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„Ich halte das nicht für wahnsinnig provokant“ – Spiegel-Chef Brinkbäumer rechtfertigt das umstrittene Anti-Trump-Cover

Spiegel-Chef Klaus Brinkbäumer findet das aktuelle Titelbild nicht provokant

Das Cover des aktuellen Spiegel sorgt weltweit für Aufsehen und Diskussionen. Auf dem Titel des Nachrichtenmagazins ist eine Karikatur des kubanischen Künstlers Edel Rodriguez zu sehen, die US-Präsident Donald Trump zeigt, der mit einer Machete die Freiheitsstatue geköpft hat. Daneben steht die Zeile „America first“. Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hält das Cover nicht für besonders provokant. Es zeige, „worum es geht“.

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Gegenüber Reuters sagte Brinkbäumer wörtlich: „Ich halte das gar nicht für so wahnsinnig provokant. Wir zeigen das, worum es geht. Es geht im Moment ja tatsächlich um die Demokratie, um die Freiheit, es geht um Menschenrechte, es geht um die liberale Demokratie so wie wir sie wertschätzen. Donald Trump hat in den ersten zwei Wochen seiner Amtszeit mit diversen Handlungen und Verachtung für die Justiz, Verachtung für die Medien, Verachtung für multilaterale Abkommen und Institutionen bewiesen, dass er die Demokratie ernsthaft bedroht. Das zeigen wir.

In der deutschen Öffentlichkeit stieß das Titelbild auf viel Kritik. Der EU-Parlaments-Vizepräsidenten Alexander Graf Lambsdorff (FDP) nannte das Cover laut Bild „geschmacklos.“ Der CDU-Außenpolitiker Karl-Georg-Wellmann sagte: „Ich rate allen, etwas runter zu kommen.“ Die Zeitung Die Welt sah  Die Welt meinte, das Titelbild entwerte den Journalismus. Die FAZ schrieb von einem „Zerrbild“. Die taz diagnostizierte eine „Titelbild-Eskalation“.

In den USA wurde das Cover teils positiver aufgenommen. Die Washington Post bezeichnete das Cover als „striking“ („eindrucksvoll“) und sprach mit dem Künstler Edel Rodriguez.

Das US-Magazin Mother Jones bezeichnete das Titelbild als „amazing“ und „one helluva statement“ („erstaunlich“ und etwa „mordsmäßige Aussage“).

Edel Rodriguez hat übrigens schon vorher kritische und kontroverse Trump-Cover gestaltet. Der Künstler zeichnete auch das umstrittene Spiegel-Cover, bei dem Trump als Komet die Erde zu verschlingen droht („Das Ender der Welt (wie wir sie kennen)“), das kurz nach der Wahl Trumps erschien und die Cover des US-Magazins Time mit dem immer weiter zerfließenden Gesicht Trumps („Meltdown“ und „Total Meltdown“), die noch vor Trumps Wahl erschienen und illustrieren sollten, dass sich Trumps Chancen auf eine Wahl wegen seinen zahlreichen Skandalen und Entgleisungen auflösen würden. Bekanntlich kam es anders.

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