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Beschwerden wegen umstrittenem Trump-Cover: Spiegel-Titel wird Fall für den Presserat

Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer findet das aktuelle Titelbild nicht provokant

Schon lange erhitzte kein Spiegel-Cover mehr derart die Gemüter wie die aktuelle Titelseite. Selbst in den USA diskutieren die Medien über die Darstellung von Donald Trump und der geköpften Freiheitsstatue. So erklärte Chefredakteur Klaus Brinkbäumer gerade bei CNN seinen Aufmacher. Eine weitere Erklärung müssen die Hamburger wohl auch bald für den Presserat aufsetzen. Denn gegen das Cover sind mittlerweile 16 Beschwerden bei den Medienwächtern eingegangen.

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Das bestätigte eine Sprecherin gegenüber MEEDIA. Wegen der Relevanz des Themas und der hohen Anzahl an Beschwerden, erfolgte die Vorprüfung bereits. So steht jetzt schon fest, dass sich der Beschwerdeausschuss 2 am 23. März mit dem Fall beschäftigen wird.

Der Protest gegen die Titelseite, auf der eine Karikatur des kubanischen Künstlers Edel Rodriguez zu sehen ist, die US-Präsident Donald Trump zeigt, der mit einer Machete die Freiheitsstatue geköpft hat, richtet sich gleich gegen mehrere Ziffern des Pressekodexes.

So sehen einige Leser die Opfer von Terroranschlägen verhöhnt, andere sehen die Menschenwürde nach Ziffer eins des Pressekodexes verletzt. Andere meinen wiederum, dass die Ziffer neun des Regelwerkes missachtet wurde. Darin heißt es unter der Überschrift „Schutz der Ehre“: „Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.“

Gegenüber Reuters erklärte der Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer die Titelseite und bezog Stellung zu der Kritik an dem Bild. Wörtlich sagte er:

Ich halte das gar nicht für so wahnsinnig provokant. Wir zeigen das, worum es geht. Es geht im Moment ja tatsächlich um die Demokratie, um die Freiheit, es geht um Menschenrechte, es geht um die liberale Demokratie so wie wir sie wertschätzen. Donald Trump hat in den ersten zwei Wochen seiner Amtszeit mit diversen Handlungen und Verachtung für die Justiz, Verachtung für die Medien, Verachtung für multilaterale Abkommen und Institutionen bewiesen, dass er die Demokratie ernsthaft bedroht. Das zeigen wir.

Innerhalb der Deutschen Medienlandschaft wird die Titelseite ebenfalls kontrovers diskutiert. Die Einschätzungen reichen dabei von „Weltklasse“ (Christoph Schwennicke), über „das Cover ist ein Erfolg“ (Ulf Poschardt) und „der Titel trifft den Punkt“ (Philipp Jessen) bis „der Titel schürt Hass“ (Helmut Markwort). Ob die Titelseite darüber hinaus gegen den deutschen Pressekodex verstößt, wird nun spätestens Ende März feststehen.

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