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Claus Strunz attackiert Christian Lindner: Darum war "Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen" bei Sat.1 eine einzige Frechheit

„Wollen wir eitle Leute in der Politik?“, fragte Claus Strunz Christian Lindner im Sat.1-Talk "Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen"

Am Sonntag steigt das große TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz. Sat.1 organisierte dafür am gestrigen Mittwoch schon einmal einen Viererkampf zwischen FDP, Grüne, AfD und Linke. In „Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen“ versprach Claus Strunz die Fragen zu behandeln, die die Wähler wirklich bewegen. Diesem Anspruch wurde er jedoch nicht im Geringsten gerecht. Bei politischen Themen blieb er an der Oberfläche und konzentrierte sich offensichtlich vor allem darauf, die Spitzenkandidaten – insbesondere Christian Lindner – persönlich anzugreifen.

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„Willkommen zu der Sendung, in der es um die Themen geht, die Sie besonders bewegen“, begrüßte Claus Strunz seine Zuschauer zu Beginn der Sat.1-Sendung „Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen“ am Mittwochabend. Im Vorfeld wurden 2.000 Menschen befragt, was sie kurz vor der Bundestagswahl besonders interessiert. Daraus sind Themenkomplexe entstanden, über die in der Sendung gesprochen werden sollte. Dazu gehörten: Innere Sicherheit, Asylpolitik, Integration, Terror und Altersarmut. Anwesend waren Linke-Chefin Katja Kipping, die Grünen-Spitzenkandidatin Karin Göring-Eckhard, Alice Weidel von der AfD und Christian Lindner, der Spitzenkandidat der FDP.

„Herr Strunz, hier geht jetzt aber einiges durcheinander“

Die Politiker hatten jeweils nur 30 Sekunden Zeit, um auf die Fragen von ausgewählten Bürgern zu antworten, die in der Sendung zu Gast waren. Der Ansatz hinter diesem Format ist zunächst einmal durchaus verständlich. Moderator Claus Strunz und die Sat.1-Redaktion wollten die Spitzenkandidaten so dazu bringen, schnell auf den jeweiligen Punkt zu kommen und sich nicht im Polit-Geschwurbel zu verlieren. Doch der Schuss ging nach hinten los: Die Sendung war hektisch, an klaren Aussagen mangelte es und Raum für Details oder Diskussionen wurde nicht gegeben. Sodass „Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen“ inhaltlich an den meisten Stellen gerade mal an der Oberfläche der jeweiligen Parteiprogramme kratzte. Das lag auch daran, dass der Moderator in einer Tour betonte: „Bitte schnell antworten“ – und dabei letztendlich selber etliche Themen vermischte. Oder um es in Christian Lindners eigenen Worten während der Sendung zu sagen: „Herr Strunz, hier geht jetzt aber einiges durcheinander“.
Auch blieb Strunz alles andere als neutral und ließ Sätze fallen wie: „Sie (Katja Kipping) laden alle Menschen ein, in Deutschland ihr Glück zu suchen: vom Flüchtling bis zum Terroristen. Damit erweitern Sie das Problem, das Frau Merkel uns bereitet hat.“ Die Linke-Chefin antwortete darauf: „Sind Sie sicher, dass es klug ist, in unseren Köpfen die Begriffe ‚Flüchtling‘ und ‚Terrorist‘ zusammenzubringen?“ Dies sei schließlich genau das, worauf Terrororganisationen wie der Islamische Staat hinarbeiteten.

Was haben Sätze wie diese in einer Polit-Sendung verloren?

Im Verlaufe der Sendung wurden die vier Politiker mit Straßenumfragen zu ihrer eigenen Person konfrontiert. Dabei stellte die Redaktion offensichtlich die oberflächlichsten Aussagen zusammen, die sie finden konnte. So kommentierten die befragten Bürger in einem Einspieler beispielsweise ausschließlich Christian Lindners Aussehen: „Graue Haare kriegt der feine Herr auch schon“ und „Das Wahlplakat von ihm finde ich einfach nur selbstdarstellerisch und total daneben“, hieß es da. Oder auch: „Heute würde der auch ganz viel bei Tinder unterwegs sein und hätte ganz viele Matches.“ Welche Fragen den Passanten konkret gestellt wurden, dass sie derartige Antworten gaben, zeigte die Redaktion freilich nicht. So oder so: Was haben Sätze wie diese in einer Sendung verloren, in der es um politische Inhalte gehen soll?
Im anschließenden Gespräch mit Christian Lindner ging es dann auf diesem Niveau weiter. Claus Strunz machte sich noch nicht einmal die Mühe, mit ihm über Inhalte zu sprechen und begann den Dialog mit: “Lovoo, Tinder…. läuft, oder?“ Im Anschluss zeigte er eine – wie er selber sagt – „wissenschaftliche“ Umfrage: Man habe Wähler gefragt, ob Christian Lindner eitel sei. Das Ergebnis: 71 Prozent „der Deutschen“ sagen „Ja.“ Daraus leitet Strunz seine Frage ab: „Wollen wir eitle Leute in der Politik?“ Christian Lindner steht die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Er bemüht sich, auf seine Themen zu sprechen zu kommen. Vergeblich.
Egal wer, ob Mann, Frau oder Transgender: Niemand darf in dieser Form bloßgestellt und auf sein oder ihr Aussehen reduziert werden. Diese Fragen hatten nichts mehr mit Kritik zum Design der aktuellen FDP-Wahlkampagne zu tun. Das war schlicht und ergreifend eine Frechheit.
Bei Alice Weidel sah es nicht besser aus. Strunz konfrontierte auch sie mit den Aussagen aus der Straßenumfrage, in der sie sie als „unsympathisch“, „Schweinebraten“ oder „Die sieht nach deutscher Küche aus“ beschrieben wird. Muss das sein? Was hat das auch nur im Ansatz mit einem politischen Format zu tun? Und schlussendlich: Welches Bild wirft das auf die Interessen der deutschen Wähler, dass ausgerechnet solche Sätze gezeigt werden?
Insgesamt kommt keiner der anwesenden Politiker gegen Claus Strunz an, was zum Ergebnis hat, dass von Themen und Inhalten schlicht und ergreifend wenig hängen bleibt. Was allerdings bleibt, ist der fade Nachgeschmack, dass es hier nicht um die „10 wichtigsten Fragen der Deutschen“ ging, sondern einzig und allein um Politiker-Bashing.

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