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„Zack zack zack“ Kapuze auf – die Fremdschäm-Populismus-Show des Claus Strunz zum Thema G20-Krawalle

"Warum nimmt die Polizei die Typen nicht einfach fest, allein schon wegen ihrer Kleidung ...?"

Die G20-Krawalle in Hamburg riefen auch ihn auf den Plan: Claus Strunz, ehemaliger Chefredakteur der Bild am Sonntag und des Hamburger Abendblatts und nun Chef-Kommentator des „Sat.1-Frühstücksfernsehens“ und „Akte“-Moderator. Strunz spricht vom „Gipfel der Schande“ und holt zum großen Populismus-Rundumschlag aus. Für ein Werbevideo seiner Magazinsendung verkleidet er sich dann als „gewaltbereiter, gewalttolerierender, womöglich sogar Verbrecher“.

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Doch zunächst zum „Sat.1 Frühstücksfernsehen“. Claus Strunz meint, dass das Problem mit Linksextremismus größer sei als das mit Rechtsextremismus, weil „für weite Teile der rot-rot-grünen Elite, die den Mainstream dominiert, Terror von links noch immer niedliche Folklore ist“. Damit hat er schon in seinem ersten Satz die entscheidenden Stichworte gebracht: „rot-rot-grün“, „Mainstream“, „Elite“. Fehlen eigentlich nur „linksgrün versifft“ und „Lügenpresse“. Wen er genau meint, bleibt unklar. Strunz richtet sich mit seinen Worten vermutlich absichtlich unscharf gegen die da oben. Damit bedient er sich exakt derselben Mechanismen wie die AfD. Dann bemüht er noch das beliebte Bild der Kassiererin, der die Kündigung droht, wenn ihr einmal am Abend ein, zwei Cent in der Kasse fehlen. Es treten noch auf: die Krankenschwester, der Maurer und der Abteilungsleiter, die alle ihre Jobs verlieren, wenn sie irren. Strunz überspannt den Bogen von den Ausschreitungen auf der Kölner Domplatte bis hin zu den Krawallen in Hamburg, obwohl beide Vorgänge nichts miteinander zu tun haben. Hauptsache die Trigger „Köln“ und „Domplatte“ sind mal wieder platziert worden.

Der Hamburger Erste Bürgermeister Olaf Scholz kann gewiss für vieles kritisiert werden im Zusammenhang mit den Gipfel-Krawallen. Aber dafür, dass er zum Zeitpunkt der Randale in der Elbphilharmonie saß, kann er nun wirklich nix. Strunz spielt trotzdem diese Karte, weil sie die maximale Diskrepanz zwischen dem scheinbar abgehobenen Bonzen-Politiker und den armen kleinen Männlein auf der Straße zeigen soll. Am Ende kommt dann noch der abgegriffene Vergleich mit der Titanic, auf der die Musik „auch erst mal lauter gemacht“ wurde, bevor sie unterging.

In einem Werbevideo zu seiner Sat.1-Sendung „Akte“ zeigt Strunz dann, wie das so geht mit dem Schwarzen Block: „Wie kommt der Schwarze Block eigentlich zusammen, warum nimmt die Polizei die Typen nicht einfach fest, allein schon wegen ihrer Kleidung …?“ Ja, warum eigentlich? Oder wegen ihrer Nasen oder Haarfarbe? Strunz weiß: Weil diese Typen in weißen T-Shirts und Jeans auftreten. Und gegen Typen in weißen T-Shirts und Jeans hat bekanntlich niemand was. „Wie ein Tourist, ein friedlicher Student, junge Typen“, analysiert Strunz messerscharf. Dann komme „ein geheimes Kommando“ und „zack zack zack“ holen sie aus ihrem Rucksack einen Hoodie oder eine schwarze Jacke und ganz schnell wird aus einem normal aussehenden jungen Typen ein Mitglied des Schwarzen Blocks. Also fast. Denn laut Strunz ist „nur Jacke zu und Kapuze auf noch kein Straftatbestand“. Gut zu wissen! Aber kommt noch ein Tuch oder eine Sonnenbrille dazu, dann ist der – womögliche – Verbrecher perfekt!

Aber, was soll die Mühe. Zum Thema Claus Strunz hat ja eigentlich Philipp Walulis schon das Wesentliche gesagt:

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