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Improvisiertes TV-Experiment: Warum der „Tatort: Babbeldasch“ ohne festes Drehbuch entstanden ist

Einfach gespielt: Im "Tatort: Babbeldasch" (26.2., ARD, 20.15 Uhr) musste Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, l.) improvisieren

Ein „Tatort“ ohne Drehbuch? Das hat es in der Geschichte der Krimi-Reihe noch nicht gegeben. Bis jetzt: Regisseur Axel Ranisch hat für den SWR mit dem „Tatort: Babbeldasch“, der an diesem Sonntag (26.2., ARD, 20.15 Uhr) zu sehen sein wird, das TV-Experiment gewagt – und Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) aus Ludwigshafen weitestgehend freie Hand gelassen.

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Als „Kriminaloperette ohne Gesang“ beschreibt Regisseur Axel Ranisch seinen „Tatort: Babbeldasch“ – eine Folge der Krimi-Reihe, wie sie es bisher noch nicht gegeben hat: Der Fall aus Ludwigshafen wurde seit Mitte Juni 2016 ohne ausformuliertes Drehbuch gedreht. „Die allgemeine Stimmung war: Wir hauen jetzt mal auf die Kacke und machen alles anders als sonst.“, sagt Ranisch nun im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (kostenpflichtig). „Bis dahin war es aber ein weiter Weg, da ich meine Arbeitsweise zum SWR verpflanzen musste.“

Gemeinsam mit den Darstellern haben Ranisch, Schauspielcoach Peter Trabner und Drehbuchautor Sänke Andresen in mehreren Workshops die Figuren für den Film entwickelt – auf dieser Basis wurde schließlich die Grundstruktur der Geschichte entworfen, die ohne ausformuliertes Drehbuch als Improvisation umgesetzt wurde. „Ulrike Folkerts hat sich ja schon lange immer mal wieder gewünscht, was Neues auszuprobieren. Das hatte sie jetzt davon!“, witzelt Ranisch über die „Tatort“-Kommissarin aus Ludwigshafen. „Ulrike hatte Vorbehalte, weil man in langen Impro-Szenen hin und wieder aus der Rolle fällt und sie befürchtete, ich könnte damit nicht vertrauensvoll umgehen. Nach einer Drehwoche aber haben alle angefangen, die Freiheit zu genießen.“ Es sei schon allein ein Hochgenuss gewesen, den Fall chronologisch abdrehen zu können.

Darüber hinaus bekäme man durch die Improvisation „mehr Alltagshumor und Lebendigkeit in den Film“. Nicht zuletzt durch jene Natürlichkeit, und die Pfälzer Mundart, soll dieser Krimi besonders polarisieren. „Krimi-Puristen werden nichts damit anfangen können“, ahnt Ranisch. Zumindest der SWR scheint das TV-Experiment als geglückt anzusehen, noch bevor der „Tatort: Babbeldasch“ an diesem Sonntag (ARD, 20.15 Uhr) überhaupt sehen war: „Wir hatten einen großartigen Sommer. Also haben wir mit der Redaktion beim SWR beschlossen, gleich noch einen nachzulegen.“

Bereits der ARD-Fernsehfilm „Wellness für Paare“ hat auf ein loses Drehbuch und Improvisation gesetzt. Anke Engelke hatte keine Bedenken, auf diese Weise zu arbeiten, wie sie in einem ARD-Interview erzählt. „Wenn man bei seiner Rolle bleibt und sich natürlich in ihr bewegt, kann ja nix schief gehen, man kann ja, wenn’s doof wird, schweigen oder einschlafen oder weggehen“, sagt sie – und sieht noch einen weiteren Vorteil: „Wo kein Drehbuch ist, gibt’s auch keine Texthänger oder Versprecher.“

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