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„Ein Zeichen für die Pressefreiheit“: Denis Yücel mit Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet

Deniz Yücel erhält den Theodor-Wolff-Preis.

Der seit 128 Tagen inhaftierte deutsch-türkische Autor Deniz Yücel ist am Mittwoch mit dem Sonderpreis beim Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis (TWP) ausgezeichnet worden. Die Würdigung soll nach dem Willen von Jury und Kuratorium „zugleich ein Zeichen für die Pressefreiheit setzen, die in der Türkei und an vielen anderen Orten der Welt mit Füßen getreten wird“.

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Das sagte der Vorsitzende des TWP-Kuratoriums, Hermann Neusser, Verleger des Bonner „General-Anzeigers“, anlässlich der Festveranstaltung im Radialsystem V. Auch Deniz Yücel selbst interpretierte den Sonderpreis nicht nur als „große Ehre“, sondern „als Zeichen der Anteilnahme mit meinen zahlreichen türkischen Kolleginnen und Kollegen, die größtenteils unter ähnlich absonderlichen Anschuldigungen, aber seit sehr viel längerer Zeit dieses und andere Gefängnisse des Landes füllen“. All das wäre, ließ der Türkeikorrespondent der „Welt“ über seine Anwälte mitteilen, „kaum zu ertragen ohne Menschen und Institutionen, die einen lieben und unterstützen und alles tun, was gerade nötig ist“.

Anstelle des inhaftierten Autors nahm seine Ehefrau Dilek Mayatürk-Yücel im Kreis zahlreicher Freunde und Unterstützer die vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) getragene Auszeichnung entgegen. Dilek Mayatürk-Yücel schilderte vor gut 300 geladenen Gästen aus Medien, Politik und Kultur den Druck und die Sorge, mit denen sie seit der Festnahme ihres Mannes lebt: „Wir laufen einen Marathon. Das ist kein Kurzstreckenlauf. Die Strecke ist lang, schwierig, ermüdend, voller Hürden. Und wir können die Zielgerade immer noch nicht sehen. Ich werde erst das Ziel erreichen, wenn Deniz wieder frei ist.“

Moderiert von Jörg Thadeusz ging der mit 6000 Euro dotierte Journalistenpreis der deutschen Zeitungen – Theodor-Wolff-Preis 2017 in der Sparte Lokales an Anja Reich („Berliner Zeitung“) für „Die Deutschmacherin“. Die Autorin porträtiert darin in vielen kleinen Beobachtungen den Alltag einer Mitarbeiterin im Berliner Bürgeramt Neukölln, die darüber entscheidet, wer die deutsche Staatsbürgerschaft erhält und wer nicht.

Die ebenfalls mit 6.000 Euro dotierte Auszeichnung in der Sparte „Meinung“ erhält Hans Monath (Der Tagesspiegel“, Berlin), der in seinem Beitrag „Der Hochmut der Vernünftigen“ den Begriff des „imperial overstretch“ auf die waltenden politischen Verhältnisse anlegt und an zahlreichen Beispielen ebenso amüsant wie klar ausbreitet, weshalb gute Argumente bei breiten Bevölkerungsschichten auf erbitterten Widerstand stoßen.

Preisträger in der mit 6.000 Euro dotierten Sparte „Reportage“ ist Marc Neller, (Welt am Sonntag, Berlin). Er schildert in „Der Code des Bösen“ spannend wie ein Krimi und dabei sehr verständlich erklärt die Geschichte eines weltumspannenden Hacks.

Bei dem ebenfalls mit 6.000 Euro dotierten „Thema des Jahres“ hatte sich die Jury 2017 für „Populismus“ entschieden. Den Preis erhält Nicolas Richter, (Süddeutsche Zeitung, München) für „Klingt verrückt“. Richter hatte bereits im Januar 2016 den möglichen politischen Aufstieg Donald Trumps vorhergesagt, als die meisten Journalistenkollegen den Mann noch als clowneskes Politphänomen nicht ernst nahmen.

Für die Gäste der Preisverleihung sang die aus Tunesien gebürtige und heute in den USA lebende Solistin Emel Mathlouthi. Ihre Botschaft: „Kelmti Horra“ – „Mein Wort ist frei“. Ausschnitte aus den preisgekürten Beiträgen wurden vorgetragen von den Berliner Schauspielern Cristin König und Arnd Klawitter.

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