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„Überzeugt uns!“ – warum die Jungwählerjagd der ARD nicht überzeugt

Ingo Zamperoni und Ronja von Rönne moderierten "Überzeugt uns!" in der ARD

Wahlkampfzeit, Wahlsendungszeit. Beim ZDF hatten sie mit „Wähl mich“ bereits ein Jungwähler-Format im Nachtprogramm versteckt. Die ARD macht es mit „Überzeugt uns!“ jetzt ähnlich und doch anders. Statt Jungpolitikern waren die üblichen Verdächtigen geladen. Immerhin: Das Moderationsduo Ronja von Rönne und Ingo Zamperoni wusste zu gefallen.

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Ronja von Rönne durfte zeigen, dass sie mehr draufhat, als das Hipster-Girl von der Welt zu sein. Ingo Zamperoni moderierte perfekt und traute sich auch einzuhaken, wenn die Damen und Herren Politiker ins Schwafelland abdrifteten.
Bemerkenswert, wie viele Spitzenpolitiker sich noch zu so später Stunde (23 Uhr!) in eine Live-Sendung hocken: Ralf Stegner (SPD), Alexander Dobrindt (CSU), Jens Spahn (CDU), Katja Suding (FDP), Katja Kipping (Die Linke), Alexander Gauland (AfD) und Cem Özdemir (Grüne) waren brav angetreten, das Übliche zu sagen. Irgendwas mit Gerechtigkeit meistens.
Wobei: Wir haben ja Wahlkampf, da müssen sie ja. Immerhin rechtfertigte die Uhrzeit Ralf Stegners gewohnt miesepetrigen Gesichtsausdruck. Es gab die üblichen Eispielfilme mit Einzelschicksalen, es gab Statistiken und Satz-Vervollständigungsspielchen. Aber alles auf „jung“. Ronja von Rönne sagte zwischendurch „Gemüsesmoothies“ und „Sneakersammlern“. Das klingt jetzt fieser, als es gemeint ist. Sie machte ihren Moderationsjob sehr gut und empfahl sich für weitere TV-Aufgaben. Die Phrase der Wahl lautet: „frisches Gesicht“.
Und weil alles so schrecklich „jung“ sein musste, war auch Digital-Erklärer Richard Gutjahr mit von der Partie (es war eine Produktion von Gutjahrs Haussender BR). Er durfte aber nur in einer Art Backsteinzimmer hocken und mit Mitstreitern via Facebook die Politikeraussagen kommentieren. Multichannel, Second Screen, RvR wüsste wohl, wie die „Generation Y“ das so nennt. Hilfreich war das aber nicht. Zumindest nicht, wenn man als Ü40er nach 23 Uhr mit iPad und Fernbedienung gleichzeitig hantieren muss.
„Überzeugt uns“ war trotz allem Social-Klimbim und eingespielten Witz-Filmchen des „Satire-Kollektivs“ Bohemian Browser Ballett deutlich konventioneller als die ZDF-Variante „Wähl mich“, die den Mut aufbrachte, komplett unbekannte Jungpolitiker in den Fokus zu rücken. In der ARD saßen da halt die üblichen Gesichter mit ihren üblichen Antworten auf die üblichen Fragen. Das fiel wohl eher in die ungeliebte Rubrik „gut gemeint“. Dann doch lieber „Anne Will“. Aber überlegt euch doch mal, eine Sendung für Ronja von Rönne, liebe ARD. Der Ingo hat ja schon die „Tagesthemen“.

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