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„Großes Kino“ oder „komplett sinnloser Knall“-Effekt? Dortmunder „Tatort: Sturm“ spaltet Fans und Kritiker

Der "Tatort: Sturm" aus Dortmund hatt bereits vor der Ausstrahlung für viele Diskussionen gesorgt

Selten hat ein „Tatort“ für so viel Diskussionen gesorgt, wie der „Tatort: Sturm“: Der ARD-Krimi aus Dortmund wurde nach dem Anschlag in Berlin verschoben, nach dem Sprengstoff-Attentat auf den BVB-Bus nicht – im Netz schreiben Zuschauer, dass ihne die Terror-Thematik an die Nieren ging. Aber auch, wie packend sie den Fall am Ostermontag fanden. Von den Kritikern gab es Lob, aber auch Verrisse.

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Im „Tatort: Sturm“ bekommen es die Dortmunder Kommissare Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) mit einem flüchtigen Terroristen zu tun – auch ein Sprengstoff-Anschlag spielt in dem Kriminalfall des WDR eine Rolle. Der TV-Krimi weist damit nicht nur geographisch sondern auch thematisch eine brisante Nähe zu der Bombenattacke auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund auf, der vergangenen Dienstag die Schlagzeilen bestimmt hat.

„Der Tatort kann aufgrund seiner zeitaktuellen inhaltlichen Ausrichtung der Realität nicht ausweichen“, verteidigte der WDR auf Nachfrage von MEEDIA den Ausstrahlungstermin am Ostermontag. Der Hintergrundgeschichte zum Trotz: Der Terror-„Tatort“, der ursprünglich am Neujahrstag ausgestrahlt werden sollte, wurde bereits aus „Rücksicht auf die Opfer, ihre Angehörigen, Betroffene und das Empfinden von Zuschauern“ des Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche verschoben, so damals ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Dass sich die Senderverantwortlichen Kritik an einer insgesamt wenig schlüssigen Argumentation gefallen lassen müssen, war daher abzusehen.

Doch zeigten die Zuschauer auch Verständnis für die Entscheidung. Die Nähe zu den aktuellen Ereignissen müsse man dennoch erst einmal „sacken lassen“, manch einem ist die Terror-Thematik „zu sehr an die Nieren“ gegangen.

Doch: Trotz eher überschaubaren 8,74 Millionen Zuschauern im Gesamtpublikumscheint der „Tatort: Sturm“, zumindest in den sozialen Netzwerken, überwiegend gut angekommen zu sein. Auch oder gerade weil der TV-Krimi sich nicht vor aktuellen Themen wie dem Terror sperrt.

Allerdings scheint Markus Ehrenberg vom Tagesspiegel mit seinem Lob für den „Tatort: Sturm“ eher allein dazustehen:

Seien wir froh, dass uns die ARD mit dem „Tatort“ nicht für dümmer verkauft, als wir sind. Für empfindsamere Zuschauer gibt es den Aus-Knopf. Sie verpassen einen schnörkellosen, fast in Echtzeit erzählten Krimi (…) Ein bisschen „24“, jener US-Echtzeit-Thriller, es herrscht Daueralarm (…).

Für Christian Buß von Spiegel Online wurde der „Tatort“ durch die aktuellen Ereignisse lediglich künstlich aufgeladen:

Den Dschihad als deutsches Familiendrama zu erzählen, geht nicht auf. Seine Sprengkraft verdankt dieser „Tatort“ vor allem den Parallelen zum Berliner Anschlag. Die Figuren aber bleiben Behauptung, trotz geschmeidiger Monologe erscheint ihr Handeln unglaubwürdig.

Auch Christoph Cöln von der Welt urteilt:

Richtig ärgerlich ist, dass der Dschihad hier lediglich als Brandbeschleuniger für den Plot dient. Auch die zum Terror verführten Jugendlichen kommen über Statistenrollen nicht hinaus. Selbst die provokative Wendung der Autoren Martin Eigler und Sönke Lars Neuwöhner, die eigentlichen Ursachen des Terrors in der Gier und Rachlust des Westens zu verorten, verpufft völlig. Sie ist nur ein weiterer dramaturgischer Kniff, um schnell zum Höhepunkt zu kommen. Dem heiklen Thema wird man so nicht gerecht.

„Es sollte halt nach mehr aussehen“, kritisiert Matthias Dell von Zeit Online.

Damit wäre man bei der wohl besten Antwort auf die ganzen Verschiebediskussionen. Die ließe sich vermeiden, wenn die ARD gerade bei so einem sensiblen, weil aufregenden Thema wie Terror nicht derart halbgare Filme produzieren würde. Sturm ist nämlich kein Film über Terror, sondern eine Raub- und Erpressungsgeschichte im Familienverbund, die sich mit den Attributen des Terrors nur pimpt: Moscheebesuch, deviante Jugendliche und der große, komplett sinnlose Knall am Schluss erscheinen hier wie Tieferlegen, Alufelgen und Heckspoiler beim Auto. Es soll halt nach mehr aussehen.

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