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“Schleichwerbung, billige Meinungsmache”: YouTuberin rechnet 30 Minuten lang mit der Bravo ab

“Braucht es in der heutigen Zeit, in der sich Künstler selbst vermarkten können, überhaupt noch so billige Zeitschriften?”: YouTuberin Kitthey geht mit der Bravo hart ins Gericht
"Braucht es in der heutigen Zeit, in der sich Künstler selbst vermarkten können, überhaupt noch so billige Zeitschriften?": YouTuberin Kitthey geht mit der Bravo hart ins Gericht

Für Boulevardmedien ist der direkte Draht zu ihren Protagonisten von großer Bedeutung. Publizistisch kann die Nähe schnell zur Gratwanderung werden. So auch bei der Bravo. Die Redaktion der Teenie-Zeitschrift sieht sich derzeit mit Vorwürfen konfrontiert, eine Kampagne für den Sänger Wincent Weiss zu fahren. Die YouTuberin Luna Darko nimmt das zum Anlass für eine Generalabrechnung mit dem Bauer-Blatt, wirft ihm Meinungsmache, Schleichwerbung und unsauberen Umgang mit Zitaten vor.

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Anlass für die 30-minütige Abrechnung mit der Bravo, ist eine E-Mail, die Darko erhalten hat. Darin hat der Absender akribisch aufgelistet, auf welchen Kanälen und mit welcher Intensität das Jugendmagazin seit Jahren wohlwollend über den Sänger Wincent Weiss berichtet. Nach Darstellung des Absenders wurde Weiss, der im Jahr 2013 sehr früh als Kandidat bei der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” rausgeflogen ist, von der Bravo aufgebaut. Zurückzuführen sei das auf persönliche Beziehungen zu den Redakteuren. Einer von ihnen, der Redakteur Sascha Wernicke, ist später sogar Manager des Sängers geworden, hat diesen Job zeitweise parallel zu seiner Journalistentätigkeit beim Bauer Verlag gemacht.

Die Vorwürfe sind nicht neu: Im März dieses Jahres hatte sich Correctiv bereits ausführlich mit Weiss und seinen Verbindungen zur Redaktion des Bauer-Magazins befasst. Darko setzt nun aber noch einen drauf und erweitert die Kritik um eine persönliche Abrechnung mit der Zeitschrift. Sie berichtet davon, wie sie selbst schon einmal von der Bravo “ausgenutzt” worden sei, als sie bei einem Shooting ihren Kleidungsstil vorstellen sollte. In der Ausgabe habe die Bravo dann in ihrem Namen Produkte empfohlen, was nicht abgesprochen worden sei. Eine Werbekennzeichnung gab es freilich nicht. Bei einer weiteren Geschichte, in der es um ihre Kindheit ging, seien ihr Worte in den Mund gelegt worden.

So schonungslos wie die Kritik von Darko ist, so sehr irritiert sie auch. Eigenen Angaben zufolge war die YouTuberin selbst einmal als “Beraterin” für die Bravo tätig. Es stellt sich die Frage, weshalb sie sich nach solchen Erfahrungen auf diese Zusammenarbeit eingelassen hat. Dass sie überhaupt in der Bravo stattfand, begründete sie mit der “Erfahrung”, die sie damit sammeln wollte. So habe sie selbst in ihrer Jugend oft das Jugendmagazin zur Hand genommen, um sich über ihre Lieblingsstars zu informieren. Dabei habe sie bereits beobachtet, wie die Bravo einzelne Protagonisten speziell gefördert habe.

MEEDIA hat den Bauer-Verlag, der die Bravo verlegt, um Stellungnahme zu dem Video und den darin enthaltenen Vorwürfen gebeten. Die Pressestelle des Unternehmens reagiert wortkarg: „Die Bravo-Redaktion nimmt die journalistische Sorgfaltspflicht ernst, sowohl in der Zusammenarbeit mit Künstlern und  Musikern als auch in der Zusammenarbeit mit Influencern und ihren Management”, heißt es lediglich. Auf den Vorwurf der erfundenen Zitate, der Schleichwerbung geht Bauer Media nicht ein, ergänzt aber bezüglich der Kampagne für Sänger Wincent Weiss das Ergebnis des Presserates, der sich damit bereits befasst hatte. “Der Presserat hat vergleichbare Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen”, so Bauer.

MEEDIA hat auch Darko um Stellungnahme gebeten, weshalb sie die Kritik erst so spät übt und trotz schlechter Erfahrungen weiter mit und sogar für Bravo gearbeitet hat. Eine Rückmeldung gibt es bislang nicht.

Die YouTuberin nutzt ihren Verriss zudem, um die Jugendmagazine generell in Frage zu stellen. Die Bravo sei “überhaupt nicht nah an der Jugend” und sei geschrieben, “wie Erwachsene denken, dass Jugendliche reden”. Auf die Kritik folgt ihr Motiv: “Braucht es in der heutigen Zeit, in der sich Künstler selbst vermarkten können, überhaupt noch so billige Zeitschriften?”, fragt sie.

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Klar ist: Die Relevanz der klassischen Jugendmedien schwindet. Nachdem sich die verkaufte Auflage der Bravo in den Jahren 2009 und 2010 kurz fangen konnte rutschte sie schließlich auf unter 400.000 Exemplare, seitdem kennt die Auflagenkurve nur noch eine Richtung: nach unten. Daran änderte auch der neue 14-tägige Erscheinungsrhythmus nichts. Im zweiten Quartal 2017 verkaufte Bravo laut IVW noch 125.012 Hefte.

Ähnlich sieht es auch digital aus. Während Bravo.de Anfang des Jahres noch mehr als fünf Millionen Visits erreichte, ist die Reichweite mittlerweile auf etwas über drei Millionen Visits im August abgestürzt. Im Juli 2015 zählte Bravo online noch mehr als zehn Millionen Visits. Rückläufiger Trend auch in der AGOF: Im Juli 2017 zählte das Portal 1,69 Mio. Unique User. Im Januar gab es noch einen neuen Rekord von 2,68 Mio.

Wie schwierig das Portal-Geschäft mit Influencern ist, zeigen auch andere Verlagsbestrebungen. So stellte beispielsweise Axel Springer im vergangenen Jahr das Jugendportal Celepedia ein, das sich in der Berichterstattung auf Influencer konzentrierte. Auch der direkten Bravo-Konkurrenz geht es nicht besser. So verlkaufte Popcorn im Jahr 2003 noch rund 400.000 Hefte, 2011 waren es immerhin noch mehr als 200.000. Aktuell (II/17) waren es nur noch 61.412 Exemplare, wobei das eine Steigerung von 25 Prozent im Gegensatz zum Vorjahr bedeutet.

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