - u.a. mit Frank Richter, Bernhard Pörksen und Thea Dorn.

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#trending // News & Themen

Ein Lieblings-Aufreger-Thema der Deutschen sind die Bierpreise auf dem Oktoberfest. In jedem Jahr gibt es großflächig in zahlreichen Print-, Web-, Audio- und Videomedien Berichte, wie viel teurer die Maß Bier nun schon wieder geworden ist. Focus Online punktete nun mit einer Story über alle anderen Preise auf dem Oktoberfest: ein Hugo 15,50 Euro, eine Flasche Sekt 42 Euro, eine Scheibe Brot mit Butter 5 Euro und ein Eisbecher 15 Euro. Der Oktoberfest-Besucher regt sich auf – und der -Nicht-Besucher staunt. Oder wie die Focus-Online-Autorin schreibt: “Jetzt wird auch klar, warum der Alkohol auf der Wiesn so wichtig ist. Anders kann man diese Preise wohl echt nicht mehr ertragen”. Der Artikel sammelte am Sonntag 16.200 Interaktionen bei Facebook und Twitter ein – so viele wie kein deutschsprachiger journalistischer Text an dem Tag.

Am Samstag war das Top-Thema in den sozialen Netzwerken ein Fall aus Belgien: Eine Dänin, die mit Nikab aus Tunesien zurück nach Dänemark reisen wollte und in Brüssel zwischen landete, wollte bei einer Passkontrolle ihre Verschleierung nicht ausziehen – obwohl die Kontrolle in einem abgetrennten Raum ohne Männer stattfand. Folge: Belgien schickte die Frau nach Tunesien zurück. Auf den ersten drei Plätzen der Samstags-Social-Media-News-Charts fanden sich ausschließlich Artikel zu diesem Thema – von Spiegel Online, der Welt und Focus Online.

Zum Aufreger wurde der Fall u.a. auf üblich verdächtigen Facebook-Seiten wie “Lügenpresse”, “AfD Freunde Kinzigtal” oder “BadenWürttemberg freiheitlich-patriotisch-traditionsbewusst”. Kommentare lauteten dort z.B.: “Richtig so hoffe das das auch bald in Deutschland so gehandhabt wird” oder “Finde das gut, finde nur Traurig das andere Länder uns zeigen müssen wie man es richtig macht” oder “Endlich macht mal jemand was und zieht es durch Respekt!!!”. Problem: Als Beispiel dafür, was in Deutschland nach Meinung mancher falsch läuft, taugt dieses Beispiel nun gar nicht. Denn: “Bei der Passkontrolle nimmt eine Kollegin die Burka-Trägerin mit in die Wache, wo keine männlichen Kollegen anwesend sind. Es muss zweifelsfrei festgestellt werden, dass die Reisende mit der Person auf dem Lichtbild übereinstimmt.

#trending // Social Media

Der Social-Media-Star der USA hieß am Wochenende Frank Giaccio. Der 11-Jährige sorgte für Ablenkung von den jüngsten Naturkatastrophen und allen politischen Diskussionen. Wie er das schaffte? Er mähte den Rasen des Weißen Hauses. Berichten zufolge hatte er im Alter von 10 Jahren einen Brief an den Präsidenten geschrieben und seine Dienste angeboten – Trump persönlich lud ihn nun zum Rasenmähen ein. Ein Foto von der Aktion, das Fox News veröffentlichte, sammelte allein auf Donald Trumps Facebook-Seite über 450.000 Likes & Co. ein, bei Fox News weitere 370.000. Sechsstellige Interaktions-Zahlen gab es zudem für Posts von ABC NewsGlobal News aus Kanada und einen weiteren von Fox News.

Thank you Frank!

Posted by Donald J. Trump on Freitag, 15. September 2017

#trending // Wahljahr 2017

Eine ungewöhnliche Fragerunde mit Angela Merkel sorgte am Sonntag mit über 14.500 Likes & Co. für den Interaktions-reichsten Facebook-Post eines Politikers oder einer Partei. Im Rahmen einer “Kinderpressekonferenz” beantwortete Merkel ausschließlich Fragen von Kindern. Ich möchte nicht sagen, dass die Kinder bessere Fragen gestellt haben als die Journalisten von ARD, ZDF & Co., bei denen die Spitzen-Politiker derzeit täglich auftreten, aber zumindest wurden deutlich mehr Zukunftsfragen gestellt als im TV-Duell. Themen wie die Energiewende, der Klimawandel, Elektroautos, Plastikmüll und Bildung. Insgesamt eine unterhaltsame (“Wann haben Sie einen Wackelzahn bekommen?”) und durchaus sehenswerte Stunde – auch für Erwachsene. Fragen zum Thema Flüchtlinge, Islam, Integration, etc. gab es übrigens genau eine. Eltern wissen: Kinder interessiert nicht, woher jemand kommt.

Jetzt startet die Kinderpressekonferenz mit Angela Merkel im begehbaren Programm der CDU. /Redaktion

Posted by Angela Merkel on Sonntag, 17. September 2017

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#trending // Entertainment

Was ich immer wieder erstaunlich finde, ist die Tatsache, wie viel Geschäft die Entertainment-Industrie mit Produkten macht, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Schaut man sich die aktuellen Amazon-Charts an, so finden sich in der Musik-Top-Ten sechs CDs, die noch nicht erschienen sind, bei den DVDs und Blu-rays fünf und in der Games-Top-Ten sogar acht. Hat man sich früher vielleicht ab und zu mal etwas vorbestellt, ist es in Zeiten des Online-Shoppings zum Normalzustand geworden. Nichts ist älter als das Videospiel, die DVD oder das Musik-Album, die/das heute erscheint.

#trending // Worldwide

Wäre es möglich, dass halb Deutschland um einen Journalisten trauert? Mir fällt keiner ein, bei dem das so sein könnte. In Brasilien ist das aber am Wochenende der Fall gewesen – mindestens in den sozialen Netzwerken. Der 65-jährige Marcelo Rezende starb an Krebs, sein Tod löste extrem viele Reaktionen aus. So finden sich auf Facebook zahlreiche Posts mit deutlich sechsstelligen Interaktionsraten. Der populärste Post war dabei der des Senders Record TV. Über 500.000 Reaktionen gab es hier. Ebenfalls populär: der Post des Sängers Eduardo Costa mit über 282.000 Reaktionen, sowie die von Medien wie UOLG1 und R7.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Focus Online – “Preise auf dem Oktoberfest in München – Die Wiesn macht uns alle pleite” (16.200 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Welt – “Bürgermeister von Lampedusa: Flüchtlinge ziehen durch Straßen – ‘Wir sind in Anarchie gestürzt‘” (1.600 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Welt am Sonntag – “Wie man das Lernen besser lernt

Google-SuchbegriffBVB (200.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteMarlene Marlow(31.600 Abrufe)

Youtube-Video: tomatolix – “Wie reich werde ich beim Glücksspiel? – Selbstexperiment Spielothek

Song (Spotify): Kay One – “Senorita (380.300 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Musik (Amazon): Kollegah & Farid Bang – “Jung Brutal Gutaussehend 3 (JBG3 Limited Steelbox) Box-Set, Limited Edition” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Guardians of the Galaxy 2” (Blu-ray)

Game (Amazon): “FIFA 18 – Standard Edition” (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Thorsten Schulte – “Kontrollverlust: Wer uns bedroht und wie wir uns schützen” (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

Was finden Sie gut an #trending? Was schlecht? Was fehlt Ihnen? Schreiben Sie mir!

Mehr Social-Media-Trends und -Themen lesen Sie in meiner nachmittäglichen Kolumne in der Handelsblatt-10-App. Erhältlich für iOS und Android.

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Alle Kommentare

  1. War kein Wahlkampf oder waren SPD und FDP lieber beim Oktoberfest ?
    Durch http://www.wahlrecht.de/umfragen/ ist schwarz-gelb ja klar. Manche Presse bei news-google berichtete (erfand ?) sogar ein Duell zwischen den wohl abgeschlagenen Grünen und FDP um den – irrelevanten – dritten Platz.
    11%-Afd 10.5%-Linke 10%-FDP 8%-Grüne macht klar das es irrelevant ist. Gabs früher nicht mehrere TV-Wahlspots konkurrierender Parteien hintereinander ? oder ich gucke die falschen Sender. Oder die Wahlmanager sind schlau und sparen sich angesichts des offensichtlichen Ergebnisses große TV- und hoffentlich auch Print-Kampagnen und jedes Wahlwerbe-Fenster enthält nur einen Spot einer Partei.

    Ich würde hier mal Vermutungen sammeln, was die Parteien noch so vorhaben könnten oder ob alles Wahlkampf-Pulver verschossen ist. Den schnellebigen Internet-Politikern/Presse konnte
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/reden-wir-ueber-geld-muentefering-wer-auf-nur-euro-rente-kommt-muss-nicht-arm-sein-1.3164473
    ja auch nicht helfen wohl weil sie die Trägheit nicht einplanten. Ich glaube das war am Freitag vor der Berlin-Wahl und Linke und AfD konnten wohl leider nichts mehr daraus machen. Daraus lernend sollte man schlauer sein und nicht erst für Freitag Abend irgendwas planen wollen.

    Als Huffington-Post oder Postillon oder auch NZZ oder Kurier würde ich also vielleicht heute schon die Schwarz-Gelben Ministerposten und BS-Bingo-Wahl-Abend-Fomulierungen vorhersagen und vermutlich zu 90% richtig liegen.

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