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"Natürlich haben wir mehr Geld als ihr" – der arrogante "Liebesbrief" vom Deutschlandradio an die FAZ

Arroganter "Liebesbrief" vom Deutschlandfunk an die FAZ

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio bis 2029 einen Anstieg des Rundfunkbeitrags von derzeit 17,50 auf 21 Euro anstreben. ARD-Sprecher Steffen Grimberg hatte diesen Bericht als „frei erfunden“ dementiert. Nun schreibt eine Deutschlandfunk-Autorin einen „Liebesbrief“ an die FAZ, der vor öffentlich-rechtlicher Arroganz nur so trieft.

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„Liebe Kollegen von der FAZ, wir schreiben Euch heute einen Brief, weil wir uns Sorgen machen – und wie Ihr wisst, lassen sich persönliche, heikle Themen manchmal besser schriftlich ansprechen.“ So geht er los, der „Liebesbrief“ von Deutschlandfunk-Autorin Brigitte Baetz an die FAZ. Sie kritisiert in ihrem Brief zurecht, dass die FAZ und ihre „kleine Schwester“ FAS immer wieder mit den Begriffen „Staatsrundfunk“ und „Zwangsgebühren“ hantieren. Beides sind in der Tat Kampfbegriffe, die die Realität verzerren.
Die FAZ arbeitet sich immer wieder gerne und mit Furor an den öffentlich-rechtlichen Medien ab. Baetz schreibt:

Immer wieder druckt Ihr dieses böse Wort vom Staatsrundfunk. Wo es doch in Deutschland seit dem Fall der Mauer gar keinen mehr gibt. Denn – glaubt es oder nicht – der Rundfunk ist in unserem demokratischen Land staatsfern organisiert. Das will die Verfassung so – und die Richter am Bundesverfassungsgericht erst Recht. Und irgendwie verstehen wir nicht, warum Ihr das nicht versteht.

Vermutlich ist das ironisch gemeint. In Kombination mit dem weiteren Text wirkt es aber nur von oben herab. Richtig unangenehm wird der DLF-Text, wenn es ums Thema Geld geht:

Klar: Wir wissen, es geht Euch nicht gut. Innerhalb der letzten sieben Jahre sind Euch über 120.000 Leser verloren gegangen. Und Eurer kleinen Schwester FAS auch. Das ist zweimal die Einwohnerschaft Heidelbergs. Das ist bitter und das kränkt. Gerade, weil Ihr, die Redakteure, seit der ersten von inzwischen vielen Sparrunden ja auch keine Dienstwagen mehr fahren dürft.

Über die angebliche Trauer der FAZ-Redakteure, keine Dienstwagen mehr zu haben, lässt sich die Autorin dann noch mehrere Zeilen aus. U.a. geht es darum, dass die Mitarbeiter des öffentlichen Rundfunks wissen würden, dass ein Dienstwagen gar nicht so wichtig ist. Und schließlich:

Natürlich haben wir mehr Geld als Ihr. Aber diese finanzielle Sicherheit ist, im Grundsatz natürlich, nicht in der Höhe, so von der Verfassung gewollt. Sie ist eine Marktverzerrung, zugegeben – aber eine, die sich dieses Land leistet, um eine Grundversorgung an Information sicher zu stellen.

Ach? Gerade so, als ob das die Leute bei der FAZ nicht wüssten, mit der Grundversorgung. Wirklich arrogant wirkt aber der Satz „Natürlich haben wir mehr Geld als ihr.“ Die Kampagne, die die FAZ in Teilen gegen den öffentlichen Rundfunk führt, ist unangebracht. Solche kindischen, oberlehrerhaften Reaktionen wie dieser „Liebesbrief“ sind es aber auch.
Und außerdem: Laut SZ stammt die Zahl 21 Euro aus einer Modellrechnung, mit der die ARD zeigen wollte, was passieren würde, wenn man den jetzt gültigen Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro jedes Jahr fix um 1,75 Prozent anhöbe. Es ist damit also keineswegs gesagt, dass die ARD dies „fordere“ oder dass es so kommen muss. Aber „frei erfunden“. wie ARD-Sprecher Grimberg erklärte, wäre die Zahl dann auch nicht.

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