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Ex-Bild-Herausgeber Kai Diekmann: „Ich muss die Oberfläche Papier bis zum letzten Blutstropfen verteidigen“

Kai Diekmann hat der Kleinen Zeitung ein Interview gegeben

Die Kleine Zeitung aus Österreich hat den ehemaligen Bild-Herausgeber Kai Diekmann zum Interview getroffen. Diekmann zeigt in dem Gespräch auf, wie er sich eine tragfähige Zukunft für digitale Medien vorstellt. Paid Content und Print gehören für ihn dazu.

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„Es muss klar sein, dass guter Journalismus Geld kostet. Was nichts kostet, ist auch meistens nichts“, so Kai Diekmann im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Das Bekenntnis zu Paid Content verwundert nicht, denn immerhin hat Diekmann bei Deutschlands größtem Boulevardmedium mit Bild Plus auch ein Paid Content-System eingeführt. Nur verkaufen sei aber auch keine Lösung. Am Ende müsse es ein Mix aus verschiedenen Erlös-Modellen sein, so Diekmann: „Es ist zu kurz gesprungen, wenn wir sagen, wir verkaufen unsere Inhalte einfach digital. Das reicht nicht in der digitalen Welt, weil das andere besser können.“

Gleichzeitig gibt Diekmann Verlagen den Ratschlag, ihre Print-Ausgaben nicht zu früh abzuschreiben. „Ich muss die Oberfläche Papier bis zum letzten Blutstropfen verteidigen“, rät Diekmann den Verlagen. Gedruckter Journalismus werde anspruchsvoller, große Marken werden laut Diekmann „lange Freude an ihren Print-Ausgaben haben“. Solche Aussagen könnte man auch als Empfehlungsschreiben in eigener Sache werten. Immerhin ist noch komplett unklar, wohin es Diekmann beruflich als nächstes ziehen wird.

Um den Berufsstand Journalist ist dem Ex-Bild-Herausgeber jedenfalls nicht bange: „Wir erleben im Zusammenhang mit Fake News den Wert von professionellem Journalismus. Der Glaube, dass mit dem Internet jeder sein eigener Journalist sein könne, war ein Irrglaube“, so Diekmann.

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