Peinliche Panne: Süddeutsche Zeitung blickt in eine alternative Zukunft und sieht Merkel schon im Flieger zu Trump

Für Menschen, deren Wohnort etwas schwieriger zu erreichen ist, hat sich die Süddeutsche Zeitung am gestrigen Montag einen besonderen Service ausgedacht: Sie schaute in die Zukunft. Leider sah sie eine alternative Version der kommenden Ereignisse. So berichtet der SZ-Aufmacher noch vom Abflug Angela Merkels zu Donald Trump. Dumm nur, dass dieser wegen eines Schneesturms ausfiel.

Unter der Überschrift „Merkel soll Trump überzeugen“ schreibt Wirtschaftsressortleiter Marc Beise: „Unter hohem Erwartungsdruck deutscher Manager und Unternehmer ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Besuch bei Präsident Donald Trump in Washington aufgebrochen. Merkels erstes Treffen mit dem neuen US-Staatsoberhaupt gilt der deutschen Wirtschaft als entscheidend für das weitere Verhältnis der Staaten.“

Tatsächlich hob die Kanzlerin nicht ab. Telefonisch vereinbarte der US-Präsident mit Angela Merkel, den Termin auf Freitag zu verschieben. In Washington zog ein beachtlicher Schneesturm auf, der eine Landung wohl unmöglich gemacht hätte.

Natürlich änderte die Süddeutsche Zeitung ihre Titelstory. Später hieß es unter der Headline „Merkels Besuch bei Trump verschoben“ nun zum Texteinstieg: „Bundeskanzlerin Angela Merkel steht vor ihrem überraschend verschobenen Treffen mit US-Präsident Donald Trump unter hohem Erwartungsdruck deutscher Manager und Unternehmer.“

Bei Blendle ist die alte Version des Aufmacher-Textes noch zu lesen und auch die Internet-Adresse der überarbeiteten Story trägt noch die alte Überschrift.

Formal war der Aufmacher wohl gar richtig falsch. Denn Merkel war insofern schon „aufgebrochen“, dass sie mit dem gesamten Wirtschafts-Tross schon im Flieger saß.

Für derartige Fehler sind Tageszeitungen alleine schon wegen der Drucktechnik immer wieder anfällig. Die Andruck-Zeiten oder auch lange Vertriebswege machen es nötig, dass schon sehr früh am Nachmittag erste Versionen einer Ausgabe fertig gestellt werden müssen. Dass allerdings gerade die Süddeutsche Zeitung Texte veröffentlicht, die in die Zukunft schauen, ist die Redaktion, die sonst sehr viel Wert auf Qualität und Genauigkeit legt, durchaus peinlich. Wie viele der falschen Titelgeschichten gedruckt und in den Handel gekommen sind, ist noch unklar. Eine entsprechende MEEDIA-Anfrage wurde noch nicht beantwortet.