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WDR bearbeitet umstrittene Geert Wilders-Doku nach Antisemitismus-Vorwürfen

Umstrittene WDR-Doku über Geert Wilders

Am 8. März zeigte der WDR anlässlich der Wahl in den Niederlanden eine Dokumentation über Geert Wilders, den rechtspopulistischen Führer der Partei PVV, der sein Wahlziel verfehlte. Die Doku beruhte größtenteils auf älterem Material. Darin kam der islamistische Hassprediger Scheich Yasin zu Wort und es wurde angedeutet, hinter Wilders politischem Aufstieg könnte eine jüdische Verschwörung stecken. Der WDR hat den Film nach der Antisemitismus-Kritik bearbeitet und um einige der beanstandeten Stellen gekürzt.

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So fehlt in dem nunmehr wieder in der Mediathek zur Verfügung gestellten Film die Passage mit Scheich Yasin. Auch einige andere Stellen wurden entfernt, etwa eine Montage, die Wilders vor der israelischen Flagge zeigte oder ein Hinweis auf die Zahl der Suchtreffer, wenn man „Geert Wilders“ und „Israel“ im Internet sucht. U.a. das Bildblog hatte die doch zahlreichen Merkwürdigkeiten in der Dokumentation aufgelistet, die zusammengenommen in den Köpfen der Zuschauer das Bild einer jüdischen Verschwörung suggerieren könnten. Der WDR räumte in einer ersten Stellungnahme ein, dass die Rolle von Scheich Yasin hätte eingeordnet werden müssen, weist den Antisemitismus-Vorwurf aber zurück.

Obwohl es ansonsten angeblich keinen Grund zur Beanstandung gab, wurde der Film kurzzeitig aus der Mediathek entfernt und wie beschrieben bearbeitet. Andere Stellen, etwa O-Töne von Wilders-Fans, die auch Mitglieder einer radikal-jüdischen Vereinigung sind oder Verbindungen zu Finanziers der Wilders-Partei PVV in den USA, die ebenfalls Juden sind, blieben im Film enthalten. Der bearbeitete und um rund vier Minuten gekürzte Film erweckt nun allerdings nicht länger den Eindruck, hier könnte eine jüdische Verschwörung am Werk sein.

Auf Anfrage von MEEDIA teilte der WDR mit: „Den Vorwurf, antisemitische Ressentiments zu schüren, weisen wir weiterhin zurück. Der kritisierte Teil in der Dokumentation stellt die Fakten korrekt dar. Gleichzeitig mussten wir aufgrund einiger Rückmeldungen feststellen, dass diese Passage teilweise einen missverständlichen Eindruck erwecken kann. Wir haben die Kritik ernst genommen und aus diesem Grund entschieden, den Film auch an dieser Stelle zu bearbeiten.“

Dabei hätte man beim Sender über die Problematik mit Scheich Yasin durchaus Bescheid wissen könnten. Wie das Bildblog dokumentiert, wurde das Material bereits 2011 von der britischen BBC ausgestrahlt und schon da gab es Beschwerden wegen der Darstellung des Predigers, auf die die BBC ähnlich wie nun der WDR reagierte. Auch der BBC-Beitrag wurde zunächst entfernt und bearbeitet.

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