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„Kein Spielraum, um Vertriebspreise kräftig zu senken“: Grosso-Chef Frank Nolte dämpft Erwartungen der Verlage

Branchen-Verbandschef Frank Nolte

Der Streit um die Zukunft des Grosso-Systems bewegt die Medienbranche. Eine Allianz aus Großverlagen will das Verteilungsnetz für Zeitungen und Zeitschriften straffen und fordert zugleich, die Vertriebspreise (Spannen) zu verringern. Doch Grosso-Verbandschef Frank Nolte warnt die Verlage vor „allzu großen Erwartungen“. Damit könnten weitere Gespräche im Ringen um eine Einigung schwierig werden.

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Die Tagung des Grossoverbands in Baden-Baden ist in vollem Gange. Überschattet wird das Branchentreffen durch eine Allianz von Großverlagen, die ihre Teilnahme an der Tagung der Lobbyvereinigung vor wenigen Tagen abgesagt hatten. Die Gruppe – darunter Burda, Bauer, Axel Springer, Spiegel-Verlag und Klambt – will das tradierte Vertriebssystem für Zeitungen und Zeitschriften reformieren und die bisherigen Strukturen straffen. Dazu soll die Zahl der Grossobetriebe in den nächsten drei bis fünf Jahren auf 15 bis 20 sinken. Zugleich wollen die Medienhäuser, dass die Vertriebspreise für sie deutlich sinken. Der Grosso-Verband und Verlage verhandeln seit Monaten über neue Handelsspannen, da die bisherige Vereinbarung Ende Februar 2018 ausläuft.
Jetzt hat sich der Grosso-Verbandspräsident Frank Nolte zu der Auseinandersetzung gemeldet. Er warnt die Verlags-Allianz vor überzogenen Forderungen. „Ich möchte aber vor großen Erwartungen warnen: der strukturelle Marktrückgang lässt uns keinen Spielraum, um die Vertriebspreise für Verlage kräftig zu senken“, erklärt Nolte auf der Jahrestagung. Denn der „Unterhalt des flächendeckenden Logistiknetzwerkes sowie das aktive Vertriebsmarketing für Presse sind sehr kostenintensiv“, unterstrich der Verbandschef. Die Einführung des Mindestlohns sowie die steigende Nachfrage nach Speditionen durch eCommerce erhöhten die Personalkosten. „Wir haben einen hohen Fixkostenblock. Zugleich gehen Umsatz und Roherlös stark zurück“, betonte Nolte.
Unverständlich ist aus Sicht des Grosso-Präsidenten das Vorgehen des Verlags-Bündnisses. „Die Allianz und unser Verband legten vor wenigen Tagen konkrete Einigungsvorschläge vor. Die Verhandlungsdelegation verband damit allerdings die Erwartung, dass wir noch vor der Tagung das aus Sicht der Großverlage finale Angebot ohne Wenn und Aber und ohne die Beratung unserer Mitgliederversammlung annehmen“, so der Verbandspräsident. Daher sei eine Zustimmung zu dem Angebot schon aus „formalen Gründen nicht möglich“ gewesen. Er geht davon aus, dass die Gespräche „konzentriert“ fortgesetzt würden. Dies sei schon im Interesse der Printwirtschaft. „Die Branche kann sich keine langen Verhandlungen mit Kollateralschäden über eine neue Branchenvereinbarung leisten“, heißt es.
Damit dürften aber weitere Gespräche zwischen der Verlags-Allianz nicht leicht werden. Denn die Gruppe von sechs Medienhäusern erwartet von den Grossisten deutliche Zugeständnisse bei den Handelsspannen, um ihre Ertragssituation zu verbessern. Sollte die Grossisten hierzu nicht bereit seien, drohte Burda-Vorstand Philipp Welte im Gespräch mit MEEDIA bereits damit, das tradierte Vertriebssystem für Zeitungen und Zeitschriften zu kippen und sich nach Alternativen umzuschauen.
Immerhin: Grosso-Verbandschef Nolte scheint seinen Optimismus nicht verloren zu haben. Gegenüber Horizont und Turi2 wies er zwar auf den harten „Konsolidierungsprozess“ hin, in dem sich seine Branche befinden und erklärte, in den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Pressegroßhändler von etwa 100 auf knapp die Hälfte gesunken, „in fünf Jahren könnten es nur noch 20 sein“. Zugleich glaube er fest an eine Einigung mit den Verlagshäusern, denn: „Wir bieten eine unschlagbare Leistung zu einem sehr günstigen Preis.“

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