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Kai Diekmanns Werbe-Auftritt für die Türkei: „Wenn wir nicht mehr in die Türkei reisen, bestrafen wir die Falschen“

"Diese Türkei zu unterstützen ist mir ein Anliegen" - Ex-Bild-Chef Kai Diekmann wirbt für Reisen in die Türkei

Am heutigen Dienstag liegt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Werbebeilage bei, die die Türkei als Urlaubsland anpreist. Mittendrin ein Interview mit dem ehemaligen Bild-Herausgeber Kai Diekmann, der von der Türkei schwärmt („Meine Familie und ich sind Riesen-Türkei-Fans“). In Zeiten, in denen der türkische Staatspräsident Erdogan Nazi-Vergleiche  für Deutschland bemüht und der Welt-Korrespondent Deniz Yücel in der Türkei in Haft sitzt, wirkt dies auf manche deplatziert. Diekmann meint: Wer nicht mehr in die Türkei reist, bestraft die Falschen.

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Kai Diekmann ist schon lange Türkei-Fan. Seit 2004 sitzt er im Board der türkischen Zeitung Hürriyet, über Social Media hat er immer wieder Bilder von seinen Türkei-Aufenthalten veröffentlicht. Im einseitigen Interview in der Tourismus-Werbebeilage der FAZ schwärmt er von Bodrum, dem türkischen Wein und scharfer Köfte. „Die Türkei, die ich kennengelernt habe, ist so weltoffen wie jedes andere europäische Land, vielleicht sogar ein Stück weltoffener, als wir das im alten Europa mitunter sind“, sagt er im Interview.

Weltoffene Türkei? Solche Worte klingen merkwürdig, wenn man sie in diesen Tagen von einem der bekanntesten Medienköpfe hierzulande liest. Ansonsten dominieren mahnende Worte wegen des in der Türkei inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel und den Ausfälligkeiten des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, der sich anschickt, die Türkei in einen autokratischen Staat umzuwandeln. Auf Twitter wurden einige auf Diekmanns Werbe-Auftritt für die Türkei aufmerksam:

Auf die Frage von MEEDIA, ob ein solcher Werbe-Auftritt für das Tourismus-Ministerium der Türkei zu dieser Zeit nicht unpassend gewählt ist, sagt Diekmann: „Diese Beilage ist zum jetzigen Zeitpunkt genau richtig platziert. Ich wünsche mir, dass wir zu den Menschen in der Türkei Kontakt halten und Kontakt pflegen, die dort schon lange unter dem Druck von Erdogan stehen. Nur wir interessieren uns erst jetzt richtig dafür, weil mit Deniz Yücel jemand betroffen ist, der auch einen deutschen Pass hat. Das finde ich offen gesagt ein bisschen traurig.“

Er mache außerdem keine Werbung für den Tourismus-Minister, sondern für das Land. „Die Menschen in der Türkei, die ich dort im Urlaub treffe sind genau die, die von Erdogan schon seit Jahren unter Druck gesetzt werden. Ihren Lebensstil zu verteidigen, muss doch auch unser Anliegen sein. Es ist doch Wahnsinn, dass beispielsweise nicht mehr für den wunderbaren türkischen Wein geworben werden darf, weil das Erdogans islamischer AKP nicht passt“, so Diekmann. Der langjährige Bild-Chefredakteur hat seine Tätigkeit als Herausgeber der Bild Ende Januar aufgegeben. Im Falle der Türkei hält er es für wichtig, zwischen Erdogan und der Türkei zu unterscheiden: „Die Türkei ist nicht Erdogan – zum Glück. Ein großer Teil der Gesellschaft in der Türkei fühlt sich unseren Werten verbunden, orientiert sich nach Europa. Städte wie Istanbul oder Bodrum vibrieren vor Lebenslust, genau wie London Paris oder Berlin. Diese Türkei zu unterstützen ist mir ein Anliegen. Wenn wir jetzt nicht mehr in die Türkei reisen, bestrafen wir genau die Falschen.“

Die Werbe-Beilage wurde von der Berliner Agentur B34 Media aus Berlin produziert. Es handelt sich dabei nicht um eine Auftragsarbeit für das türkische Tourismus-Ministerium, wie Agenturchef Murat Tosun gegenüber MEEDIA sagt, sondern die Beilage werde durch die Anzeigen (u.a. Turkish Airlines, Hotel Merika) finanziert. Das Tourismus-Ministerium hat allerdings auch Anzeigen in der Beilage geschaltet.

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