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Wie Richard Gutjahr mit einer Amazon Rezension die Verschwörungstheoretiker vom Kopp Verlag austrickst

Richard Gutjahr, Verschwörungsjahrbuch aus dem Kopp Verlag

In dem Jahrbuch „verheimlicht – vertuscht – vergessen 2017: Was 2016 nicht in der Zeitung stand“ verbreitet der Kopp-Autor Gerhard Wisnewski erneut krude Verschwörungstheorien, weil der Journalist Richard Gutjahr den Terroranschlag von Nizza und den Amoklauf von München vergangenes Jahr aus der Nähe erlebte. Gutjahr kontert mit einer erklärenden Amazon-Rezension und bittet seine Facebook-Community um Hilfe – mit Erfolg.

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Richard Gutjahr war am 14.Juli, dem französischen Nationalfeiertag, mit seiner Familie zufällig vor Ort als der schreckliche Terroranschlag von Nizza geschah, bei dem ein Attentäter mit einem Lkw in die Menge feiernder Menschen raste. Gutjahr filmte den Fahrt aufnehmenden Lkw von seinem Hotelzimmer aus und stellte die Bilder später TV-Sendern zur Verfügung. Eine Woche später hielt sich Gutjahr erneut in der Nähe einer schrecklichen Tat auf. Er befand sich in der Nähe des Amoklaufs von München. Für Verschwörungstheoretiker vom Schlage eines Gerhard Wisnewski sind das zu viele Zufälle. Dass Gutjahr mit einer ehemaligen Abgeordneten des israelischen Parlaments verheiratet ist, die laut Wikipedia ihren Militärdienst in Israel beim Geheimdienst abgeschlossen hat, macht Gutjahr für Wisnewski zum verlängerten Arm des Mossad. Bereits online orakelte der Kopp-Autor, dass Gutjahr möglicherweise von seiner Frau vorab über den Anschlag und den Amoklauf informiert gewesen sein könnte.

Dass Gutjahrs Familie in Nizza lebte und er in München arbeitet, das stört beim Zimmern solche Verschwörungsgebäude nicht. Auch nicht, dass der eine Fall ein Terror-Anschlag war und der andere ein Amoklauf und beide Ereignisse nichts miteinander zu tun hatten. Im folgenden entstanden im Web zahlreiche Theorien und Gutjahr und seine Familie gerieten ins Visier von Verschwörungstheoretikern. Über seine Erfahrungen damit, hat der Journalist dem Medium Magazin ein Interview gegeben. Darin beschrieb er, dass er und seine Familie massiv bedroht wurden.

Nun hat Wisnewski sein übliches Jahrbuch beim Kopp Verlag veröffentlicht, in dem er Dinge beschreibt, die von den Medien 2016 angeblich verschwiegen wurden. Im Buch finden sich auch wieder die Theorien über die angeblichen Verwicklungen Gutjahrs in den Anschlag und den Amoklauf – stets im Ungefähren oder als Fragen formuliert, so dass nichts justiziabel ist. Richard Gutjahr hat auf die Veröffentlichung reagiert, indem er seine Sicht der Dinge in einem Kommentar bei Amazon dargelegt hat. „Stimmt, ein Buch, das Sie nicht lesen sollten“, ist sein Kommentar überschrieben. Gutjahr:

Meiner Familie und mir ist in dem Buch fast ein komplettes Kapitel gewidmet. Als der Autor vor einem halben Jahr über mich gebloggt hatte, uns im Nachgang zum LKW-Anschlag in Nizza und dem Amoklauf in München in die Nähe der Geheimdienste und Terroristen rückte, habe ich das noch als spontane Kurzschlussreaktion abgetan. Aber dass er jetzt auch noch ein Buch daraus macht, ist an Geschmacklosigkeit nicht zu überbieten. Der handwerkliche Trick, mit dem Wisnewski arbeitet, ist so simpel wie perfide: Wann immer der Autor eine seiner steilen Thesen nicht belegen kann, kleidet er sie in eine Frage. Beispiel: Gerhard Wisnewski würde niemals seine Frau schlagen, würde er? Damit schützt er sich juristisch vor etwaigen Verleumdungsklagen der Betroffenen, die sich nicht wehren können. Er entledigt sich aber vor allem der zeitraubenden Arbeit, seine Spekulationen auch belegen zu müssen.

Auf Facebook hat Gutjahr dazu aufgerufen, seine Amazon-Rezension als „hilfreich“ zu bewerten.

Rezensionen, die oft als „hilfreich bewertet“ werden, rutschen in der Amazon-Ansicht nach oben und werden Besuchern der Buchseite zuerst angezeigt. Über 3.500 mal wurde Gutjahrs Rezension nun als „hilfreich“ angezeigt, wodurch sie ganz oben in den Rezensionen steht. Gutjahrs Aktion bekommt viel Lob aber auch einige Kritik. Sein Facebook-Aufruf wird von einigen als Kampagne oder Meinungsmache gedeutet. Dem widerspricht Gutjahr. In der Diskussion unter seinem Facebook-Posting stellt er klar, dass es ihm einzig darum geht, seine Position sichtbar zu machen und er darum auch nicht dazu aufruft, negative Bewertungen oder negative Rezensionen abzugeben.

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