Anzeige

„My Shares“: Warum Axel Springer und ProSiebenSat.1 an ihre Mitarbeiter vergünstigt Aktien verkaufen

Gewinner und Verlierer des Medienjahres 2017: Springer-CEO Mathias Döpfner, P7S1-CEO Thomas Ebeling

Kurz vor Pfingsten beendete die Axel Springer SE ihr Programm, Mitarbeiter mit Aktien am Digitalverlag zu beteiligen. Dazu hat das Medienhaus erstmalig den Kreis der berechtigten Mitarbeiter deutlich erweitert. Auch ProSiebenSat.1 gibt seit 2016 Belegschaftsaktien aus. Die beiden Medienriesen gehören zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die Aktienprogramme besitzen.

Anzeige

Der Name ist Programm: „My Shares“. Im vergangenen Jahr gab ProSiebenSat.1 seiner Belegschaft erstmals die Gelegenheit, Anteile des Münchener TV-Konzerns zu erwerben. Sie könnten Aktien im Wert von 120 bis 1.000 Euro kaufen. Unabhängig vom Betrag legte ihnen der börsennotierte Medienriese steuerfrei zusätzliche Aktien im Wert von 350 Euro in ihr Depot. Wer die Anteilsscheine zudem drei Jahre hält, bekommt für jeweils drei Aktien eine gratis hinzu. Das Programm kommt in der Belegschaft gut an. „Über 1.800 Mitarbeiter haben 2016 in My Shares investiert, das entspricht einer Quote von fast 50 Prozent aller teilnahmeberechtigten Mitarbeiter“, erklärt eine ProSiebenSat.1-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Wann und in welchem Umfang in diesem Jahr das Programm fortgesetzt wird, hat Vorstandschef Thomas Ebeling aber noch nicht entschieden.

ProSiebenSat.1 hatte das Programm MyShares im vergangenen Jahr aufgesetzt, nachdem das Unternehmen in den Aktienolymp DAX aufgestiegen war. Der Kreis der Bevorzugten ist weit gefasst. Berechtigt sind alle Mitarbeiter von P7S1 Media SE sowie deren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften am Hauptsitz Unterföhring (einschließlich den Verkaufsbüros von SevenOne Media). Hinzu kommen Beteiligungen und Tochtergesellschaften an weiteren Standorten in Deutschland. Dabei richtet sich MyShares an alle festangestellten Mitarbeiter, deren Arbeitsverhältnis seit dem 1. Januar 2016 oder länger besteht. Zum Kreis gehören auch Mitarbeiter, die sich im Mutterschutz befinden, in Elternzeit sind oder ein Sabbatical nehmen. Gleiches gelte für Volontäre, Trainees, Auszubildende und duale Studenten, heißt es.

Deutlich ausgebaut hat das Berliner Medienhaus Axel Springer unter Führung von Mathias Döpfner sein Aktienbeteiligungsprogramm, das vergangene Woche endete. Bislang war ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Mitarbeitern bevorzugt. Doch dies habe sich geändert, erklärt eine Springer-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Erstmals können Mitarbeiter der SE sowie der hundertprozentigen Tochtergesellschaften in Belgien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien über das Programm direkt an der Unternehmensentwicklung partizipieren, heißt es. „Die Mitarbeiter, die am Aktienbeteiligungsprogramm teilnehmen wollen, müssen mindestens 50 Euro im Monat investieren, sie können maximal bis zu 20% ihres monatlichen Brutto-Grundgehaltes beziehungsweise 4.000 Euro investieren“, erklärt eine Firmensprecherin die Bedingungen. Im letzten Monat des Teilnahmezeitraums würden Mitarbeiter „vom Arbeitgeber einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent auf den von ihnen investierten Gesamt-Brutto-Betrag“ erhalten, der in zusätzliche Aktien gewandelt werden kann. Im Rahmen des Aktienprogramms erworbene Wertpapiere seien darüber hinaus dividendenberechtigt.

ProSiebenSat.1 und Axel Springer gehören zu den wenigen deutschen Großunternehmen, die Mitarbeiteraktien ausgeben. Denn nach Angaben eines Sprechers des Deutschen Aktieninstituts (DAI) sind Belegschaftsaktionäre wenig verbreitet. In Deutschland halten lediglich 1,1 Millionen Menschen Anteilsscheine des eigenen Unternehmens. Als Grund nennt ein DAI-Sprecher die geringen steuerlichen Anreize sowie die wenig ausgeprägte Aktienkultur in Deutschland. Denn das „T-saster“ nach dem Börsengang der Telekom-Aktie sitzt bei vielen Bundesbürgern tief. Nach heftigen Kurskapriolen ist die Notierung der einstigen Volksaktie mit heute 17, 33 Euro nicht weit entfernt vom damaligen Ausgabepreis von rund 14,50 Euro. Damit haben die Anteilseigner der ersten Stunde lediglich von den Dividenden profitiert. Wer zu Hoch-Zeiten einstieg, hat kräftige Verluste hinnehmen müssen. Zudem hat die Finanzkrise 2008 dazu geführt, dass die Zahl der Aktienbesitzer zurückgegangen ist. Vor diesem Hintergrund halten sich viele Unternehmen zurück, ihren Mitarbeitern Belegschaftsaktien anzubieten. So gewährt nach Angaben des DAI-Sprechers lediglich die Hälfte der DAX-Unternehmen ihren Arbeitnehmern Anteilsscheine des eigenen Unternehmens – darunter der Münchener Technologiekonzern Siemens.

In Frankreich und Großbritannien hingegen sind die Zahlen der Belegschaftsaktionäre drei- bis viermal so hoch. Die Konzerne nutzen die Aktienprogramme, um die Motivation der Belegschaft zu steigern. Zudem soll die Maßnahme dazu führen, dass sich die Arbeitnehmer stärker mit der Gesellschaft identifizieren. Vielfach setzen die Vorstände die Belegschaftsaktien ein, um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Vor allem im Top-Management sind sie in der Regel ein wichtiger Bestandteil der Vergütung. Für Inhaber von Mitarbeiteraktien der Axel Springer SE sind die Anteilsscheine finanziell vorteilhaft. Arbeitnehmer, die beim Start des Programms 2011 Aktien erwarben und seither hielten, profitierten erheblich von Kurssteigerungen und Dividenden. Bewegte sich die Notierung damals noch bei rund 41 Euro, ist der Kurs heute inzwischen deutlich auf 57,32 Euro geklettert. Zudem hat der Berliner Konzern in den vergangenen Jahren kräftig Dividenden gezahlt. Zuletzt schüttete das Unternehmen für das vergangene Geschäftsjahr 1,90 Euro je Anteilsschein aus. Das entspricht einer Rendite – bezogen auf den aktuellen Kurs – von weit mehr als drei Prozent.

Anzeige