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Medien und die "Schmutzkampagne": SZ, stern und NDR weisen Kritik an Maschmeyer-Berichten zurück

Umstrittener Unternehmer Carsten Maschmeyer, Bekenntnisse eines geschassten Ex-Mitarbeiters: gesteuerte "Schmutzkampagne" oder viel Lärm um Nichts?

Die vom Handelsblatt und der Welt am Sonntag vorab veröffentlichten Auszüge und Details des am Mittwoch erscheinenden Enthüllungsbuchs „Mein Auftrag: Rufmord“ sorgen für Wirbel. In Branchenkreisen wird vor allem die Rolle der investigativen Leitmedien bei der angeblich ferngesteuerten „Schmutzkampagne“ gegen Unternehmer Carsten Maschmeyer diskutiert. Die betroffenen Medien weisen Kritik zurück.

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In dem am Montagmorgen vom NDR veröffentlichten Kommentar von „Panorama“-Autor Kristoffer Sell heißt es: „Offensichtlich soll der Eindruck erweckt werden, als hätten sich verschiedene Redaktionen, darunter auch ‚Panorama‘,  gegen Maschmeyer und dessen AWD instrumentalisieren lassen und ungerechtfertigte Beschuldigungen verbreitet. Dem kann und muss entschieden widersprochen werden.“ Zwar sei es richtig, dass Buchautor Stefan Schabirosky auch zu den Informanten des ARD-Politmagazins gehört habe. Doch der sei nur eine Quelle unter vielen gewesen.
Deshalb sei der Tenor der kritischen Berichterstattung nach wie vor richtig: „Eindeutig ist festzuhalten, dass die Kernaussagen unserer Berichte über Maschmeyer und seinen AWD nicht widerlegt werden: Nämlich dass der ‚Drückerkönig‘ und sein Finanzdienst u.a. mit dem Verkauf kreditfinanzierter geschlossener Fonds tausende Menschen ins Unglück gestürzt haben.“ Eine „zentrale Bedeutung“ habe damals „der berüchtigte ‚Drei-Länder-Fonds'“ gehabt, „der von Maschmeyer und dem AWD besonders aggressiv in den Markt gedrückt wurde“. Sell weiter: „Das hat uns damals nicht der „Whistleblower“ Stefan Schabirosky (und erst recht nicht wahrheitswidrig) gesteckt, sondern das haben uns Opfer, Beteiligte und Anwälte in die Kamera bestätigt und detailliert belegt.“
Allerdings räumt auch der NDR-Kommentator ein, der „Panorama“-Redaktion sei „damals nicht bekannt“ gewesen, dass Schabirosky „offenbar von einem AWD-Konkurrenten bezahlt wurde“. Dies sei unterm Strich aber unerheblich, denn: „Informationen, die auf Verrat aus niedrigen Motiven beruhen, sind allerdings nichts Ungewöhnliches. Es ändert auch nichts am Wahrheitsgehalt der von uns veröffentlichten Beiträge. Sie waren das Ergebnis eines sorgfältigen und zum Teil jahrelangen Zusammentragens verschiedenster Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen. Niemals verließen wir uns nur auf die Aussagen einer einzigen Person.“

„Die Vorstellung, Informanten könnten bei uns eine Berichterstattung veranlassen, ist naiv und falsch“

Gegenüber der Bild argumentiert Heribert Prantl für die Süddeutsche Zeitung ganz ähnlich: „Von unseren Inhalten muss nichts zurückgenommen werden. Wir haben uns stets auf verschiedene Quellen gestützt. Die Fakten, die wir aufgedeckt haben, stehen nicht infrage.“ Wie eine Unternehmenssprecherin gegenüber MEEDIA zudem mitteilte, habe die SZ „die Vorwürfe des Herrn Schabirosky eingehend geprüft“. In den betreffenden Artikeln der Süddeutschen Zeitung werde „aus internen Papieren zitiert, die wir von mehreren Informanten erhalten haben“. Und: „Unsere Texte, in denen alle Beteiligten, auch der AWD, zu Wort kamen, haben dazu beigetragen, das System AWD aufzudecken.“
Der stern erklärte auf MEEDIA-Anfrage: „Die Vorstellung, Informanten könnten bei uns eine Berichterstattung veranlassen, ist naiv und falsch. Richtig ist, dass Stefan Schabirosky einer von mehreren ehemaligen AWD-Mitarbeitern ist, mit denen wir im Rahmen von Recherchen gesprochen haben und von denen wir Unterlagen erhalten haben.  Wir haben aber nichts ungeprüft veröffentlicht, sondern dann hat die eigentliche investigative Arbeit erst begonnen. Der stern hat 2006 und 2011 kritisch über Carsten Maschmeyer und den AWD berichtet. Die Berichte von 2006 und 2011 wurden rechtlich nicht angegriffen und wir haben daran nichts zu korrigieren.“
Der Berliner Tagesspiegel reagierte auf MEEDIA-Anfrage zurückhaltender und will den Sachverhalt zunächst intern klären. In einer Stellungnahme heißt es: „Der Tagesspiegel hat über den Abdruck von Auszügen aus dem Buch von Stefan Schabirosky „Mein Auftrag: Rufmord“ in der Welt am Sonntag (…) erfahren, dass Herr Schabirosky behauptet, er habe
sich im Rahmen einer Rufmordkampagne gegen den AWD im Auftrag der DVAG um negative Presseberichte über den AWD bemüht. Demnach gingen ‚alle negativen Presseberichte‘ auf ihn zurück. Er nennt in diesem Zusammenhang in einer Auflistung verschiedener Medien auch den Tagesspiegel. Der Tagesspiegel wird (…) die Berichterstattung über den AWD prüfen. Es geht dabei offensichtlich um Berichte, die Jahre zurückliegen. Über das Ergebnis der Prüfung wird der Tagesspiegel berichten.“
Für die Wirtschaftswoche analysiert Niklas Hoyer, dass sich angesichts der aktuellen Berichterstattung zur „Schmutzkampagne“ der Eindruck aufdränge, dass der für aggressive Verkaufsmethoden bekannte AWD (mittlerweile als Tochter des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life als Swiss Life Select aktiv) eigentlich ganz harmlos gewesen sei. „Nur falsche, manipulierte Infos hätten einen anderen Eindruck erweckt. So wirken jedenfalls die Aussagen von Stefan Schabirosky.“
Der Wirtschaftsjournalist warnt deshalb: „Die Medien laufen Gefahr, diesmal wirklich auf Schabirosky reinzufallen. Denn dessen angebliche Infos an Journalisten waren auf keinen Fall der einzige Grund für massive Kritik am AWD. Die gab es lange vor dem Ausscheiden von Schabirosky 2003 vom AWD. Ein Aussteiger aus dem AWD-Führungszirkel, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass die Informationen von Schabirosky 2004 bei Führungstreffen überhaupt kein Thema gewesen seien.“
 

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