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„Nazi-Blättern gibt man keine Interviews“ – oder doch? Dunja Hayalis kontroverser Auftritt in der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit

Überraschung: Dunja Hayali hat der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit ein langes Interview gegeben

Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali gilt vielen als Vorbild in Sachen Haltung und Kampf gegen rechte Gesinnung und Rassismus. Dafür ist sie aber auch oftmals Anfeindungen ausgesetzt. Jüngst erhielt ihre Dankesrede bei der Goldenen Kamera Preisverleihung große Aufmerksamkeit, in der sie sich gegen Hass und Hetze aussprach. Umso erstaunlicher scheint, dass Hayali nun der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit ein langes Interview gab. Sowohl für die Journalistin als auch für die Zeitung ist die Story riskant.

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Dunja Hayali in der Jungen Freiheit (hier eine Kurzfassung). Wer hätte das gedacht? Die ZDF-Journalistin, die im Zweiten das „Morgenmagazin“ präsentiert und in der Sommerpause von „Maybrit Illner“ durchaus erfolgreich die Talkshow „Donnerstalk“, ist in jüngerer Zeit vor allem auch wegen ihrer kompromisslosen Haltung gegen rechtes Gedankengut und Hetze aufgefallen. Besondere Bekanntheit erlangte etwa ihre Reportage, bei der sie auf einer AfD-Demonstration versuchte, mit Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Auch bei Facebook und Twitter meldet sich Hayali regelmäßig zu Wort und sie ist bei der Anti-Rassismus-Initiative „Gesicht zeigen“ mit dabei. Vor allem auch wegen dieses Engagements erhielt sie jüngst die Goldene Kamera in der Kategorie „Beste Information“. In ihrer Dankesrede hielt sie einmal mehr ein Plädoyer gegen Hass und Rassismus.

Die Rede fand in den Medien große Beachtung. U.a. sagte sie:

Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendetwas bringt, dieser ganze Hass? Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns. Diskutieren Sie mit uns. Weisen Sie uns auf Fehler hin. Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen. Wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner.

Offenbar war es dieser Auftritt, der nun zu einem Interview mit Hayali in einem eher unwahrscheinlichen Medium führte. Die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit steht für vieles, was Hayali immer wieder kritisiert und bekämpft. Nun widmete die Zeitung der streitbaren Journalistin sogar die Titelstory. In dem Gespräch, das fast eine ganze Seite einnimmt, geht es vor allem auch um ihre Goldene-Kamera-Rede. Gleich zu Beginn sagt sie: „Man sollte auch einmal ‚in den Schuhen des anderen wandeln‘. Und das geht am besten, wenn man anderen persönlich begegnet, sich auch emotional für ihre Sicht öffnet – auch wenn ich mich eigentlich lieber auf Fakten konzentriere.“

Das Gespräch bleibt dann weitgehend harmlos. Streit oder harte Auseinandersetzung und ein echter Austausch von Argumenten finden nicht statt. Hayali sagt, dass sie Hass und Gewalt von jeder Seite ablehnt, dass ihre Rede bei der Goldenen Kamera spontan gewesen sei („Eigentlich wollte ich nur – auch im Namen meiner Mannschaft – danke sagen, danke für die Anerkennung, die dieser Preis bedeutet und gar nicht dieses ‚Faß aufmachen‘, was dann zu so ungeahnten Reaktionen geführt hat.“), dass sie es wichtig findet, dass Journalisten auch eine Haltung haben usw. Nichts, das im Prinzip nicht jeder unterschreiben würde, auch bei der Jungen Freiheit. Die Frage, warum sie „nicht auch mal eine Reportage über Ausgrenzung und Diskriminierung von Konservativen“ mache, nimmt Dunja Hayali als „berechtigte Frage und guten Hinweis“ auf.

Die haltlose Behauptung der Jungen Freiheit, dass Konservative in den öffentlich-rechtlichen Medien „fast jeden Tag verbal ausgegrenzt, lächerlich gemacht, beleidigt und verleumdet“ würden, bleibt unwidersprochen. Frau Hayali fragt lediglich zurück, ob denn etwa der Islamkritiker Ahmed Mansour diskriminiert würde, worauf die Junge Freiheit entgegnet: „Sie haben recht: Gilt – bis zu einem gewissen Grad – nicht für Menschen mit Migrationshintergrund oder ehemals linksextremer Biographie.“ An dieser Stelle zumindest hätte die Goldene-Kamera-Preiträgerin einhaken können.

Aber auch ohne echte Auseinandersetzung sorgt die bloße Tatsache, dass Hayali in der Jungen Freiheit auftritt, für Zündstoff. Bei Twitter und Facebook wird das Interview der Moderatorin kontrovers diskutiert:

Dunja Hayali selbst hat auf Facebook angegeben, sich aktuell auf einer Drehreise zu befinden und in Kürze ihre Beweggründe für das Interview zu erklären. Für Anhänger Hayalis und solche der JungenFreiheit ist der Auftritt in der Zeitung vermutlich irritierend. Aber trotz der weitgehenden Inhaltslosigkeit des Interviews: Dass beide Seiten überhaupt zu einem Gespräch bereit waren, ist wohl die eigentliche Botschaft und das macht Hoffnung.

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