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„Widerstände“ und „Vorwand“: Produzent der umstrittenen Antisemitismus-Doku erhebt schwere Vorwürfe gegen Arte und WDR

Die verantwortliche WDR-Redakteurin Sabine Rollberg, ehemalige Arte-Chefredakteurin, steht auch in der Kritik

Die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Nun erhebt Produzent Joachim Schröder gegenüber der Welt schwere Vorwürfe gegen die öffentlich-rechtlichen Vertragspartner Arte und WDR. Dafür hat offenbar bereits ein anderer Sender Interesse an dem Film angemeldet.

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Die zunächst vorgebrachten formalen Gründe für die Ablehnung, vor allem die Abweichung vom Ursprungskonzept, würden „als Vorwand genutzt, die Dokumentation nicht zu zeigen“, moniert Schröder gegenüber der Welt. Demnach sei jede Änderung „mit Argumenten belegt“ und der verantwortlichen WDR-Redakteurin, der ehemaligen Arte-Chefredakteurin Sabine Rollberg, abgestimmt gewesen. Diese habe auch im Dezember 2016 den fertigen Film abgenommen, bevor dieser schließlich nach Sichtung der Arte-Programmkonferenz abgelehnt wurde.

„Eine Zurückweisung des Films war unumgänglich“

Zum Hintergrund: In dem Film wird Judenhass unter anderem in Deutschland, Frankreich, im Gazastreifen und im Westjordanland nachgezeichnet – auch der von Muslimen. Der WDR hatte die redaktionelle Verantwortung für den Film. Arte lehnt eine Ausstrahlung ab. Der Film behandele das zentrale Thema „nur sehr partiell“ und entspreche nicht dem genehmigten Projekt. ARD und ZDF sind die deutschen Gesellschafter von Arte. „Ich kann nur für die Motive der Kolleginnen und Kollegen in der Programmkonferenz bürgen und darf Ihnen versichern, dass ehrenwerte und gute Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben“, begründete Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder die Entscheidung. Er antwortete auf einen offenen Brief von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, der die Ausstrahlung der Dokumentation gefordert hat.

Der WDR würde die Begründung teilen. In einem Informationsschreiben heißt es, dass Arte feststellen musste, „dass der Film im Wesentlichen nicht dem angemeldeten Programmvorschlag entsprach.“ Diese hätten laut den „Regeln für die Zusammenarbeit im Programmbereich“ bei der Programmkonferenz angemeldet werden müssen. Dessen ungeachtet sei die Sendung im April 2017 ohne weitere Bearbeitung an Arte geliefert worden. „Damit erfüllte sie nicht den von der Programmkonferenz formulierten Auftrag und konnte aufgrund dieses Regelverstoßes auf formaler wie auf editorialer Ebene nicht akzeptiert werden.“ Mit ihrer Entscheidung habe „die Programmdirektion die ihr im Gründungsvertrag zugewiesene Verantwortung wahrgenommen. Eine Zurückweisung des Films war unumgänglich.“, heißt es abschließend.

Zeigt Phoenix die Dokumenation?

Nun wird der Film einer erneuten Prüfung durch den WDR unterzogen. Bleibt Arte bei der Ablehnung, gehören die Erstausstrahlungsrechte dem WDR. Einfach so im eigenen Programm könne man den Film aber nicht zeigen, teilt der Sender gegenüber der Welt mit. Und: Die Abnahme durch die verantwortliche WDR-Redakteurin habe „offenbar nicht den üblichen in unserem Hause geltenden Standards“ genügt, da das Vier-Augen-Prinzip nicht eingehalten und das Justiziariat nicht eingebunden worden sei. Laut Welt darf Rollberg „nicht mit der Presse sprechen, um ihre Sicht darzustellen.“

So oder so: Eine Ausstrahlung, ob beim WDR oder woanders, steht offenbar noch in den Sternen. Laut Produzent Schröder habe es inzwischen eine Anfrage von dem ebenfalls öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix gegeben – das treffe jedoch nicht zu, heißt es von Seiten des Senders selbst. Eine Anfrage von Phoenix habe es nicht gegeben.

Im Prinzip könne der Film dank eines mit dem WDR geschlossenen Vertrags theoretisch in jeder ARD-Anstalt gezeigt werden, vermutet Schröder. Der WDR hingegen verweist auf die noch ausstehende Klärung mit Vertragspartner Arte. „Somit kann auch gerade keine andere ARD-Anstalt einfach den Film ausstrahlen“, heißt es gegenüber der Welt.

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