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„Ohrfeige für alle Freien“ – Freitag-Verleger Augstein wehrt sich gegen DJV-Vorwürfe, eine Autorin im Stich gelassen zu haben

Stand in einem Rechtsstreit nicht an der Seite seiner Autorin Petra Reski: Verleger Jakob Augstein

Die freie Autorin Petra Reski, Expertin für Mafia-Themen, fühlt sich von der Wochenzeitung Der Freitag im Stich gelassen. Als sie wegen eines dort erschienen Artikels von einem Geschäftsmann auf Unterlassung verklagt wurde, ließ die Zeitung sie auf den Kosten sitzen. Der DJV bezeichnet dies als „Ohrfeige für alle Freien“. Freitag-Verleger Jakob Augstein widerspricht. Er hält es für richtig, dass die Autorin ihre Rechtskosten selbst trägt, da sie „ihre Vorwürfe nicht belegen konnte“.

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In der Sache geht es um den Artikel „Die Bosse mögen’s deutsch“ aus dem Freitag vom 17. März 2016. Darin beschrieb Pera Reski Deutschland als wichtige Basis für die kriminellen Aktivitäten der Mafia, mit besonderem Schwerpunkt auf Ostdeutschland. Dort könnten „die Verbrecher fast ungestört walten“, wie es im Inhaltsverzeichnis des Freitag heißt. Der Artikel selbst wurde aus dem Online-Archiv entfernt.

Grund ist die Klage eines Geschäftsmanns aus Leipzig, der im Text mit seinem Namen genannt wurde. Das Landgericht Leipzig gab dem Kläger recht. Wie die FAZ in einer Rekonstruktion des Falles schreibt, wurde Petra Reski am 24. Februar 2017 auf Unterlassung der Verbreitung verurteilt und das Urteil gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 5.000 Euro für vorläufig vollstreckbar erklärt. Die FAZ verweist darauf, dass es Praxis ist, dass eine Zeitung einer Autorin oder einem Autoren rechtlich beisteht, wenn es Ärger gibt. „Der Freitag aber hat gar nicht erst versucht, seiner Autorin beizuspringen, sondern den Artikel ohne Rücksprache mit ihr gleich von der Internetseite gelöscht“, schreibt die FAZ, „damit übernimmt Augstein nicht nur ungeprüft die Entscheidung aus Leipzig, sondern diskreditiert auch die zuvor von der Zeitung geschätzte Autorin und teilt mit, was eine freie Mitarbeit beim Freitag bedeuten und kosten kann.“

Freitag-Verleger Jakob Augstein sagte der FAZ dazu: „Redaktionen sind keine Rechtschutzversicherung für mangelhafte Recherche.“ Für den Deutschen Journalisten Verband (DJV) kommentierte Hendrik Zörner den Fall: „Kein Wort darüber, dass Petra Reski seit Jahren über die Mafia recherchiert, dass sie als Expertin auf diesem Gebiet gilt. Augsteins Satz ist eine Ohrfeige für alle Freien.“

Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt Jakob Augstein: „Wenn wir Artikel von Autoren in der Zeitung drucken, müssen wir uns auf gewissenhafte Recherchen verlassen. Wenn es dennoch zu rechtlichen Problemen kommt, stehen wir selbstverständlich zu unseren Autoren. Das haben wir in der Vergangenheit so gehalten und werden es auch künftig tun.“ Der Fall Petra Reski sei jedoch besonders gewesen. Sie habe in ihrem Text einen Klarnamen genannt, von dem sie gewusst habe, dass sie ihn nicht nennen durfte. „Wir haben den Fehler begangen, diesen Namen abzudrucken.  Ganz ausdrücklich: das war unser Fehler, den wir  sehr bedauern“, so Augstein. Gegenüber der Gegenseite habe Der Freitag die Kosten übernommen. Dass Frau Reski ihre Rechtskosten selbst zahlen muss, hält der Verleger nach wie vor für richtig. „Sie hat ihren Prozess verloren – weil sie ihre Vorwürfe nicht belegen konnte“, so Augstein.

Die Tatsache, dass OK-Vorwürfe (Organisierte Kriminalität) schwer zu belegen sind, entbinde einen nicht von der der journalistischen Sorgfaltspflicht, so Augstein weiter. Immerhin hatte derselbe Kläger laut FAZ bereits in einem weiteren Fall vor der Veröffentlichung des Freitag-Artikels Recht bekommen. Damals hatte er dagegen geklagt, dass er in dem MDR-Beitrag „Provinz der Bosse – Die Mafia in Mitteldeutschland“ identifizierbar dargestellt worden sei. Frau Reski bezog sich in ihrem Freitag-Text auf jenes Urteil zur MDR-Dokumentation. Sie hat also offenbar gewusst, dass die Nennung des Namens rechtlich heikel sein muss.

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