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Alle dürfen „Mutti“ fragen: die große Merkel-Medien-Show bei RTL, Bild, YouTube & Co.

"Mutti" auf allen Kanälen: Die Kanzlerin ist im Wahlkampf-Modus

YouTuber, Kinder, Flüchtlinge, Rentnerinnen, Journalisten. Es ist Wahlkampf und alle dürfen „Mutti“ fragen. Kanzlerin Angela Merkel eilt in diesen Tagen von Interview zu Interview, von Bürgertalk zu Bürgertalk. Dabei zeigt sie sich top informiert, authentisch und kein bisschen amtsmüde. Ihr Herausforderer spielt bei der großen Merkel-Medien-Show keine Rolle.

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Am Sonntag stand Angela Merkel „an einem Tisch“ mit RTL-Anchorman Peter Kloeppel und parierte exzellent vorbereitet Fragen von Vorzeige-Flüchtlingen, Breitscheid-Platz-Zeugen, armen Rentnerinnen oder alleinerziehenden Müttern. Tags darauf saß sie im Kanzleramt und ließ sich von Bild-Politikchef Nikolaus Blome fast dieselben Bürger- und Journalistenfragen vorsetzen. Immer wieder: Diesel, Flüchtlinge, Bildung, Gerechtigkeit – das ganze Programm. Das Bild-Format hätte auch „Die üblichen Fragen“ heißen können statt „Die richtigen Fragen“. Wobei: Was soll man auch sonst fragen?
Auch den Kinder-Reportern von „Dein Spiegel“ stand Merkel Rede und Antwort und auch dabei ging Persönliches (Stress!) mit Politischem (Flüchtlinge!) Hand in Hand. Vergangene Woche schon ließ sie sich von YouTubern befragen. „Mutti“ ist in diesen Tagen überall und sie macht dabei durchaus eine gute Figur. Bei RTL wurde die übliche Einzelfall-Parade inszeniert, wie schon in der vergangenen Woche mit Herausforderer Martin Schulz von der SPD. Die Kanzlerin zeigte sich dabei detailversessen. Wenn ein super integrierte Iraner fragte, warum sein Asylverfahren schon acht Jahr ohne Entscheidung laufe, hakte Merkel nach: Das könne doch nicht sein. Und so stellte sich heraus, dass der jungen Mann, der gut Deutsch spricht und auch eine Arbeit hat, schon einmal eine Ablehnung bekommen hatte und seither geduldet wird. Thema abgeräumt.
Der jungen, alleinerziehenden Mutter, die über zu hohe Steuerbelastung klagt, konnte Merkel Linderung versprechen, indem die Kinder-Freibeträge erhöht würden. Abgeräumt. Bei der Rentnerin mit der Mini-Rente konnte sie die von der CDU durchgeboxte Mütter-Rente anführen, auch wenn das natürlich auch „nicht reicht“. Trotzdem: Thema abgeräumt. Die SPD-Walkämpfer konnten in der RTL-Sendung besichtigen, warum dieser Frau so schwierig beizukommen ist. Merkel wusste immer eine Antwort, war im Zweifel sogar konkreter als ihr Herausforderer.
Herausforderer? Welcher Herausforderer? Bei RTL und Bild fiel der Name Martin Schulz kein einziges Mal. Merkel erwähnte auch „die Sozialdemokraten“ nur selten, deutete stets nur an, dass es ihrer Meinung hier und da nicht so optimal läuft, weil „die Sozialdemokraten“ da irgendwas nicht mittragen. Sozen-Bashing im Krawall-Stil? Nicht ihr Ding! Merkel schwebt über den Dingen und ist doch immer knietief in den Themen. Auch das schätzen viele Bürger.
Das Bild-Interview wurde dabei von im Schnitt 1.000 Leuten bei Facebook live verfolgt. Dazu dürften einige weitere kommen, die das Interview bei Bild.de gesehen haben. Die RTL-Sendung „An einem Tisch mit…“ sahen 1,45 Mio. Menschen – 350.000 mehr als „An einem Tisch mit Martin Schulz“ vor einer Woche. Das Interesse an den Aussagen der Kanzlerin ist durchaus hoch. Im Lichte der Facebook-Live-Zuschauerzahlen des Bild-Interviews sehen auch die durchschnittlich 55.000 Live-Zuschauer des Merkel-Interviews durch vier YouTuber vergangene Woche gar nicht mehr mickrig aus.
Die Kanzlerin wirkte in all diesen Gesprächen ganz und gar nicht amtsmüde, eher unermüdlich. Ein Zuschauer wollte am Ende der RTL-Sendung wissen, wie sie das alles aushält, ohne einen Burnout zu bekommen. Ach, sie nehme sich schon Auszeiten, um zu backen oder zu wandern, sagte Merkel. Und wenn Sie am Berg sei, denke sie auch nicht an Politik, weil sie sich da auf ihre Beine konzentrieren müsse. Lacher im Publikum. Thema abgeräumt. In der vorigen Woche scherzte SPD-Kanzlerkandidat Schulz noch, er sei gespannt, wie Merkel bei ihrem RTL-Auftritt auch diese Sendung „wieder abräumt“. An diesem Sonntag konnte er am TV besichtigen, wie sie genau das tat.

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