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Das Prinzip Breitbart: die Einstellung von „Mona Lisa“ und die plötzliche Liebe des ZDF zu Constructive Journalism

Das ZDF-Magazin "Mona Lisa" wird nach fast 30 Jahren abgesetzt

Das ZDF setzt nach fast 30 Jahren das Magazin „Mona Lisa“ ab und will stattdessen verstärkt Constructive Journalism machen, wie Chefredakteur Peter Frey unlängst in einem Interview mitteilte. Für MEEDIA hat sich Hasso Mansfeld in einem Kommentar Gedanken darüber gemacht, was Constructive Journalism zu Ende gedacht eigentlich bedeutet. Im Extremfall kann man an dem rechtsextremen US-Medium Breitbart besichtigen was passiert, wenn ein Medium sich sein eigenes Weltbild zimmert.

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Ein Gast-Kommentar von Hasso Mansfeld

Das ZDF hat beschlossen, das Wochenformat „ML Mona“ Lisa ab Juli 2017 nach fast 30 Jahren Sendezeit endgültig einzustellen. Hier wurden neben unterhaltenden Frauenthemen immer auch solche journalistisch bearbeitet, um die andere einen großen Bogen machten. Man verhandelte die Abtreibungsdebatte ebenso, wie man die Kamera direkt auf die geschundenen Frauen und Kinder des Balkankrieges richtete. Nein, nicht voyeuristisch, sondern bewegte Bilder, generiert von einem schonungslosen Journalismus.

Seit einem umfangreichen Relaunch bezog „Mona Lisa“ dann 2011 sogar hochoffiziell noch „Männer & mehr“ mit ein. Berichtet wurde von da an „was Frauen und Männer im 21. Jahrhundert bewegt.“ Aber warum überhaupt ein Frauenmagazin? Nun: weil der öffentlich-rechtliche Sendebetrieb die Aufgabe hat, alle gesellschaftsrelevanten Themen abzudecken. Und dazu gehört schon deshalb ein Frauenmagazin, weil es zweifellos spezielle Themen über Frauen gibt, wie die aktuelle Debatte um Ungleichbezahlung und digitale Empörungen wie  #Aufschrei.

Der Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, hat sich nun entschieden  „ML Mona Lisa“ abdanken zu lassen. An dessen statt will er nun Dokumentationen. Und die sollen ausgerechnet unter dem Etikett „Constructive Journalism“ produziert werden. Nein, nicht einmal mit eigenen Kapazitäten, sondern outgesourct, hin zu einer Anzahl von privaten Produktionsfirmen, hin zu beispielsweise Spiegel TV.

 Sagen wir es, wie es ist: Diese Entscheidung bedeutet also, dass man sich nicht nur von ML Mona Lisa trennt, sondern auch immer weiter davon, den an das ZDF gestellten Informationsauftrag zu erfüllen, wenn man immer mehr gesellschaftliche relevante Formate außerhalb des Hauses produzieren läßt. Dabei ist der Auftrag an das öffentlich-rechtliche Zweite deutsche Fernsehen klar definiert und eigentlich nicht verhandel- oder veräußerbar. Warum also outsourcen, was man mit den eigenen Leuten hinbekommen könnte?

Wie der Adipöse vor dem All-you-can-eat-Buffet schauen die Programmmacher auf diesen Constructive Journalism. Konstruktiver Journalismus ist per Definition eine Strömung im Journalismus, die Prinzipien aus der positiven Psychologie in den Journalismus implantiert. Berichtet werden soll nur noch über positive Entwicklungen: Ziel ist es, ein einseitiges und negatives Weltbild bei den Lesern zu verhindern.

In der Umkehrung wäre das allerdings ein wunderbares Instrumentarium für Despoten und Anti-Demokraten, um Revolutionen und Aufstände zu verhindern beziehungsweise um kritisches Hinterfragung der eigenen Behauptungen zu unterbinden. Da darf man sich wundern, warum einer wie Donald Trump noch kein Verfechter dieses Constructive Journalism ist. Oder ist er es längst?

Jedenfalls erscheint das Portal „Breitbart“ wie Paradebeispiel für einen Journalismus, der ein bestimmtes Weltbild zur Grundlage hat und daraus abgeleitet Lösungsvorschläge anbietet. Was Breitbart mit den neusten Entwicklungen beim ZDF zu tun hat? Das Prinzip ist dasselbe. Man legt sein eigenes Weltbild zu Grunde und behauptet, dass unter Beachtung dieses Prinzips eine bessere Welt entstünde. Legt man sich nun aber journalistisch auf ein ganz bestimmtes Weltbild fest, muss man automatisch jedes andere ausgrenzen. Und Ausgrenzung, soviel haben wir immerhin gelernt, bedeutet Konflikt, bedeutet Dissens, bedeutet Spaltung der Gesellschaft. Oder bezogen auf die journalistische Tätigkeit, bedeutet es die Verletzung des Neutralitäts- und Chronisten-Prinzips. Nein, das ZDF darf außerhalb von als solche klar gekennzeichneten Kommentaren nicht politisch Stellung beziehen.

Da mag man kurz erinnern wollen an den langjährigen Intendanten des Hauses, an Dieter Stolte. Der wird gerne mit dem Satz zitiert: „Ich fürchte Weltverbesserer.“ Ist Peter Frey heute jemand, vor dem man sich fürchten muss?

Aber gut, lassen wir uns doch mal auf das Experiment ein, noch dazu innerhalb eines Kommentars und beziehen eindeutig Stellung: Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es – neben der Unterhaltung den Bürger – zu informieren. Über die Welt wie sie ist und nicht, wie sie sein sollte. Und das kann man am besten gewährleisten, wenn man vehement Stellung bezieht gegen experimentellen, weltverbessernden Journalismus, gegen einen Journalismus, der die Welt, wie sie ist, neu konstruieren möchte, als hätte er jemals das Handwerkzeug dazu gehabt.

Über den Autor:
Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Hasso Mansfeld schreibt außerdem regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de.

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